Equal Pay Day: Ab heute werden Frauen für ihre geleistete Arbeit endlich entlohnt

Rein statistisch gesehen verdienen Frauen in 2019 erst ab dem 77. Tag Geld. Eine Ungerechtigkeit beim Arbeitsentgelt, die schnellstens beseitigt werden muss - dafür steht der Equal Pay Day.

Waldeck-Frankenberg - Heute ist Equal Pay Day. Gewerkschaften machen an diesem Tag auf die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell 21 Prozent in Deutschland beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage und somit der 18. März seit Jahresbeginn. Der Equal Pay Day steht so gerechnet für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.

Gerhard Geitz, Vorsitzender des DGB Waldeck-Frankenberg, fordert die Politik zum Handeln auf: „Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Gleichstellung im Grundgesetz. Von echter Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind wir angesichts der ungleichen Bezahlung und großer weiblicher Altersarmut aber noch weit entfernt.“ MdL Dr. Daniela Sommer sagt: „Nach zwölf Jahren intensiver Kampagnenarbeit ist der Equal Pay Day neben dem Weltfrauentag zu einem der wichtigsten Aktionstage für die Gleichberechtigung der Geschlechter avanciert. Mit einer bundesweit regen Teilnahme und einem starken Medienecho ist der Equal Pay Day als Referenztag für mehr Lohngleichheit im Bewusstsein von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit mittlerweile fest verankert.“

„Ein niedriges Einkommen bedeutet eine niedrige Rente im Alter“, führt Gewerkschafter Geitz weiter aus. Momentan bekämen Frauen 53 Prozent weniger Rente als Männer. Deshalb fordern die Gewerkschaften die Bundesregierung auf, im Interesse von Millionen Menschen schnell den Weg für die Grundrente frei zu machen – und zwar ohne Bedürftigkeitsprüfung. Denn Lebensleistung verdiene Respekt. Kümmere sich die Regierung nicht schnell um das Problem. werde es zukünftig immer mehr Niedrigrenten geben, von denen im Alter niemand würdig leben kann. Das betrifft hauptsächlich Frauen, die besonders oft zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen.

„Der massiven Rentenlücke müssen wir mit guter Bezahlung, sozial abgesicherten Arbeitsplätzen und flexibler Arbeitszeit von vornherein entgegenwirken. Der Auskunftsanspruch über vergleichbare Gehälter und ein Rückkehrrecht von Teilzeit in die Vollzeit sind zwar wichtige Schritte. Gesetze zur Entgelttransparenz oder zur Brückenteilzeit helfen aber wenig, wenn zwei Drittel der Frauen davon ausgeschlossen sind, da sie häufig in kleinen und mittleren Unternehmen arbeiten, in denen diese Regelungen gar nicht erst gelten“, so Geitz. Hier müsse die Politik nachschärfen: Ansprüche ausweiten auf alle Beschäftigten – unabhängig von der Betriebsgröße, mehr Verbindlichkeit und Sanktionen, wo Unternehmen noch nicht erkannt haben, dass mehr Lohngerechtigkeit allen nutzt.

Auch landespolitisch könne man hier einiges bewegen, sagt Dr. Sommer. „Wir wollen eine Erweiterung des Hessischen Lohnatlasses, der bisher leider nur die Vollzeit-Brutto-Monatsentgelte vergleicht. Hier wäre eine umfassendere Erhebung notwendig, um die tatsächliche Lohnungleichheit zwischen oft Teilzeit arbeitenden Frauen auf der einen Seite und Männern auf der anderen Seite abbilden zu können“, sagt die heimische SPD-Abgeordnete, die darauf hinweist, dass es auch ein Stadt-Land-Gefälle gebe und die Lohnlücke im ländlichen Raum größer sei – so auch in Waldeck-Frankenberg.

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