Fahndung und Denunziantentum im Internet

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Christopher Goebel, Redakteur

Verbrechensbekämpfung per Internet-Freundschaftsnetzwerk? Was erst einmal nicht zusammenpassen will, soll laut der Polizei in Hannover bereits erfo

Verbrechensbekämpfung per Internet-Freundschaftsnetzwerk? Was erst einmal nicht zusammenpassen will, soll laut der Polizei in Hannover bereits erfolgreiche Realität sein. Auf ihrer eigenen Facebook-Seite prahlen die Ermittler damit, bereits acht Fälle mithilfe von Facebook-Nutzern aufgeklärt zu haben. "Kriminalität ist relativ jung" heißt es von den Hannoveranern, Facebook sei das richtige Forum, um Verbrechern auf die Spur zu kommen.

Was den Fahndern jedoch fehlt, ist jegliche rechtliche Grundlage, die Privatinformationen der Facebook-Mitglieder für kriminalistische Ermittlungen zu nutzen. Zwar ist es jedem User selbst vorbehalten, welche Informationen er über sich preisgibt, aber dass die Ermittlungsbehörden diese "Bekenntnisse" nutzen, ohne dass ein berechtigter Verdacht besteht, ist zweifelhaft. Natürlich, wer auf Facebook "postet", dass der Bankraub vergangene Woche ja ein voller Erfolg gewesen sei, hat es nicht besser verdient.

Die Polizei Hannover "postet" Aufrufe – meist inklusive Täterfoto – und bittet die derzeit rund 80.000 Fans der Seite, dies weiter zu verbreiten. Dass Kriminelle gefasst und bestraft werden müssen, steht außer Frage, aber dass die Facebook-User als Multiplikatoren missbraucht werden und die Suchaufrufe all’ ihren Freunden auf die Pinnwände schicken, gefällt mir nicht.

Das Freundschaftsnetzwerk, dass davon lebt, dass die Nutzer Ereignisse und Fotos kommentieren, so dass viele Andere in den "Genuss" der "literarischen Ergüsse" kommen, ist bei der Polizei Hannover ausgehebelt worden: Wer einen Hinweis hat, soll sich doch bitte telefonisch melden. Das konterkariert den Sinn von Facebook.

Sollte die Politik irgendwann die Facebook-Fahnung per Gesetz erlauben, dann sind wortgewaltige Debatten zu erwarten. Verbraucherschutzministerin Aigner hat kürzlich erst wieder gegen Facebook und deren Datenschutz gewettert, Justizministerin Leutheusser-Schnar­renberger, die bekanntlich für eine liberale Internet- Datennutzung und -speicherung steht, müsste ein Facebook-Fahndungsgesetz absegnen.

Ganz abgesehen davon, dass jeder positive Nutzen auch ausgenutzt werden kann. Mit der Facebook-Fahndung ist dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet – auf einfachere Weise als jemals zuvor.

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