Generation Nichtschwimmer: Wer das "Seepferdchen" hat bewältigt lediglich die Herausforderung Wasser

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Wolfgang Wilhelm, Chef des Korbacher Hallenbades.

Interview mit dem Chef des Korbacher Hallenbades, Wolfgang Wilhelm, zum Thema Schwimmen lernen und Schwimmfähigkeit bei Kindern.

Korbach - Eine repräsentative forsa-Umfrage ließ aufhorchen: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer.

Die Gründe für diese Entwicklung sind offenbar im familiären und auch im schulischen Bereich zu suchen, und auch Bäderschließungen spielen eine Rolle. Auf die Frage an Erwachsene: „Wie bewerten Sie ihre eigene Schwimmfähigkeit?“ bezeichnen sich 14 Prozent als sehr guter Schwimmer und 33 Prozent als guter Schwimmer. Für einen durchschnittlichen Schwimmer halten sich 40 Prozent, als schlechten Schwimmer bezeichnen sich 9 Prozent, und 3 Prozent sind Nichtschwimmer.

Mehr als die Hälfte ist demnach im Wasser unsicher oder kaum in der Lage, sich selbst zu retten. Bei diesen Gruppen ist das Risiko zu ertrinken besonders hoch, berichtet auch die DLRG.

Wir haben mit dem Chef des Korbacher Hallenbades, Wolfgang Wilhelm, über dieses Thema gesprochen.

Herr Wilhelm, wann kann ein Kind schwimmen?

Wilhelm: Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V. vertritt die Aussage in ihrer Ausgabe (07/2017) der Fachzeitschrift „Archiv des Badewesen, dass ein Kind erst nach Bestehen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze als „schwimmfähig“ (Schwimmen können) eingestuft werden soll. Dazu gehört: • Sprung vom Beckenrand und mindestens 200 m Schwimmen in höchstens 15 Minuten, • Einmal ca. 2m Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes, • Sprung aus 1m Höhe oder Startsprung sowie Kenntnis von Baderegeln. Es ist leider ein Irrglaube vieler Eltern, die nach bestandenem Seepferdchen Kurs ihrer Kinder behaupten: „Unser Kind kann schwimmen“. Nein, kann es nicht! Das Kind hat lediglich die „Wasserbewältigung“ bestanden. Da keine einheitliche Definition des Begriffs „Schwimmfähigkeit“ vorliegt, kommt es zu einer oberflächlichen und teilweise verwirrenden Verwendung des Begriffs. Weitere Begrifflichkeiten wie „Schwimmen können“, „Schwimmfertigkeit“, „sicher schwimmen“ oder Wassersicherheit werden ebenfalls gern verwendet.

Wie läuft das konkret bei den Kursen im Hallenbad Korbach?

Wilhelm: Bei den Seepferdchen Kursen im Hallenbad Korbach werden die Bewegungen des Brustschwimmens vermittelt. Das hat den Vorteil, dass das Kind beim Schwimmen nicht die Orientierung verliert. Dieses ist nämlich gegeben, wenn das Kind nicht am Beckenrand oder an einer Schwimmbahnleine entlang schwimmt. Dass dabei der Kopf über Wasser gehalten wird, ist bei diesem Anfängerlehrgang normal. Die sportschwimmerische Haltung mit „Kopf unter Wasser“ zum Ausatmen kann bei Interesse später gelehrt werden. Bei uns gilt immer noch der alte Lehrsatz: „Vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten“. Als Abschluss des Kurses steht ein Sprung vom Beckenrand mit anschließendem Schwimmen von 25 Metern auf dem Programm.

Welche Rolle spielt beim Erlernen des Schwimmens der Schulsport und welchen Beitrag können die öffentlichen Bäder leisten?

Wilhelm: Sicher wird jeder verstehen, dass die Schulen das volle Programm allein aus Zeitmangel nicht absolvieren können. Hier sind in erster Linie die Eltern gefordert, ihren Kindern die Sicherheit am und im Wasser qualifiziert vermitteln zu lassen. Im Hallenbad Korbach wird jedes Kind an seinem schwimmerischen Kenntnisstand abgeholt. Auch Kinder mit großer Angst vor dem nassen Element sind bei uns willkommen sowie Kinder, die bisher nur in Rückenlage schwimmen können. Mit Einfühlungsvermögen und Geduld sind unsere Mitarbeiter in der Lage, auch diesen Kindern das Brustschwimmen und Tauchen beizubringen. In allen Schwimmkursen steht der Spaß im Vordergrund. Jeder soll sich auf die Schwimmstunde freuen. Motivation und Belohnung stellen den Anreiz, neue Fertigkeiten zu erlernen.

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