Anfänge des Skisports in der Wintersport-Arena

Wintersport seit 110 Jahren. Fotos: Wintersportarena/Montage: ma

110 Jahre Wintersport in der Wintersport-Arena Sauerland feiern die Skigebiete in diesem Winter.

Region. 110 Jahre Wintersport in der Wintersport-Arena Sauerland feiern die Skigebiete in diesem Winter. Der runde Geburtstag ist ein guter Anlass, einmal den Blick schweifen zu lassen. Denn die Region ist reich an historischen Wintersportplätzen.

Willingen

Alte Ratgeber für Skiläufer stellen Willingen als einen der Hauptwintersportorte im Sauerland dar. Der in Sachen Wintersport traditionsreichste Berg dort ist der Ettelsberg. Er liegt nur 6 Kilometer vom Bahnhof Brilon-Wald entfernt, was schon früh recht komfortable Anreisemöglichkeiten bot. Alte Wintersportberichte erzählen davon, dass dort schon 1910 neben einer Skiabfahrt eine Rodelbahn vorhanden war. 1912 fand das erste Skifest nach der Wettlaufordnung des DSV statt. Organisator war der Wintersportverein Brilon-Willingen. Die beiden Orte kooperierten in der damaligen Zeit. Willingen hatte die besseren Wintersportmöglichkeiten, Brilon mehr Beherbergungsbetriebe. Der Skisport entwickelte sich prächtig, dazu gab 1914 der Bahnanschluss einen wichtigen Impuls. Um den mühsamen Aufstieg zu erleichtern, nahm 1950 am Ettelsberg ein erster Tellerlift seinen Betrieb auf.

Am Ettelsberg stand auch die erste Skischanze. Weiten bis zu 25 Meter sollen dort gesprungen worden sein. Die Skispringer breiteten damals während des Sprungs die Arme seitlich aus und zogen die Beine an, da sie glaubten, so weiter fliegen zu können. Bis in die 20er Jahre befanden sich eine kleine Sprungschanze am nordöstlichen Hang des Ettelsbergs und mittlere Sprungschanzen auf der Bergkuppe. Schon damals gab es die Ettelsberghütte, die eine beliebte Einkehrmöglichkeit war und ist. Der Ettelsberghang gehört heute zum Skigebiet Willingen. Dort steht die einzige Kabinenseilbahn der Region.

Mühlenkopfschanze

Anfang der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts war die Begeisterung für das Skispringen so groß, dass in Willingen der Wunsch nach einer großen Skischanze am Osthang des 838 Meter hohen Mühlenkopfes entstand. Zunächst wurde 1924 die erste Schanze auf dem Ettelsberg errichtet. Nun waren Weiten bis 35 Meter möglich.

Nach dem Neubau am Mühlenkopf 1951 war die Willinger Anlage die viertgrößte Schanze der Welt. Die heutige K-130-Schanze wurde 2001 neu gebaut und gilt als die größte Großschanze der Welt mit einem Schanzenrekord von 152 Meter.Viele Anekdoten und Typen sind in Weltcuport Willingen mit dem Skispringen verbunden. So hat der Willinger Erich Genuit die erste Backenbindung für Skispringer entwickelt. Eine Postkarte aus den 30er Jahren zeugt davon, wie der waghalsige Erfinder beim Skispringen einen Rückwärtssalto vorführt – um zu zeigen, wie "sicher" seine Bindungen sind. Der wohl erste Trickskifahrer der Geschichte…

Winterberg

Der erste "Übungshang" in der Geschichte des Sauerländer Wintersports ist in der Tat das Winterberger Herrloh, das noch heute beliebt ist für Kinder und Anfänger, die ihre Schwünge üben. Im Februar 1906 waren es der Kaufmann Georg Brinkmann und einige seiner Kegelbrüder, die die ersten Abfahrten wagten. Brinkmann hatte zuvor Skier aus dem Schwarzwald importiert. Erfahrung hatte keiner der Herren. Um sich nicht zu blamieren, übten sie bei Nacht und Nebel, waren aber schnell begeistert von der damals neuen Sportart.

