Happy birthday to "U": Kult-Disco Utopia wird 50

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Lothar Battefeld leitet das Utopia bereits seit 1982. Seine Verbindung zur Discothek reicht allerdings noch weiter in die Vergangenheit. Er kann einige Geschichten über sein Utopia erzählen.

Seit 50 Jahren wird in der Discothek Utopia in Geismar gefeiert. 1982 übernahm Lothar Battefeld das Tanzlokal. Das Disco-Urgestein erzählt die Geschichte einer Institution, die Generationen geprägt hat.

Frankenberg - „Na dann komm mal rein. Willst du `nen Drink?“, werde ich gefragt, als ich Anfang dieser Woche das erste Mal in meinem Leben das Utopia nachmittags betrete. Irgendwie komisch: Es ist kühl, leise, die Hocker sind alle hochgestellt und niemand ist hier – nur Besitzer Lothar Battefeld und ich.

Ich war schon oft hier, seit 15 Jahren komme ich zum Feiern her. Früher zwei Tage am Wochenende und mittwochs in den Ferien, mittlerweile nur noch sehr sporadisch, meistens zur Ü30-Party. Was haben wir hier nicht schon alles erlebt. Wilde Feten, lange Nächte. Hier entstanden Freundschaften und Beziehungen. Ich kann wirklich sagen, das Utopia hat meine Jugend geprägt. Und nicht nur meine, sondern auch die verschiedener Generationen vor mir. Ab Oktober feiert die Geismarer Discothek ihr 50-jähriges Bestehen mit verschiedenen Motto- und Sponsoring-Partys über ein Jahr verteilt. Los geht es am Freitag, 12. Oktober, mit einer großen Jubiläumsparty.

Der Disco-Boom der 60er

Seit 1968 gibt es die Kult-Disco bereits. Das „U“ entstammt dem Disco-Boom der späten 60er-Jahre, erzählt Battefeld. Kurz zuvor öffnete auch das „Las Vegas“ in Wega und der „Country Club“ in Ernsthausen. „Die Discos entstanden wie ein Lauffeuer“, erinnert sich Battefeld. „Davor gingen die Menschen in die Kneipe. Da traf sich alles zwischen 8 und 88.“ Dorfgemeinschaftshäuser gab es noch nicht und so waren Lokale wie die ehemalige Gastwirtschaft Hecker in der Wildunger Straße 19 Treffpunkt für Jung und Alt. „Das war nichts für mich“, erzählt Battefeld. „Die Alten haben die Jungen immer gerügt, wenn die sie zu laut waren und die Musik war auch nicht meins.“

Es sei ein Glücksfall gewesen, dass Familie Breitbarth aus Witzenhausen 1967 die Gastwirtschaft in Geismar gekauft hat. Schon ein Jahr später entstand im ehemaligen Saal die Disco. Zu diesem Zeitpunkt war der Name Programm und so zierten fantasievolle Weltraum- und Science-Fiction-Motive die Wände, so wie auch heute noch. „Das war schon einmalig“, erinnert sich der heutige Besitzer.

„Der alte Affe“

Einmalig war auch der inoffizielle Spitzname der Discothek. „Der alte Affe“ haben die Leute das Tanzlokal häufig genannt, was heute sicher nur noch wenige wissen. „Die Breitbarths hatten damals zwei Gibbon-Affen. Die machten nicht nur die Disco, sondern das gesamte Dorf unsicher“, erzählt Battefeld. Die Affen waren der Familie von einem ehemaligen Märchenzoo erhalten, den sie bei Schmittlotheim betrieben hatte.

Beginn einer Lebensgeschichte

Nachdem Lothar Battefeld und Christiane Barth die Discothek Utopia gekauft hatten, veranstalteten Sie am 3. Dezember 1982 ihre erste Party als Besitzer.

Battefeld kam 1975 mit dem Utopia in Kontakt. „Ich hatte damals einen schweren Unfall und war Dienstunfähig. So habe ich im Utopia angeheuert. Von der Theke bis zum DJ-Pult – ich habe alles gemacht, was anstand“, erzählt der gelernte Polizist und Bürokaufmann. Hier hat er auch seine Frau kennengelernt. „Sie hat ebenfalls hier gearbeitet.“ Für das Paar folgte ein vierjähriges Gastspiel im Atlantis in Gemünden, ehe es Anfang der 80er wieder ins Utopia kam.

Schon in der 80er Jahren war die Discothek Utopia in Geismar ein beliebter Treffpunkt.

Am 3. Dezember 1982 haben es die Battefelds gepachtet, 1987 gekauft. Der Wechsel erfolgte aus Altersgründen. In den vergangenen 36 Jahren hat sich hier einiges getan. Insgesamt 5 Umbauphasen hat das Utopia seit 1983 durchgemacht. Dass bis 1990 Teppichboden ausgelegt war und von den 80ern bis ins Jahre 2000 sogar Teppiche an den Wänden angebracht waren, ist lange vergessen. Das Weltraum-Design ist längst wieder allgegenwärtig. Nur eine Angst machte sich bei den Stammgästen mit dem Umbau von 2000 breit. „Wir haben damals das Stargate an der unteren Theke installiert. Deshalb kam das Gerücht auf, dass wir das Utopia in Stargate umbenennen“, sagt Battefeld. Es lief aber nicht alles rund. „Der große Bruch kam 2004 mit Facebook“, so Battefeld.

Disco vs. Community

„In dieser Zeit haben viele Gastronomiebetriebe Probleme bekommen“, sagt der Disco-Betreiber. Seiner Ansicht nach mussten sich die Menschen zwischen „Community“ und „Disco“ entscheiden und das habe sich bis heute nicht geändert. „Uns geht es verhältnismäßig gut. Wir sind eine von zwei Discos im Altkreis Frankenberg. Als wir anfingen waren es acht.“ Vor 20 Jahren wurden Besucher als Stammgast bezeichnet, wenn sie drei bis viermal die Woche ins Utopia kamen, heute seien es Stammgäste, wenn sie einmal im Monat kämen.

Um dem „U“ mal wieder einen Besuch abzustatten, bieten sich in diesem Monat neben der großen Jubiläumsparty am 12. Oktober noch der „Wild, Wilder, Mädelsabend“ am 19. und die „Mega Halloween Party“ am 26. Oktober an. Ich selbst habe mir die Ü30-Party am ersten Samstag im Dezember schon fest vorgemerkt, denn die Geschichte des Utopia muss einfach weiter gehen.

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