Angriff auf Karies

Waldeck-Frankenberg. Fast 60 Prozent aller 12-Jährigen haben mittlerweile kariesfreie Zähne. Soweit die gute Nachricht, denn dies war in den siebzig

Waldeck-Frankenberg. Fast 60 Prozent aller 12-Jährigen haben mittlerweile kariesfreie Zähne. Soweit die gute Nachricht, denn dies war in den siebziger Jahren drastisch schlechter.

Aufklärung und veränderte Ernährung haben die Situation verbessert. Bei Milchzähnen sieht dies noch anders aus: durchschnittlich sind fast zwei Zähne pro Schulanfänger von Karies befallen, Grund genug aufzuhorchen und Anlass für den Arbeitskreis Jugendzahnpflege des Gesundheitsamts Waldeck-Frankenberg zusammen mit   der Zahnklinik der Universität Marburg ein Präventionsprojekt in Auftrag zu geben.Um möglichst früh anzusetzen, wurden 120 Kindergärten in den Kreisen Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg in das Vorsorgeprogramm aufgenommen.  2.228 Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren nahmen drei Jahre lang an der Maßnahme teil mit dem Ziel, aktuelle Mundgesundheitsdaten zu ermitteln.

In der Anfangsuntersuchung hatten ungefähr 17 Prozent der Probanten eine frühkindliche Karies. Negative Einflussfaktoren sind vor allem zuckerhaltige Getränke tagsüber und vor allem nachts aus der Flasche zur freien Verfügung des Kindes, wenig Zahnpflege und seltene Zahnarztkontrollen.

In der so genannten "Basisgruppe" wurde Kinderzahnpasta und Putzgerät zur Verfügung gestellt, eine Elternbroschüre verteilt und drei bis vier Putzunterweisungen pro Jahr gegeben. Bei der "Intensivgruppe" erfolgte im Kindergarten täglich eine Intensivzahnpflege unter Anleitung von extra ausgebildeten "Zahnfeen". Nach drei Jahren erfolgte die Auswertung: die Kinder nach der Intensivpflege hatten 20 Prozent weniger Karies. Auftraggeber und begleitende Wissenschaftler des Projektes fühlen sich bestätigt, sind mit diesen Ergebnissen aber noch nicht zufrieden.

"Eine Intensivzahnpflege im Kindergarten führt zu einer deutlichen Karieshemmung", sagt Professor Dr. Klaus Pieper von der Universität Marburg. Das Ergebnis mache aber deutlich, "dass frühkindliche Karies immer noch ein Problem in Deutschland ist". Die zahnmedizinische Primärprophylaxe bei Klein- und Vorschulkindern müsse weiter verbessert werden. Hier ist noch viel Raum für Aufklärungsarbeit. Untersuchungen zeigen, dass abhängig vom sozialen Status der Eltern die mundhygienischen Zuwendungen an die Sprösslinge unterschiedlich intensiv ausfallen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das frühe Entdecken der ersten Anzeichen einer Zahnkaries an den Schneidezähnen im Milchgebiss und die Einleitung einer zahnärztlichen Behandlung, mit der das Voranschreiten gestoppt wird. Werden diese Vorschläge überall umgesetzt, lässt sich das Neuauftreten der frühkindlichen Karies deutlich begrenzen.

Präventionsmaßnahmen, Zahnmobile, Zahnputzfeen und Infobroschüre können aber nur so viel leisten, wie Eltern auch bereit sind mit ihren Kindern gemeinsam in möglichst frühem Alter umzusetzen. Der Großangriff auf Karies geht weiter. Das Gesundheitsamt des Kreises und die Zahnklinik der Universität Marburg haben bereits Teil zwei des Intensivprophylaxeprojekts eingeläutet: zwei Jahre lang werden 750 Grundschüler mit Zahnputzunterweisungen und kostenloser Zahnpasta versorgt. Ergänzend dazu erhalten 650 Kinder im Abstand von zwei Wochen lokale Fluoridapplikationen, Zähneputzen mit Zahngelee.

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