Der traditionsreichste Skihang in Winterberg ist der Nordhang am Fuß des Kahlen Astens. Heute gehört er zum Skiliftkarussell Winterberg. Anfang des 20sten Jahrhunderts war er kein alpiner Skihang im heutigen Sinne. Wintersportler vor über 100 Jahren erlebten die Landschaft bei ausgedehnten Skiwanderungen. Touren zogen sich durch die gesamte Bergwelt. Am Nordhang selbst fanden die ersten Skifeste der Region statt. Der ortsansässige Skiverein organisierte sie, um den Gästen ein besonderes Schauspiel zu bieten.

Die erste am Nordhang registrierte Verbandsmeisterschaft des Skiklubs Sauerland (SKS) war am 23. Februar 1908 der "Skiwettkampf zu Winterberg", zu dem gleich einige hundert Zuschauer kamen. Spätere Veranstaltungen lockten bis zu 5.000 Schaulustige aus den Städten des Ruhrgebiets, aus ganz Westfalen und dem Rheinland herbei. In der Regel gehörten Wettlauf (heute Langlauf), Sprunglauf (Skispringen) und Kunstlauf (heute Torlauf) dazu. Alte Berichte und Bilder zeugen von der großen Beliebtheit: 1911 zum vierten Skifest stauten sich hunderte Schlitten auf der Straße zum Nordhang. 1933/34 soll es am Nordhang den ersten Skilift der Region mit einem Hanfseil gegeben haben.

Besonders beliebt waren die Sprungwettbewerbe. Die Zuschauer bejubelten die Starter bei ihren waghalsigen Aktionen. Die damals größte Skischanze stand im Rauchloch. Der Platz in einer Senke auf der Ostseite des Kahlen Astens wurde gewählt wegen seiner schneesicheren, windgeschützten Lage. Kleinere Skischanzen standen am Nordhang und am Herrloh. Aufgrund des unsicheren Auslaufs war 1931 ein umfassender Umbau der Rauchlochschanze fällig. Die heutige St. Georg Schanze am Herrloh wurde im Winter 47/48, zunächst als Holzkonstruktion eröffnet.

Bobbahn

Die Winterberger Bobbahn gilt als eine der modernesten und technisch anspruchsvollsten Bahnen weltweit. Sie blickt auf eine über 100jährige Geschichte zurück. Sie ist direkt mit dem Bobhaus auf der Winterberger Kappe verknüpft. Gäste finden in dem markanten Gebäude viele Exponate, die von der sportlichen Geschichte des Kufensports erzählen. Am 19. Mai 1910 wurde dort der "Sauerländische Bobsleigh- und Automobilclub", heute Bob- und Schlittensportclub Sauerland Winterberg (BSCW) gegründet. Die erste Natureisbahn im Winter 1910/1911 hatte ihren Start auf der Kappe, Ziel war die Daubermühle zwischen Winterberg und Züschen. Viel Schnee und Kälte war nötig, um die Eisrinne in mehrwöchiger Arbeit zu errichten. Für Training war nach dem Bau der Bahn nur wenige Tage Zeit. Oftmals machte Tauwetter die mühevolle Arbeit wieder zunichte. 1977 eröffnete die heutige Bahn auf der Winterberger Kappe, als weltweit vierte Kunsteisbahn.

Westdeutsches Wintersportmuseum und Nostalgie-Skirennen

Dass insbesondere die Dörfer ihre Wintersporttradition hochhalten, zeigt das Westdeutsche Wintersport-Museum in Neuastenberg. Dort unternehmen Gäste eine regelrechte Zeitreise durch alle Epochen der Wintersportgeschichte. Urgroßvaters Bretter, abenteuerliche Skimonturen, eine alte Stellmacherwerkstatt sind sehenswerte Spuren des "Weißen Sports" in Winterberg seit 1889.

