Bettel-Alarm in Kassel: documenta bedeutet Hochsaison

Kassel. Dienstagabend, 19 Uhr, Parkplatz Messehalle. Aus einem blauen Lieferwagen steigen acht Personen aus: Männer, Frauen, Kinder. Auch ein Sä

Kassel. Dienstagabend, 19 Uhr, Parkplatz Messehalle. Aus einem blauen Lieferwagen steigen acht Personen aus: Männer, Frauen, Kinder. Auch ein Säugling ist dabei. Doch während es andere Familie es zur Entspannung auf das Buga-Gelände zieht, bewegt sich die  mehrköpfige Reisegruppe in die entgegengesetzte Richtung. Unter der  Autobahnbrücke verschwinden die Personen, während der Lieferwagen mit rumänischem Kennzeichen davon fährt.

Ortswechsel. Mittwoch, 12 Uhr, Kasseler Innenstadt. Zwischen den Stuhlreihen der documenta-Gastronomie auf dem Friedrichsplatz humpeln zwei Bettler mit Krücken herum, wedeln den davon angenervten Gästen mit einem Pappbecher vor dem Gesicht herum. Kreuzt sich ihr Weg, wechseln sie ein paar Worte, schauen sich gegenseitig in die Bettel-Becher und drehen weiter ihre Runden.Auf der Königsstraße sitzt derweil eine Frau mit Kopftuch und Kind im Arm. Sie streckt ihre Hand flehend den vorbeieilenden Passanten entgegen. Manch einer gibt ihr was. Ein Kind zieht  mehr als eine Krücke. Und zur documenta ist Kassel offensichtlich lukrativer als zur Weihnachtszeit.Die Stadt ist geflutet mit Notleidenden. Und die kommen – wie die meisten Besucher der Weltkunstschau – nicht aus Kassel. Es sind Bettel-Touristen. Von ihren Einnahmen bleibt ihnen nur wenig.  Sie müssen es an die Hintermänner abdrücken, die auch für den Transport sorgen. Oder eine Unterkunft. Auch wenn das, wie am Dienstagabend, nur ein trockener Platz im Gebüsch an einer Autobahnbrücke ist.Den Geschäftsleuten und Gastronomen der Innenstadt ist die Bettelei ein Dorn im Auge. Doch handeln kann offenbar niemand. "Die Polizei kann nur bei Straftaten einschreiten", sagt Sprecher Michael Lange. Und darüber gebe es bislang in Kassel keine Erkenntnisse. Denn: Betteln ist nicht verboten, sofern es nicht aggressiv erfolgt. Und es nicht den Tatbestands des Betrugs erfüllt. Auf die früher so beliebten Kärtchen ("Mein Kind ist an Leukämie erkrankt…") verzichten die Bettel-Touristen deshalb.

Großveranstaltungen locken

Gleichwohl ist das Problem der Stadt bekannt: "Bettler aus Rumänien und Bulgarien sind schon seit längerer Zeit im Bereich der Innenstadt festzustellen. Es gibt regelmäßig eine zahlenmäßige Zunahme im Vorfeld und während verschiedener Veranstaltungen in Kassel, etwa wenn das Stadtfest stattfindet ", sagt Stadt-Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg.Im Jahr 2012 seien von Mai bis etwa Anfang Juni erhöhte Zahlen von Bettlern festgestellt worden. Die documenta selbst habe sich nicht steigend auf die Zahl der Bettler ausgewirkt, so der Pressesprecher.

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