Hochtechnisiert im Unterholz: So läuft die Inventur im Nationalpark

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Bernd Schock, Manfred Bauer, Center-Forst Geschäftsführer Henning Graf von Kanitz und Wolfgang Raschka, IT-Beauftragter im Nationalparkamt (v. l.) mit der Rasterkarte.

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee wird derzeit Inventur gemacht. So wie in fast jedem Unternehmen in regelmäßigen Abständen Bestandsaufnahmen stattfinden, geschieht dies nun auch in dem 5.738 Hektar großen Waldgebiet.

Frankenau - „Das ist eine zeitintensive Angelegenheit“, erklärt Fritz Richter, Assistent der Geschäftsleitung bei Center-Forst. Sein Unternehmen führt die zweite Permanente Stichprobeninventur (PSI) in diesem und im nächsten Winter jeweils von November bis April durch.

Die erste PSI fand vor zehn Jahren statt. „Nun sollen die Messungen zeigen, wie sich die Waldstruktur in diesem Zeitraum verändert hat.“, sagte Bernd Schock, Betreuer des Projekts im Nationalparkamt. „Wir wollen Natur Natur sein lassen und da stellt sich die Frage: Was passiert mit dem Wald, wenn man nichts macht?“, so Manfred Bauer, Leiter des Nationalparks. Bereits vor der Erstaufnahme der Daten vor zehn Jahren, wurde mittels GPS über den Nationalpark ein Raster angelegt, um zu gewährleisten, dass die Daten stets an exakt derselben Stelle ermittelt werden. So wurden insgesamt 1.400 Messpunkte festgelegt, die jeweils an den Schnittstellen des Gitternetzes liegen.

Jeder Punkt ist der Mittelpunkt eines 500 Quadratmeter großen Probekreises, in dem eine Vollaufnahme der Waldstruktur durchgeführt wird. Mitarbeiter von Center-Forst sind nun, jeweils in Zweier-Teams, im Nationalpark unterwegs, um die relevanten Daten an den Messpunkten zu erfassen. Ausgestattet mit GPS, Tablet-PC, Metalldetektor, Messschieber und allem was sonst noch benötigt wird machen sich die Teams auf den Weg. Wir durften Konrad Möller und Waldemar Krepel dabei über die Schulter schauen. Um die Messungen durchzuführen, müssen die beiden zunächst grob mit Hilfe des GPS-Gerätes und anschließend genau mit dem Metalldetektor den markierten GPS-Punkt ermitteln, der durch einen Bolzen in der Erde markiert ist.

Ist der Punkt gefunden, wird dort ein Tablet-PC aufgestellt, in den die Daten eingetragen werden – das ist der Job von Waldemar Krepel. Er bekommt die Daten von seinem Kollegen Konrad Möller mitgeteilt, dessen Aufgabe es ist, diese durch Messung und Untersuchung der Bäume zu ermitteln. Aufgenommen werden alle Bäume, die in 1,3 Meter Höhe mindestens einen Durchmesser von sieben Zentimetern haben. Liegende Bäume werden hingegen erst ab einem Durchmesser von 20 Zentimetern erfasst. Zunächst wird die Position ermittelt. Beim Stehholz zählt dabei die Entfernung zum Probemittelpunkt, beim Liegholz müssen dementsprechend die Entfernungen von Anfang und Ende zum Probemittelpunkt gemessen werden. Anschließend werden folgende Messdaten ermittelt: Baumart, Höhe, Durchmesser, Neigung, Besonnung, Baumschicht, Kronenansatz und Habitatsstruktur.

„Von der Spechthöhle bis zum Blitzschaden, von Mulmtaschen bis zu Pilzen und Stammhöhlen – alles wird aufgenommen. Denn Spalten und Risse in Baumstämmen, ob im Totholz oder im lebenden Bestand, bilden wichtige Lebensraumnischen für verschiedene Arten und tragen somit zur Biodiversität im Nationalpark bei“, erklärt Bernd Schock. Das Konzept für die PSI wurde von Dr. Peter Meyer und seinen Kolleginnen und Kollegen von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen entwickelt und wird seit mehr als 10 Jahren in den Ländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt angewandt.

Die Dauerbeobachtung der Waldstrukturentwicklung gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Nationalparkverwaltung und kann wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und die forstliche Praxis auch außerhalb des Nationalparks liefern. „Ich vermute, Windwurf, Borkenkäfer und Verjüngung werden markante Veränderungen bewirkt haben“, gab Manfred Bauer eine erste Prognose ab. Bernd Schock vermutet, „dass sich der Laubwaldanteil erhöht haben wird, weil viele Fichten den Stürmen zum Opfer gefallen sind.“ Die Daten werden 2019 ausgewertet und dienen dann als Grundlage für Forschungsbände.

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