Geboren vor 103 Jahren: Wilhelm Gänßler aus Waldeck feiert heute

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Freuen sich auf den heutigen Geburtstag von Wilhelm Gänßler, links Einrichtungsleiterin Ribana Klabunde und Brigitte von Hanxleden (Einrichtungsbeirat).

Wilhelm Gänßler blickt auf 103 Jahre zurück, mit Herausforderungen, die heute schwer vorstellbar sind, und vielen, vielen Geschichten. Davon wird er einige beim Pressetermin vorab erzählen.

Korbach - Am 7. April vor 103 Jahren bekommt Marie Gänßler in Wiesbaden einen Sohn. Für sie und ihren Mann Adolf ist es bereits das vierte Kind. Ein Glück, dass einige Familien zu diesem Zeitpunkt teilen und daher ist es eigentlich nichts ungewöhnliches, wäre da nicht die bemerkenswerte Langlebigkeit von „Willi“. Der Junge von damals, feiert nämlich auch heute seinen Geburtstag. Wilhelm Gänßler blickt auf 103 Jahre zurück, mit Herausforderungen, die heute schwer vorstellbar sind, und vielen, vielen Geschichten. Davon wird er einige beim Pressetermin vorab erzählen.

Er sitzt auf seinem Sessel mit Hemd und Anzug, die Haare akkurat zurück gekämmt. Statt Krawatte schmückt ein Marienkäfer aus Holz als Glücksbringer den Kragen. „Das ist lustiger“, freut er sich. Sein Zimmer im Seniorenzentrum Haus am Nordwall in Korbach ist geräumig. Viele Fotos hängen an der Wand und verschiedene Fotoalben liegen auf den Beistelltischen. Er ist etwas nervös, doch das merkt man ihm kaum an. Fest umschließen seine Hände den hölzernen Gehstock. Der gibt ihm Halt, nicht nur beim Gehen. Er ist aufgeschlossen und freut sich auf das Gespräch. Darauf hat er sich auch vorbereitet. Ein Fotoalbum, das seinen Lebensweg von der Geburtsurkunde bis zu den 1950er Jahren nachzeichnet, liegt griffbereit vor ihm. Eine elfseitige Kurzbiografie, verfasst vom ehemaligen Pflegeschüler Sebastian Bunte, bildet den Hintergrund. Doch schnell zeigt sich, Wilhelm Gänßler hat ein unglaubliches Gedächtnis. Er erinnert sich an jede Szene, die mit der Kamera eingefangen wurde und Bilder hat er viele.

Sein Leben beginnt mitten im Ersten Weltkrieg

Er wächst in einem Deutschland auf ohne Telefon, ohne Autobahnen und ohne Fernsehen. Für den guten Schüler an der Volksschule in Höringhausen endet mit 14 Jahren, wie damals üblich, die Schulzeit. Er geht in die Lehre. Stukateur, wie sein Vater, will er werden. Dazu zieht er von Waldeck zurück nach Wiesbaden. Als er 1933 die Ausbildung abschließt, bekommt er von seinem Chef ein Fahrrad geschenkt. Damit fährt er von Wiesbaden zurück nach Höringhausen, wo sein Elternhaus noch heute in der Weststraße steht. Das Rad hat keine Gangschaltung. Von morgens 4.30 Uhr bis abends 19.30 Uhr ist er unterwegs. Doch er nimmt es mit Humor, wie oft in seinem Leben „Ich bin immer auf der Suche nach Engeln gewesen. Menschen, die mich weiterbrachten und die gut waren. Daran habe ich mich orientiert.“

Wilhelm Gänßler erinnert sich gut an vergangene Zeiten.

Auch als Soldat im Zweiten Weltkrieg hat er versucht, optimistisch zu bleiben. Vom Einmarsch ins Sudetenland über den Westfeldzug, Ostfeldzug, dem Verlust des ein Jahr älteren Bruders Adolf, der im selben Regiment diente, mehren Verwundungen bis schließlich in der russischen Gefangenschaft hat er alles mitgemacht. Erst vier Jahre nach Kriegsende ist die Gefangenschaft vorbei.

Bei der Rückkehr zur geliebten Frau Martha und seinem Sohn wird er 34 Jahre alt. Jetzt beginnt ein ruhigeres Leben als Handwerker. Privat ist er engagiert im Gesangverein, Turnverein, im Kirchenvorstand und beim Ortsgericht. Zum 100. Geburtstag hat es bereits einen großen Bahnhof mit Post vom Bundespräsidenten sowie vom Hessischen Ministerpräsidenten gegeben. Mit seiner Frau hat er „Gnadenhochzeit“ (70. Hochzeitstag) gefeiert. „Wenn sie zwei Monate länger gelebt hätte, wäre es sogar die noch die Juwelenhochzeit gewesen“, sagt er mit leicht zittriger Stimme. Er hat die Goldene Hochzeit seines Sohnes (74) mitgefeiert und fragt sich selbst: „Wo kommt so etwas denn schon mal vor.“

„Ich springe heute noch sieben Meter weit...“

Erst im vergangenen November beim Seniorentag in Korbach trat er vor 500 Gästen in der Stadthalle mit seiner Mundharmonika auf. Im Februar dieses Jahres hat ihn der TuS Höringhausen für 85 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. „Ich springe heute noch sieben Meter weit – in einer Woche“, lacht Gänßler und freut sich auf den heutigen Geburtstag. Auch der wird es in sich haben. Das Haus am Nordwall wird gratulieren. Dann haben sich Gäste und Bekannte angekündigt. Der Nachmittag gehört der Familie. Zwei Kinder, fünf Enkel und sieben Urenkel hat Wilhelm Gänßler. Gefeiert wird in der Cafeteria des Hauses, ein Ständchen des Chores inklusive.

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