„Briefwechsel“ des Chefredakteurs: Apokalyptisches Spießertum

+

Sehr geehrter Matthias Horx,wenn ein neues Jahr beginnt, macht es Sinn mal nach vorn zu schauen und zu überlegen, was man eigentlich von der Zukunft

Sehr geehrter Matthias Horx,

wenn ein neues Jahr beginnt, macht es Sinn mal nach vorn zu schauen und zu überlegen, was man eigentlich von der Zukunft so erwartet. Sie machen das sogar beruflich. Schließlich sind Sie Trend- und Zukunftsforscher mit eigenem Zukunftsinstitut.

Sie, Herr Horx, gehen nicht davon aus, dass die Schuldenkrise das größte Problem der Deutschen im Jahr 2012 sein wird. Nein, die eigentliche Krise sei der Angstkreislauf, der die Krise ständig verschärft. Der Eindruck vieler Menschen, alles werde immer schlimmer, sei objektiv falsch. Na, das sagen Sie doch bitte der lieben Frau Beatrice Weder die Mauro, Mitglied im Sachverständigenbeirat, die den Zusammenmbruch des Euro 2012 für möglich hält. Da dürfte sie bei Spiegel und BILD auf Zustimmung stoßen, die den Euro 2011 im Wochenwechsel beerdigt haben.

Hans-Werner Sinn, Chef des IFO-Instituts für Wirtschaftsforschung, hält dagegen das Überleben des Euro für deutlich wahrscheinlicher. Da kann ich mich nur anschließen. 87 Cent hat ein Amerikaner 2001 für einen Euro auf den Tisch gelegt. Heute zahlt er 1,37 Dollar und mehr. Wer ist denn da eigentlich schwach?

Und wie steht’s mit Europa, Herr Horx? Das vergleichen Sie mit einer schon etwas reiferen Ehe. Da müsse mal wieder in die Beziehung investiert werden. Die nächste Zeit werde zwar turbulent, aber am Ende raufe man sich wieder zusammen und bilde in den nächsten zehn bis 30 Jahren die Vereinigten Staaten von Europa.

Ja, Herr Horx, das sehe ich genauso. Da mögen die kriminellen Investmentbanker, denen die giftigen Aktien unter den Nägeln brennen, noch so drängen. Unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wird die Tantalusqualen dieser Berufsgruppe aussitzen.

Und wie erklären Sie sich die Schwarzmalerei vieler Mitmenschen, Herr Horx? Ganz einfach. Unser Hirn sei auf Alarm gepolt. Wir als Angstwesen konstruiert. Da passt es natürlich genau, dass bei jeder kleinen Krise die Hose voll ist und die Knie zittern. Wie formulieren Sie so schön: "Wir neigen zum apokalyptischen Spießertum. Jeder, der optimistisch bleibt, ist verdächtig."

Mit furchtsamen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Na dann, ab in den Keller und verstecken….

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Korbach: Fast 20 Anrufe von „Falschen Polizeibeamten“

Betrüger scheitern in Korbach an informierten Bürgern. Polizei warnt erneut vor betrügerischen Anrufen von „Falschen Polizeibeamten“.
Korbach: Fast 20 Anrufe von „Falschen Polizeibeamten“

Fahrraddieb klappert in Twistetal die Garagen ab

In der Nacht von Freitag auf Samstag entwendete ein Unbekannter zwei Fahrräder aus einer Garage in Twistetal-Mühlhausen. Es besteht der Verdacht, dass der Täter noch …
Fahrraddieb klappert in Twistetal die Garagen ab

Rabiater Dieb wird zwei Tage später in Bad Wildungen festgenommen

Erfolg für die Polizei: Der Tatverdächtige, der nach dem räuberischem Diebstahl in einer Drogerie in Bad Wildungen mit Gewalt flüchten konnte, ist ermittelt.
Rabiater Dieb wird zwei Tage später in Bad Wildungen festgenommen

Drei dunkel gekleidete Männer versuchen beim Werkhof in Bad Wildungen einzubrechen

Wie die Polizei berichtet, haben drei  Männer versucht, in das Gebäude des Werkhofes in der Itzelstraße in Bad Wildungen einzubrechen.
Drei dunkel gekleidete Männer versuchen beim Werkhof in Bad Wildungen einzubrechen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.