Arm im Alter trotz Vollzeitbeschäftigung: Arbeitnehmern im Landkreis droht Stütze

Gefangen im Niedriglohn - Arbeiten im Alter: Laut IG BAU ist das keine Seltenheit mehr.
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Gefangen im Niedriglohn - Arbeiten im Alter: Laut IG BAU ist das keine Seltenheit mehr.

„Wer heute in Vollzeit weniger als 2.200 Euro brutto verdient, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen.“ Das gilt laut IG BAU Nordhessen für 8.900 Arbeitnehmer in Waldeck-Frankenberg.

Korbach -  Viele Rentner sind schon auf einen Minijob angewiesen, um über die Runden zu kommen. Rund 8.900 Vollzeit-Beschäftigte im Landkreis Waldeck-Frankenberg könnte im Alter Hartz IV drohen, prophezeit die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Gewerkschafter Klaus Michalak warnt: „Wer heute in Vollzeit weniger als 2.200 Euro brutto verdient, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen.“ Das ergebe sich aus Berechnungen der Bundesregierung. Danach muss ein Vollzeit-Arbeitnehmer im Schnitt mindestens 12,63 Euro pro Stunde verdienen, um nach 45 Beitragsjahren bei der Rente oberhalb der staatlichen Grundsicherung zu landen. „Einige werden zwar das Glück haben, dass der Ehepartner besser verdient und so die Renten-Haushaltskasse später aufbessert. Doch für viele ist die Rente selbst dann extrem knapp.“

Für Michalak ist das ein unhaltbarer Zustand: „Wer jeden Tag acht Stunden malocht, der muss von seiner Arbeit auch leben können.“ Der Bezirksvorsitzende spricht von einem Ausufern des Niedriglohnsektors, dem die Politik zu lange zugeschaut habe: „Bei vielen Beschäftigten ist die Angst groß, in Hartz IV abzurutschen. Deshalb akzeptieren sie auch Niedriglöhne. Etliche Unternehmen nutzen das schamlos aus. Sie zahlen kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.“ Dabei hätten die meisten Betriebe durchaus Spielräume, mehr zu bezahlen. „Wer sich als Dumping-Unternehmer nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn am Markt behauptet, der sollte sein Geschäftsmodell ohnehin überdenken“, so Michalak.

Arbeitnehmer sollten laut IG Bau mindestens auf höher liegenden Tariflöhnen bestehen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. „Von der Gebäudereinigung über das Dachdeckerhandwerk bis hin zur Landwirtschaft – für Beschäftigte geht es hier um viel Geld“, weiß Michalak.

Der durchschnittliche Tariflohn lag laut IG BAU nach der letzten bundesweiten Berechnung bei 17,90 Euro pro Stunde. Also deutlich über dem Armutsrisiko. Ein gelernter Bauarbeiter verdiene nach Tarif sogar 20,63 Euro in der Stunde. Michalak: „Wer jedoch für die gleiche Arbeit nur den speziellen Bau-Mindestlohn bekommt, der hat Monat für Monat 980 Euro weniger auf dem Lohnzettel. Ihm gehen damit wichtige Rentenpunkte verloren.“

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