Mit Grund steht das Westdeutsche Wintersport-Museum am Rande des Postwiesen-Skigebiets. Auch die Postwiese gilt als eine der Geburtsstätten des Wintersports. Ein erstes Skifest fand dort schon 1909 statt. Zudem hat sich dort sehr früh und intensiv das Skischulwesen entwickelt. Nachdem der SKS zunächst Norweger beauftragte, in der damals üblichen Telemark-Technik zu unterrichten, übernahmen bald skibegeisterte Einheimische diese Aufgabe. Um die fachlichen Fähigkeiten sicherzustellen, organisierte der SKS Lehrwartskurse. 1927 fand die erste Lehrwarteprüfung am Sturmfried in Neuastenberg/Lenneplätze statt.

Eine beliebte Veranstaltung erinnert alles zwei Jahre an frühere Zeiten: Ein Bild wie um die Jahrhundertwende bietet sich dem staunenden Publikum beim Nostalgieskirennen, das im aktuellen Winter am 5. Februar stattfindet. Damen präsentieren sich gern traditionell in knöchellangen, wallenden Röcken, Muff und pelzbesetztem Kragen. Einen ganz erstaunlichen Anblick bieten auch die Herren in ihren Kniebundhosen und Schiebermützen oder ganz gediegen mit Schal, Mantel und Filzhut ausstaffiert. Höhepunkt ist die Gemeinschaftsabfahrt hinunter zum Museum und dortige Brotzeit.

Im Hotel Leisse am Winterberger Marktplatz wurde am 23. Februar 1907 der Skiklub Sauerland, der Vorläufer des heutigen Westdeutschen Skiverbands (WSA) gegründet. Hintergrund war die Eröffnung des letzten Abschnitts der Bahnstrecke Bestwig-Winterberg im Herbst zuvor. Gäste konnten nun bequem und sicher anreisen und das winterliche Hochsauerland erleben. Insbesondere an den Wochenenden kamen immer mehr Gäste in die neu erschlossene Wintersportregion.Um den Skilauf zu organisieren und zu fördern, gründeten ortsansässige Geschäftsleute gemeinsam mit engagierten Regierungsvertretern den neuen Verein.

Brilon

Immer mehr Orte eiferten dem Winterberger und Willinger Vorbild nach und schufen Wintersportplätze nach deren Vorbild. Meist mit den typischen Sprungschanzen, da dies die Wettkämpfe besonders spektakulär machte. In den ersten Jahren arbeiteten die Briloner Förderer des Wintersports noch mit den Willingern zusammen. Doch nach einiger Zeit, schufen sie ihren eigenen Wintersportplatz. 1932/33 bauten sie die erste Skisprungschanze in der Helle mit einem hölzernen Aussichtsturm, der gleichzeitig als Anlauf diente. Außer ein paar baulichen Resten im Bereich der Möhnequelle ist von der Schanze nicht mehr viel zu sehen. Den Hinweis auf die Schanze hat der Brilon Tourismus in seinen Landschaftstherapeutischen Weg eingebunden. Und ganz in der Nähe unterhält der Briloner Skiclub am Poppenberg nach wie vor ein kleines aber feines Naturschneeskigebiet.

Olsberg

Schon früh nutzten Skiwanderer den schneesicheren Nordhang des Langenbergs für ihre Touren. Er ist noch vor dem Kahlen Asten der höchste Berg im Sauerland. Nach dem zweiten Weltkrieg bauten engagierte Skifreunde dort für die Hömbergschanze. Ende der 60er Jahre entstand ein erster, einfacher Seil-Lift, um den mühsamen Aufstieg zu vereinfachen. Von der Schanze ist heute nichts mehr zusehen, engagierte Freunde des Wintersports betreiben in Bruchhausen aber seit vielen Jahren das Skigebiet Sternrodt.

