Faszination Feuerwerk: Die Kunst des Feuermachens - eine kurze Historie

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Auch heute noch sind die Menschen vom Feuerwerk mit seinem bunten Schimmer und lautem Knall fasziniert. Die Geschichte des Feuerwerks beginnt jedoch schon vor 1.000 Jahren in China. In Deutschland erschimmerte die bunte Pracht erst 1506 am Himmel.

Bereits die Germanen begrüßten das neue Jahr mit Rasseln, Dreschflegeln und sogar Peitschen. Auch die Tradition, die Silvesternacht mit Licht zu erhellen, stammt aus dieser Zeit.

Waldeck-Frankenberg. Dämonen und böse Geister mit ohrenbetäubendem Lärm vertreiben – dies ist seit vielen Jahrhunderten ein Ziel des großen und vor allem lauten Spektakels an Silvester.

Bereits die Germanen begrüßten das neue Jahr mit Rasseln, Dreschflegeln und sogar Peitschen. Auch die Tradition, die Silvesternacht mit Licht zu erhellen, stammt aus dieser Zeit. Später, im Mittelalter, verabschiedeten die Menschen das vergangene Jahr mit lautstarken Pauken, Trompeten und Glockengeläut, um den Häschern des Teufels und bösen Geistern zu entgehen.

Die Geschichte des Feuerwerks beginnt früh: „Schon im Jahr 1103 wurde das erste friedliche Feuerwerk in China veranstaltet. Die frühzeitlichen Feuerwerke bestanden jedoch nicht aus Licht-, sondern aus Knalleffekten“, weiß Richard Eickel, Geschäftsführer eines deutschen Feuerwerksherstellers.

Der Begriff Pyrotechnik beruht auf den griechischen Worten für Feuer (Pyr) und Kunst (Techne) und bezeichnet folglich die Kunst des Feuermachens. Quellen um 360 v. Chr. beschreiben bereits einen Brandsatz, der aus Schwefel, Pech, Weihrauch, Werg – welches beim Reinigen von Bastfasern entsteht – und Holzspänen bestand. Schwarzpulver und die Kunst der Raketenherstellung gelangten schließlich im 13. Jahrhundert mit den Arabern nach Europa.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelten Italiener eine eigene Feuerwerkskunst unter Verwendung von Schwarzpulver, die ihren Siegeszug durch Europa antrat. Das erste Feuerwerk auf dem europäischen Festland fand laut Quellen anlässlich der Versöhnung zwischen Scalingern und Visconti 1379 im italienischen Vicenza statt. „Dieses europäische Feuerwerks-Können wurde anschließend in Japan zur Kunst des Hanabi – wörtlich übersetzt, Blumen aus Feuer‘ – weiterentwickelt und zu religiösen Anlässen abgefeuert“, ergänzt Eickel.

Bis zu den ersten offiziellen Feuerwerken in Deutschland sollte jedoch noch Zeit vergehen. 1506 erhellte in Konstanz das älteste belegte umfangreichere Feuerwerk in Deutschland den Nachthimmel. Anlass war die Repräsentation und Zurschaustellung der politischen Größe des Herrschers Maximilians I. Ein Schiff mit drei Fässern voller Feuerwerkskörper fuhr hierzu weit auf den Bodensee hinaus, um das Feuerwerk dort zu zünden. Das erste deutsche Buch zum Thema, das „Fürwerckbuch“, erschien schließlich 1529 in Augsburg.

Erst im Barock fanden Feuerwerke zur Unterhaltung statt. Diese Feuerwerke nannten sich Lustfeuerwerke und fanden vornehmlich an deutschen und europäischen Fürstenhäusern statt. Sie dienten der Zurschaustellung der Macht und des Reichtums des jeweiligen Hauses. In Mode kamen zunehmend künstlich errichtete Bauten, die extra Lücken aufwiesen, in denen Feuerwerkskörper platziert werden konnten, sogenannte Feuerwerksschlösser.

„Die Feuerwerke zu dieser Zeit leuchteten weniger hell und konnten noch nicht mit bunten Farben dienen, da die heutigen Oxidationsmittel fehlten“, weiß Feuerwerksexperte Eickel. Ludwig der XV. veranstaltete 1770 im Park seines Schlosses in Versailles das bis dato größte Feuerwerk mit etwa 20.000 Raketen, 6.000 Vulkanen beziehungsweise Feuertöpfen sowie 80 brennenden Sonnen. 1838 gründete Georg Berckholtz die erste deutsche Feuerwerksfirma in Hamburg.

In den darauffolgenden Jahren wurden auch kleinere Feuerwerksartikel entwickelt und produziert, welche die Basis des heutigen Kleinfeuerwerks bilden. Die Pyrotechnik entwickelte sich weiter und die dafür notwendigen Metallnitrate wurden immer besser zugänglich. Hierdurch erlangte schließlich Ende des 19. Jahrhunderts die normale Bevölkerung Zugang zu Feuerwerk. Letztendlich ging das Feuerwerk in Massenproduktion und wurde so für eine breite Bevölkerungsschicht erschwinglich. „Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Feuerwerk zum Jahreswechsel aus den Gebräuchen und Traditionen hierzulande nicht mehr wegzudenken – ein laut- und lichtgewaltiges Spektakel“, so Eickel.

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