Bedarfszahlen nicht zeitgemäß

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. In manchen lndlichen Regionen und in Ballungsgebieten gleichermaen deutet sich in den letzten

Von Ralf FeldmannWaldeck-Frankenberg. In manchen lndlichen Regionen und in Ballungsgebieten gleichermaen deutet sich in den letzten Jahren ein sprbarer rztemangel an, der nette Hausarzt um die Ecke ist in einigen Kommunen lngst pass. Allein in Mecklenburg-Vorpommern haben 120 Gemeinden keinen Arzt mehr. Das ganze geht einher mit einer zunehmenden beralterung der rzteschaft, vor allem der Hausrzte. Die verbleibenden mssen hufig weite Wege zu Hausbesuchen in Kauf nehmen, ein enormer Arbeitsaufwand.Viele Mediziner empfinden die Arbeit auf dem Land und in manchen Ballungsgebieten offensichtlich als schwer zumutbar, vor allem solche, die hauptschlich von Kassenpatienten leben mssen. Lange Arbeitszeiten und im Verhltnis zu frheren Jahren geringeres Einkommen sind fr viele unattraktiv. So verdingen sich nicht wenige bereits im europischen Ausland bei angenehmeren Arbeitszeiten und lukrativerem Einkommen.

Bedarfszahlen nicht zeitgem

Grundlage fr die kassenrztliche Versorgung unserer Republik sind die so genannten Bedarfzahlen der Kassenrztlichen Vereinigung (KV). In einem genau markierten Berechnungsschlssel ist aufgelistet, wie viele niedergelassene rzte fr wie viele Menschen vorgesehen sind, unterschieden nach Typen von Verdichtungsrumen, abhngig von den Einwohnerzahlen.In Kernstdten ist so zum Beispiel ein Ansthesist pro 25.958 Einwohner in der Planung, in lndlichen Kreisen, einer pro 114.062 Menschen. Bei den Hausrzten geht die Schere logischerweise nicht so weit auseinander: 1.585 Patienten wurden fr Kernstdte und 1.752 fr lndliche Kreise berechnet. Fr die hessischen Planungsbereiche, die im Wesentlichen mit den Landkreisen identisch sind, heit das nach den Zahlen der KV Hessen: berversorgung in den meisten Regionen. Schaut man sich die Liste der freien Arztsitze nach Auflistung der KV Hessen an, verffentlicht im Hessischen rzteblatt vom August 2010, so gibt es dort 40 Bedarfsmeldungen, davon 12 Hausrzte oder Allgemeinmediziner, die meisten davon in Sdhessen. Nordhessen ist statistisch berversorgt. Eine genaue Verteilung der rzte im Kreisgebiet, wie viele z.B. in einer Kreisstadt angesiedelt sind, wie viele im Umland, geht aus diesen Planungstabellen nicht hervor. Dass mit einer steigenden Zahl lterer Menschen auch deren potentieller Arztbedarf steigt, wird bei derartigen Berechnungen schon gar nicht bercksichtigt.

