Bedrohliche Hühnerkacke

Region. Angela und Helge Schröder stinkt’s – und das buchstäblich. Grund ist der zunehmende Gülle- und Misttourismus. Der bringt die übelriech

Region. Angela und Helge Schröder stinkt’s – und das buchstäblich. Grund ist der zunehmende Gülle- und Misttourismus. Der bringt die übelriechenden Abfälle der Massentierhaltungen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden bis in den Schwalm-Eder-Kreis.

Keine Luft bekommen

Darauf aufmerksam wurde das Paar aus Lenderscheid ganz unfreiwillig. "Rund um unser Haus machte sichvor einigen Wochen ein beißender Geruch breit, den wir so nicht kannten", erzählt Helge Schröder.  "Es war so schlimm, dass wir fast keine Luft mehr bekommen haben." Der Architekt und seine Frau  waren beunruhigt, gingen der Sache nach und stellten den Bauern zur Rede. Der wiederum erklärte, dass es sich bei der stinkenden Masse um Hühnermist aus Holland handelt. Billiger Dünger.

Europaweiter Handel

Daraufhin recherchierten die Schröders im Internet.  Seitdem fürchten sie um ihre Gesundheit, aber auch die von anderen Menschen. Insbesondere die mögliche Verbreitung von resistenten Erregern und der Eintrag von Antibiotika ins Grundwasser beunruhigt sie. Inzwischen haben sie zusammen mit anderen eine Bürgerinitiative gegründet, die sich  zum Ziel gesetzt hat die Bevölkerung aufzurütteln. Unterstützung erhalten sie dabei von Dr. Bettina Hoffmann von den Grünen. "Als studierte Mikrobiologin kenne ich mich in dem Thema aus", so betont die Kreistagsabgeordnete, "die Befürchtungen kann ich sehr gut verstehen." Hoffmann sieht einen europaweit organisierten Handel.

Nach Angaben der Niederländischen Handelskammer beispielsweise wurden im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Tonnen Mist als sogenannter "Wirtschaftsdünger" nach Deutschland exportiert, so die Grünen-Politikerin aus Niedenstein. Darin könnten massenhaft Bakterien, Viren und Pilze enthalten sein. Kontrollen gebe es aber nur stichprobenartig oder wenn etwas passiert sei.Das zuständige Regierungspräsidium in Kassel gibt sich  diesbezüglich wortkarg, betont jedoch, dass die Lieferungen seuchenhygienisch zertifiziert seien.

1.500 Tonnen in 2011

Etwa 1.500 Tonnen Wirtschaftsdünger sind so 2011 nach Nordhessen gebracht worden, so die offizielle Statistik. Kritiker befürchten allerdings, dass noch einmal soviel auf illegalem Weg  auf die Felder kommt. Letztlich Schuld am Gülle-Tourismus sei die Massentierhaltung, so Hoffmann. Dort wiederum sei die Gabe von Antibiotika üblich. Die Folge sei die Ausbreitung von resitenten Bakterien. Studien hätten zudem gezeigt, dass Pflanzen Antibiotika über die Wurzeln aufnehmen und diese so auch über andere Lebensmittel in die Nahrungskette gelangen.Dass sich an der Situation schnell etwas ändert glaubten auch die Schröders nicht: "Wir Verbraucher müssen jetzt etwas ändern", ist sich Angela Schröder sicher. "Sonst geht es einfach so weiter."

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