Islam ist nicht gleich Islam - eine Reformgemeinde stellt sich vor

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Austausch von Religion und Politik (von links): Christiane Adler (kath. Kirche), Pfarrer Horst Schiffner (Ev. Kirche), Muneeb Ahmad, Muzaffar Ahmad, Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde Frankenberg, Dr. Daniela Sommer und Bürgermeister Rüdiger Heß.

Die Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat erklärt beim Neujahrsempfang im Röddenauer Bürgerhaus, woran sie glaubt, wie sie organisiert ist, welche Ziele sie verfolgt und wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Frankenberg.  Im Lauf der Geschichte haben sich innerhalb der Religion zahlreiche Gruppen herausgebildet, die sich hinsichtlich ihrer religiösen und politischen Lehren unterscheiden. Die Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine davon. Woran sie glaubt, wie sie organisiert ist, welche Ziele sie verfolgt und wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, darüber informierte die Frankenberger Ahmadiyya-Gemeinde bei einem Neujahrsempfang im Röddenauer Bürgerhaus.

Rund 60 Mitglieder zählt die Gemeinde in Frankenberg, wobei sie sich in Zukunft eher Richtung Allendorf orientieren will, wo sie jetzt schon meist zusammenkommt und wo viele Mitglieder arbeiten. In den 1880er Jahren in Indien gegründet gibt es heute deutschlandweit rund 40.000 Mitglieder und weltweit zirka zehn Millionen – eine verschwindend geringe Zahl, bedenkt man, dass es weltweit knapp 2 Milliarden Muslime gibt.

Was beim Treffen in Röddenau auffällt: Die Gemeindemitglieder sind zumeist relativ jung, der Großteil befindet sich in den 20ern. Obwohl die Bewegung an den islamischen Rechtsquellen – Koran, Sunna und Hadith – festhält, bezieht sie sich auch auf die Schriften Mirza Ghulam Ahmads, den sie als Messias anerkennen und der sich als prophezeite Wiederkunft Jesu Christi, Krishnas und Buddhas in einer Person verstand.

Während sich die Ahmadiyya-Gemeinde dem Islam zugehörig sieht, wird sie in islamischen Ländern häufig angefeindet und bekämpft. Auf die Frage, wie sich die Situation in Deutschland gestaltet – besonders im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit – sagt Muneeb Ahmad, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Gemeinde: „Damit haben wir in Frankenberg keine Probleme, auch in Deutschland eigentlich nicht. Die Anfeindung kommt wenn überhaupt eher aus anderen muslimischen Gemeinden.“

Öffentlichkeitsarbeit ist für die Gemeinde sehr wichtig. „Wir wollen zeigen, dass wir eine offene Gemeinde sind. Bei uns ist jeder willkommen, egal welche Religion oder welches Geschlecht die Person hat“, so Ahmad. In seiner Ansprache verwies er auf die Aktivitäten der Gemeinde, die bereits an Neujahr mit dem freiwilligen Säubern der Straßen in Frankenberg und Allendorf beginnt. „Das macht die Ahmadiyya-Gemeinde deutschlandweit. Unsere Religion schreibt uns vor, Gutes zu tun.“

Zum weiteren Programm gehören Ausflüge, Frauentreffs und Sportveranstaltungen. Dabei seien stets alle Interessierten eingeladen. Der Austausch, gerade mit Andersgläubigen, sei ihnen sehr wichtig. Regelmäßig veranstaltet die Gemeinde auch Informationsveranstaltungen in denen sie sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzt. Die letzte fand unter dem Titel „Islam – Bedrohung oder Quelle des Friedens“ statt. Sogar zum Fastenbrechen und zur spirituellen Jahreshauptversammlung lud Ahmad ein. Die „Jalsa Salana“ findet einmal im Jahr in der Messe Karlsruhe statt, wo rund 40.000 Ahmadiyya-Anhänger aus der ganzen Welt für drei Tage zusammenkommen.

„Machen sie weiter so“, lobte Bürgermeister Heß die Aufklärungsarbeit, der Ahmadiyya-Gemeinde. „Mein Motto ist Einheit in Vielfalt, aber ich weiß auch, dass es Menschen in Frankenberg gibt, die Angst davor haben. Deshalb sollten wir miteinander und nicht übereinander reden.“ Auch Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer lobte die vorgestellten Projekte und die aktive Einbringung der Gemeinde in das öffentliche Leben. Die Gemeindereferentin der katholischen Kirche Frankenberg, Christiane Adler, hob die gute Ökumene in Frankenberg hervor und versicherte, dass auch die Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde stets willkommen seien.

Zum Abschluss des Abends sprach Imam Habib Nasir, der davor warnte, Religionen zu instrumentalisieren. Beim gemeinsamen Abendessen mit Fernöstlichen Spezialitäten kamen Gäste, die Vertreter aus Religion und Politik sowie die Ahmadiyya-Gemeinde ins Gespräch.­

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