Bewegung schützt Kinder: Mehr Schwung im Kindergarten soll Unfallgefahr mindern

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In der Kita Schatzinsel in Kleinern überreichten Andreas Reichart, Lars Jockel und Andree König (hinten von links) eine „move it“ Box. Darüber freuten sich die Kinder und Erzieherin Andrea Eigenbrod.

Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die jährlich nach Unfallverletzung ärztlich versorgt werden müssen, wird laut Bundesgesundheitsministerium auf mindestens 1,7 Millionen geschätzt.

Edertal - „Verletzungen im Kleinkindalter sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2017 der zweithäufigste Grund für eine Aufnahme in ein Krankenhaus und der häufigste Anlass für eine stationäre Behandlung im Alter von 5 bis 14 Jahren (Daten von 2014). Im Jahr 2014 wurden jeden Tag rund 768 Kinder und Jugendliche wegen einer Verletzung im Krankenhaus stationär behandelt. Dies waren rund 199 000 Kinder unter 15 Jahren und 81 000 der 15- bis 17-Jährigen“, so das Ministerium.

Die Unfallhäufigkeit sei in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben, die Anzahl an Unfallverletzungen mit Todesfolge ist bei Kindern und Jugendlichen sei erfreulicherweise rückläufig. Da Experten davon ausgehen, dass viele dieser Unfälle vermeidbar wären, komme der Unfallprävention eine besondere Bedeutung zu. Neben der Analyse von Unfallgeschehen und Aufklärungsarbeit zu potenziellen Unfallgefahren wird aber auch ein anderer Ansatz verfolgt, wie beispielsweise in Edertal.

Dort soll die Förderung von Bewegungsangeboten bei Kindern und Jugendlichen diese sicherer machen. „Bewegungsmangel beeinträchtigt auch die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr“, weiß Andreas Reichart. Der Polizeioberkommissar hat darum eine „move it“ Box dabei, die er an die Kindertagesstätte „Schatzinsel“ in Kleinern übergibt. Möglich machen dies die Jugendverkehrsschule der heimischen Polizeidirektion und die Kreisverkehrswacht.

Das technisierte Kinderzimmer mit Computerspielen und Fernsehern gaukle vielfältige Möglichkeiten zum Erkunden und entdecken der Welt vor, wo Kinder in Wirklichkeit nur Knöpfe drücken müssten. „Mit fatalen Auswirkungen, denn Spielen findet häufig nur noch im Sitzen statt“, erklärt Reichart. Bewegungsmangel habe nicht nur gesundheitliche Probleme zur Folge. Inaktivität sei auch für einen eklatanten Anstieg der Unfallgefahren besonders im Straßenverkehr verantwortlich. Die Unfallstatistik von Kindern belege dies deutlich, ergänzte Reicharts Kollege, Polizeioberkommissar Andree König.

Laut Spiegel Online bewegen sich Kinder und Jugendliche im Alltag immer weniger. Demnach sank die körperliche Aktivität bei den 4- bis 17-Jährigen in den vergangenen zwölf Jahren um 37 Prozent - und damit um gut 31 Minuten pro Woche. Im Durchschnitt komme es nur noch zu knapp 50 Minuten mit moderater bis anstrengender Bewegung am Tag.

Darum setzt die Aktion „move it“ bereits mit der Förderung der Bewegungssicherheit von Kindergartenkindern und Grundschülern an. „Die gelbe Box hat nun auch in der Kita Schatzinsel einen festen Platz“, freut sich Lars Jockel von der Kreisverkehrswacht. Darin enthalten seien unter anderem Soft-Frisbees, Mini-Schwungtücher und -seile, Jongliertücher sowie Koosh-Bälle. Darüber hinaus liefert ein Handbuch und ein Film praktische Tipps und Spielanleitungen für ein lebendiges Motoriktraining. Alles in allem wird mit dem Einsatz der ‚move it‘ Boxen die Verkehrserziehungsarbeit der Polizei unterstützt“, unterstreicht Andreas Reichart.

Finanziert wird das Projekt Kreisverkehrswacht Waldeck-Frankenberg mit Sitz in Bad Arolsen. Jede Box habe einen Wert von 300 Euro, berichtet Lars Jockel. Von durchweg positiven Erfahrungen und Eindrücken erzählt Kita-Leiterin Andrea Eigenbrod. „Vor vielen Jahren hatten wir schon einmal so eine Box und freuen uns sehr über die Neue. Deren Inhalte und Übungen setzen wir vornehmlich mit Kindern um, die als nächstes eingeschult werden.“ Somit profitierten besonders die angehenden Erstklässler vom spielerischen Erlernen von Bewegungsabläufen, was maßgeblich auch zur Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr beitragen würde.

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