Die Kommunen sind versorgt

Die Kommunen in Waldeck-Frankenberg sind mittlerweile ausreichend mit Hausrzten versorgt. In der Gemeinde Diemelsee konzentriert sich die rzteschaft auf Adorf. Die Menschen haben die Situation akzeptiert, wie uns Brgermeister Volker Becker mitteilt. Nach einer Umfrage verbinden viele Einkauf und Arztbesuch, damit sich die weiten Wege lohnen. Auch die Stadt Waldeck ist nach Einschtzung von Brgermeister Feldmann komfortabel versorgt, vor allem, weil die rzte rechtzeitig erkannt htten, sich in Gemeinschaftspraxen zu organisieren. Waldeck trage seinen Teil dazu bei, durch Schaffung der Gesundheitsmarke Waldeck, eine gemeinsame Darstellung aller Gesundheitsleistungen vor Ort. Im Rahmen der Dorferneuerung soll auch der Stadtteil Hringhausen in die medizinische Versorgung einbezogen werden. Die Gemeinde Lichtenfels hatte 2002 bis 2005 keinen Arzt vor Ort. Mittlerweile hat sich dies gendert: eine Zweigpraxis aus Frankenberg hlt mehrmals wchentlich Sprechstunden in Sachsenberg. Fr Goddelsheim konnte eine eigene Landrztin gewonnen werden, unter Mitwirkung der Gemeinde, die bei der Suche nach geeigneten Rumen behilflich war und durch vorherige Umfragen bei der Bevlkerung um Untersttzung geworben hatte. Brgermeister Steuber betont die gute Zusammenarbeit mit der KV Hessen, die trotz berversorgung im Kreis die beiden Praxisstandorte fr Lichtenfels beibehalten habe.Fr die Hausarztpraxis Resa in Vhl-Schmittlotheim war es ber Jahre ein stressiges Unternehmen, die medizinische Versorgung des Umfeldes aufrecht zu erhalten. Alle vierzehn Tage gab es einen Tag frei, zwei Wochen Urlaub im Jahr, ansonsten war man rund um die Uhr das ganze Jahr ber im Einsatz. Mittlerweile haben sich die Organisationsstrukturen verndert, und die Dienste sind gleichmig auf sechs Praxen im Raum Vhl/Frankenau verteilt. Im Notfall ein riesiges Einzugsgebiet.Angesichts des derzeitigen Altersdurchschnitts der Hausrzteschaft kann in wenigen Jahren eine Unterversorgung drohen. Den Kommunen ist das durchaus bewusst, und sie unternehmen eigene Anstrengungen, dem zuvorzukommen.

Mediziner mit Bonus locken

Krankenkassen und Kassenrztliche Vereinigungen einiger Lnder versuchen durch Zuschlge und Bonuszahlungen (Investitionszulagen) Mediziner in die entlegenen Regionen zu locken, die gibt es in Nordhessen aber zumindest statistisch gesehen (bisher) nicht. Eine realistische Zukunft wird auch greren rztlichen Versorgungszentren eingerumt: mehrere Fachrzte unter einem Dach, bequem und gnstig, wenn man erst mal da ist.Viele halten die Berechnungsgrundlagen der KVs fr lngst nicht mehr zeitgem. Die KV Hessen betont hier Handlungsbedarf seitens der Politik. Landtagsabgeordneter Dr. Norbert Bartelt (CDU) ist Arbeitskreisvorsitzender Arbeit, Familie und Gesundheit in Wiesbaden und hat dem Eder-Diemel Tipp die Vorschlge des Ministeriums vorgestellt: Die Planungsbezirke mssen in Absprache mit den Kommunen verkleinert werden, dies gehe allerdings nur in Absprache von Politik und Bundes KV.Junge Mediziner sollen die Mglichkeit erhalten, verstrkt in Krankenhusern eine Facharztausbildung zum Allgemeinarzt zu absolvieren.Bei 60 Prozent Frauen unter den Absolventen des Medizinstudiums gehren familienfreundlichere Varianten der Weiterbildung ins Angebot der Krankenhaustrger. Das wei auch Dr. G. Gnzel-Freudenstein.

Chancen fr Frauen gehen gegen Null

Die rztin unterbreitet krzlich Verbesserungsvorschlge fr die rztesituation auf dem Land bei einer Konferenz der Frauenunion in Bad Wildungen. Die steigende Arbeitsbelastung, vor allem fr Verwaltungsttigkeiten, gehe oft auf Kosten der Fachkompetenz und der Familie. Die Aufstiegschancen von Frauen tendierten sowieso gegen Null. Gnzel-Freudenstein schlgt eine Verbesserung der Studienschwerpunkte und der Weiterbildung vor. Teilzeit- und Schichtmodelle knnten die Arbeit auf dem Land attraktiver machen und Stipendien knnten angeboten werden fr Studierende, die sich verpflichten nach der Ausbildung aufs Land zu gehen.In dnn besiedelten lndlichen Rumen knnten zuknftig medizinische Manahmen, die nicht dringend einen Arzt erfordern, an Fachpersonal delegiert werden.

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