Wo die Gema Kasse macht

Waldeck-Frankenberg. Wer eine Musikveranstaltung plant, braucht eine Lizenz der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Ver

Waldeck-Frankenberg. Wer eine Musikveranstaltung plant, braucht eine Lizenz der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte), denn die Organisation vertritt und vermarktet die Nutzungsrechte der Urheber. Mit anderen Worten: wer ein Musikstück öffentlich aufführen möchte, muss dafür bezahlen. Wird dies vergessen oder ignoriert, wird ein Bußgeld fällig. Dabei ist es nicht ganz einfach, den Tarifdschungel zu durchblicken. Die GEMA  möchte ab Anfang 2013 mit einem neuen Tarifsystem an den Start gehen, um das Ganze "zu vereinfachen und nachvollziehbarer zu machen, um eine größere Gerechtigkeit zu erreichen".Die Gesellschaft wirbt damit, dass die Tarife für Veranstaltungen mit geringen Raumgrößen und Eintrittsgeldern günstiger würden, räumt aber auch ein, dass größere Veranstaltungen mit höheren Eintrittsgeldern teurer würden. Ein Rechenbeispiel der GEMA sieht vor: Der Veranstalter eines Sommerfestes mit 300 Quadratmetern Fläche und 3 Euro Eintritt bezahlt zukünftig 90 Euro statt heute bisher 192,80 Euro. Selbst bei 700 Quadratmetern und 7 Euro Eintritt werden zukünftig nur 490 statt heute 668,90 Euro anfallen. Eine Gala-Veranstaltung mit Live-Musik in einem Ballsaal dagegen kostete bei 1.500 Quadratmetern und 60 Euro Eintritt bisher 1.470,70 Euro. Ab dem Januar 2013 werden aber 9.000 Euro fällig. Man möchte an dem Umsatz aus dem Eintrittsgeld (von 1500 vermuteten Besuchern) von 90.000 Euro beteiligt sein.Die Diskobesitzer und Festivalveranstalter sehen in der neuen Tarifstruktur eine Existenzgefährdung und laufen Sturm. Ihnen drohen in Einzelfällen Erhöhungen von 400 bis 1400 Prozent, je nach Größe ihrer Veranstaltung. Wenn die Veranstalter versuchen, die Mehrkosten über den Eintritt zu kompensieren, geht der Schuss nach hinten los, damit steigen wieder die Gebühren.Auch in Nordhessen sorgen sich Diskobesitzer und Festivalveranstalter, ob zukünftig manche Veranstaltung ausfallen muss. Patrick Fahle, Geschäftsführer des Willinger Brauhauses, weiß noch nicht genau, was auf ihn zukommt. Bisher hatte er einen Jahresvertrag, und das ging schon in einen fünfstelligen Eurobereich.  Das Kulturamt der Stadt Korbach hatte bisher einen Pauschalvertrag für das Altstadt-Kulturfest, der über Zuschauerzahlen und den Bereich Kultur abgerechnet wurde, man hofft auf wenig Veränderung.Alexander Feiertag, Veranstalter des Eschweger "Open Flair" befürchtet Mehrkosten im sechsstelligen Betrag und erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Kartenpreise. Er geht davon aus, dass sich die Preise für eine Karte verdoppeln oder verdreifachen werden. Da Musiker kaum noch Tonträger verkaufen,und die Musikvermarktung übers Internet nicht den erhofften Erfolg bringe, sei eine erhebliche Einnahmequelle der Künstler weggebrochen. "Die Folgen davon sind ins Unermessliche steigende Gagen für Live-Auftritte und jetzt die Gebührenreform", so Feiertag.Von der Preissteigerung profitieren die wenigen Großen der Musikbranche, Verlierer sind die Disko- und Festivalbesucher und die Veranstalter, die sich nun über Gegenmaßnahmen Gedanken machen. Nur noch GEMA-freie Musik abzuspielen, käme offenbar bei den Gästen schlecht an. Vielleicht versucht man es mit weniger Eintritt und teureren Getränken. In den letzten Monaten wurden die Gäste bei vielen Veranstaltungen informiert und motiviert, eine Petition an den Deutschen Bundestag zu unterzeichnen. Viele warten ab und hoffen auf ein mögliches Schiedsverfahren. Die GEMA hat nun mal das Monopol bei der Musikvermarktung. Mittlerweile hat sich auch die Politik zu Wort gemeldet. Die niedersächsische Landesregierung hat die neue Gebührenordnung in der vergangenen Woche heftig kritisiert und fordert ein Schiedsverfahren.

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