Schmallenberg / Bad Fredeburg

Die Region um Schmallenberg ist eng mit Wintersporttradition verbunden. Alte Skiführer schwärmen von der Hunau mit ihren vielen schönen Skitouren. Essener Skifreunde hatten diese Vorzüge sehr früh erkannt. Bereits 1906 hatten sie eine eigene Skihütte auf der Hunau errichtet. Auch Skifeste haben die frühen Schmallenberger Wintersportfreunde organisiert. So fand im Winter 1920/21 im Hünegräben am Aberg der erste offizielle Sprunglauf im Raum Schmallenberg statt. Dort stand eine kleine Schanze, deren Sprungweite damals immerhin schon bei 28 Metern lag.  Erste Skihänge gab es nach Angaben des Skiclubs Schmallenberg in dieser Zeit auch im Lenninghof, wo es in den 60er Jahren eine Schanze gab. Beide sind heute nicht mehr zu sehen. Aber 1971 baute eine Skiliftgesellschaft, im Lenninghof den Schmallenberger Höhenlift, der heute unter dem Namen Skigebiet Schmallenberger Höhe betrieben wird.

Die Anfänge des Skisports in Bad Fredeburg reichen bis in das Jahr 1911 zurück. Der damalige Förster Wagner bediente sich nach Angaben des dortigen Skiclubs des "Schneeschuhlaufens" um im Winter das Wild in den Wäldern zu füttern. Das Anfang des 20. Jahrhunderts typische Skiwandern ähnelte eher dem heutigen Langlauf. Liftanlagen nach dem heutigen Verständnis gab es nicht. Skiwanderungen führten damals schon gern zum Rimberg hinauf. Das dort ansässige Hotel betreibt nach wie vor einen kleinen Naturschneehang.

Bad Berleburg

Alte Skiführer schwärmen von den schönen Skitouren, die es rund um Bad Berleburg gegeben hat. Doch auch die damals typischen Wintersportplätze gab es in der Region. Das erste Skifest im Raum Bad Berleburg mit Kunstlauf, Wettlauf, Sprunglauf und Langlauf, fand im Februar 1911 in Lützel bei Hilchenbach statt. Dazu hatten die Veranstalter extra eine vier Meter hohe Anlaufbühne am Pfaffenhainerrichtet. Der Hang ist heute ein beliebter Teil des Skigebiets Giller-Hilchenbach-Lützel. Für seine gut gepflegten Loipen ist das Loipenskigebiet "Auf der Steinert" bei Girkhausen heute bekannt, vor gut einem halben Jahrhundert aber auch für schöne Skifeste. Von den 50ern bis in die 90er Jahre hinein hat es dort eine Skischanze gegeben. Ebenso auf der Pastorenweise bei Wunderthausen, heute ebenfalls ein schönes Langlaufgebiet. Auch in Bad Berleburg selbst gab es Skifeste, diese Orte sind aber heute nicht mehr mit Wintersportverknüpft.

Olpe

Der Rhein-Weser-Turm bei Oberhundem war ursprünglich als Schutzhütte für Waldarbeiter, Kirchgänger, Wanderer und Skifahrer gedacht. Aus dieser Attraktion entwickelte sich die Idee zur Errichtung eines Aussichtsturms. Der Rhein-Weser-Turm wurde 1932 in nur 77 Tagen errichtet.Nicht weit davon entfernt vom Rhein-Weser-Turm, am Riesenberg, soll schon sehr früh eine Skischanze gestanden haben. 1953/54 baute der Skiclub Oberhundem die erste offizielle Wettkampfschanze, die "St. Lambertus-Schanze". Sie war seinerzeit die größte Natursprunganlage Westdeut­schlands und wurde später auf einen K-Punkt von 64 m erweitert, ist aber heute nicht mehr vorhanden.Der Rhein-Weser-Turm jedoch ist weiterhin eng mit Wintersport verknüpft. Langläufer und Winterwanderer nutzen die Gastronomie heute noch gern als Einkehrmöglichkeit. Er ist Einstiegspunkt in die beliebte Rothaarloipe. Ganz in der Nähe befindet sich der Rhein-Weser-Lift, der an guten Schneetagen geöffnet ist.

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