Dokumentationsstelle zur Rettung des "Platt"

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Heinrich Paul, Andreas Karl Böttcher und Walter Bracht, die Vorsitzenden der Geschichtsvereine Waldeck, Marsberg und Diemelstadt, kooperieren ab sofort länderübergreifend bei der Suche nach dem Plattdeutschen.

Geschichtsvereine tun sich länderübergreifend zusammen, um die vom Aussterben bedrohte niederdeutsche Sprache zu retten. Dazu soll in Bad Arolsen eine Dokumentationsstelle eingerichtet werden, um die Datensätze zu sichern.

Bad Arolsen. Die niederdeutsche Sprache ist vom Aussterben bedroht. Immer weniger Leute sprechen das landläufige Platt. „Hier ist Gefahr in Vollzug!“, meinen der Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ und der Waldeckische Geschichtsverein. Gemeinsam wollen sie überregional gegensteuern.

Da das „Waldecker Platt“ und das „Westfälische Platt“ mit leichten, regional wechselnden Vokabeln und Dialekten grundsätzlich identisch sind, will man eine zentrale, regionale Dokumentationsstelle einrichten. Diese soll im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen, einem „Nationalen Denkmal“ das ursprünglich im fürstlichen Besitz Waldecks war und heute als Museum und Bibliothek dient, eingerichtet werden. Hierzu hat jetzt die Jahreshauptversammlung des Waldeckischen Geschichtsvereins, der die Bibliothek im Schreiberschen Haus betreibt, den Weg frei gemacht und dementsprechende Beschlüsse gefasst.

Den Grundstock dazu lieferte sofort der Rhoder Heimatforscher Karl Heinemann, der seit Jahren Unterlagen und Tondokumente zum Platt der Region sammelt und aufnimmt. Sein Bestand umfasst bereits 5.500 Datensätze. Weitere Dokumente in Schrift und Ton sollen vom westfälisch-waldeckischen Platt folgen. Gesucht werden ab sofort aus dem Altkreis Brilon (insbesondere aus dem Südkreis um Winterberg, Hallenberg und Medebach), den Kreisen Paderborn, Höxter und Waldeck-Frankenberg plattdeutsche Texte bzw. Aufzeichnungen sowie Sprecher, die das Niederdeutsche in Alltagsgesprächen nutzen.

Ein besonderes Interesse liegt auf Heimatgedichten, Geschichten, Erzählungen, Weisheiten, Bräuchen und Anekdoten aus vergangenen Tagen der letzten Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte der Region. Diese können aus Büchern oder Zeitungskolumnen stammen oder handschriftlich von Personen festgehalten worden sein. Alles ist von Bedeutung.

Genauso gut sucht man Sprecher, die einzelne Vokabeln, Sätze, Texte und Unterhaltungen im typischen „Ortsjargon“ vortragen können, um diese aufzunehmen und um diese für die Nachwelt zu erhalten. Sie sollen alle zentral gesammelt werden. In einem weiteren Austausch fließen sie in verschiedene Archive, wie z. B. dem Sauerländer Mundartarchiv. Mehrfach archiviert, können sie später zu Forschungszwecken von den Forschern in Marburg und Münster aufbereitet und ausgewertet werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum „Deutscher Sprachatlas“ in Marburg (Prof. Dr. Jürgen Erich Schmidt), der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens in Münster (Dr. Markus Denkler) und dem Mundartarchiv des Sauerlandes für den Hochsauerlandkreis und dem Kreis Olpe in Eslohe-Cobbenrode (Dr. Werner Beckmann) soll so intensiviert werden. Plattdeutsche Sprecher und Personen, die „plattdeutsche Materialen“ aus den Ortschaften der Region zur Verfügung stellen wollen, können sich ab sofort unter info@Marsberger-Geschichten.de oder unter Tel. 0151-15815361 melden.

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