Der Wald in unserer Region ist massiv geschädigt: Weitere Verluste werden bis 2022 erwartet

Coronavirus - Holzindustrie - Leverkusen
+
Symbolfoto

Die beiden zuletzt aufeinanderfolgenden Trockenjahre mit deutlich über dem Durchschnitt liegenden Temperaturen und in Kombination mit drei Stürmen (Friedricke 2018, Eberhart 2019 und Sabine 2020) verursachen immer noch enorme Schäden am Domanialwald. Das wurde bei der Fragestunde im Kreistag deutlich.

Frankenberg - Windwurf, Trockenstress und eine enorme Borkenkäferkalamität führen aktuell zum großflächigen Ausfall von Waldbeständen. Die Borkenkäferpopulation sei im Jahr 2020 noch deutlich größer als 2019, so dass mit einem noch höheren Schadausmaß als in den Vorjahren zu rechnen ist. Besonders betroffen ist die Fichte. Hier ist davon auszugehen, dass bis Ende 2020 rund 50% des Vorrates dieser Baumart abgestorben sein wird. In den meisten Revieren unter 500 Metern Seehöhe werden keine Fichtenbestände, die älter als 40 Jahre sind, erhalten bleiben.

Auch bei anderen Nadelbaumarten wie Kiefer und Lärche seien beträchtliche Schäden entstanden. Seit dem vergangenen Sommer zeigen sich auch großflächige Absterbeerscheinungen bei Buchen. Dort ist das Ausmaß noch nicht abzusehen, die Entwicklung gehe aber auch im Jahr 2020 weiter. Altholzbestände gehen zurück. Durch das schnelle Zusammenbrechen absterbender Buchen wird auch die Verkehrssicherung wieder eine große Herausforderung werden, so die Prognose des Landkreises, der auch für die Jahre 2021 und 2022 eine weiterhin angespannte Schadenssituation im Wald erwartet.

Der Domanialwald kann derzeit keine positiven Deckungsbeiträge erwirtschaften

Das Waldvermögen im Domanialwald erfährt eine sehr deutliche Minderung durch den Verlust des Holzvorrates. Zusätzlich ist, durch die ganz Europa betreffende Situation, der Holzmarkt überlastet und die Nadelholz-Preise im Vergleich zu 2018 auf nur noch ein Drittel abgesunken.

Die Kosten für Verkehrssicherung und Forstschutzmaßnahmen zur Rettung des restlichen Waldvermögens liegen deutlich über den normalen Kosten des Forstbetriebes. Der Domanialwald kann derzeit keine positiven Deckungsbeiträge erwirtschaften. Auch mittel- und langfristig wird sich die Situation auf die Ertragslage auswirken.

Die Erträge werden selbst bei steigenden Holzpreisen das alte Niveau nicht wieder erreichen können. Die nachhaltig nutzbare Holzmenge (Hiebsatz) wird sich durch den massiven Abbau der stehenden Holzvorräte deutlich reduzieren. Hinzu kommt die große Herausforderung, die entwaldeten Flächen von wahrscheinlich mehreren Tausend Hektar wieder mit klimastabilen Baumarten zu bestocken, um die für die Region so wichtigen Waldfunktionen wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Das wird sehr hohe Kosten verursachen und diese Bestände werden erst in rund 30-50 Jahren positive Erträge liefern.

Ein im August 2018 entwickeltes Forstschutzkonzept versucht die Schäden durch den Borkenkäfer zu verringern. Eine Priorisierung der Waldbestände wurde vorgenommen, um zukunftsfähige Fichtenbestände zu schützen und die begrenzten finanziellen Mittel und die vorhandenen Arbeitskapazitäten möglichst effizient einzusetzen. Hierzu gehört auch der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Derzeit werden die Maßnahmen auf die höheren Lagen des Uplandes und einige weitere Standorte mit hohem Vorrat an Fichten und günstiger Prognose für ein langfristiges Überleben dieser Baumart konzentriert.

Maßnahmen auf ganzer Fläche seien aus finanzieller Sicht nicht mehr leistbar und haben keinen positiven Effekt auf das Schadausmaß mehr. Auch die Aufnahmekapazität des Holzmarktes reiche nicht aus, um diese Mengen abzusetzen.

Laut Landkreis erfolgt eine Neubewertung der sehr dynamischen Lage vor dem Hintergrund der verfügbaren Mittel und der Erfolgsaussichten monatlich. Eine langfristige Einlagerung von Käferholz etwa in Nass- oder Folienlager sei nicht möglich. Bezüglich der Schäden an den Buchen wurde im Winter 2019/20 wurden vorwiegend absterbende Buchen geerntet, um einer Holzentwertung zuvorzukommen und somit Einnahmeeinbußen zu vermeiden.

Für eine Wiederbewaldung wird nach der diesjährigen Käfersaison das Flächenausmaß erhoben. Auf dieser Grundlage erfolgt eine Priorisierung nach den Standortverhältnissen und dem Potential an Naturverjüngung. Ein Konzept für die Wiederbewaldung sei derzeit in Arbeit, so der Landkreis. Die Wiederbewaldung werde sich über einen Zeitraum von 6-10 Jahren hinziehen. Entsprechende Rückstellungen wurden in den Jahren 2018 und 2019 gebildet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kino im NationalparkZentrum am Donnerstag geschlossen

Im NationalparkZentrum in Vöhl-Herzhausen finden Umbaumaßnahmen statt. Aus diesem Grund bleibt das Kino geschlossen, die reguläre und die Sonderausstellung sind geöffnet.
Kino im NationalparkZentrum am Donnerstag geschlossen

Zwei Verkehrsunfälle mit Todesfolge bei Vöhl

Am Samstag kam es erst zu einem Motorradunfall bei Vöhl-Niederorke, später ereignete sich auf der B252 ein weiterer Unfall in der "Hessensteinkurve". Beide Unfälle …
Zwei Verkehrsunfälle mit Todesfolge bei Vöhl

Stadt Frankenberg möchte viel radeln

Die internationale Aktion „Stadtradeln“ beginnt in Frankenberg am 24. August und läuft drei Wochen.
Stadt Frankenberg möchte viel radeln

Qualität statt Masse - Battenberg will sich als Premiumwanderregion etablieren

In Zusammenarbeit mit dem deutschen Wanderinstitut ist das „Wandermärchen Burgwald – Ederbergland“ entstanden. Es wird angestrebt, dass sich der Burgwald und das …
Qualität statt Masse - Battenberg will sich als Premiumwanderregion etablieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.