Hundewelpe “Luna” stirbt: Besitzerin gibt Züchter die Schuld

Waldeck-Frankenberg. Wenn Rita Krumpholz aus Vellmar die Fotos von "Luna" anschaut, kommen ihr noch heute die Tränen. "Ich dachte, das

Waldeck-Frankenberg. Wenn Rita Krumpholz aus Vellmar die Fotos von "Luna" anschaut, kommen ihr noch heute die Tränen. "Ich dachte, dass wir zusammen alt werden", sagt die 44-Jährige. Heute ist Luna tot. Gestorben im Alter von acht Wochen an Parvovirose, einer hoch ansteckenden und akut verlaufenden Infektionskrankheit.

Rita Krumpholz trifft der Verlust besonders hart. Erst im September musste ihre Hündin Kimba nach 12 Jahren eingeschläfert werden. Ein neuer Vierbeiner sollte sie trösten. Im Internet stößt die 44-Jährige auf Peter K. (Name von der Redaktion geändert) aus dem Raum Waldeck-Frankenberg. Laut Homepage ist seine Tierzucht behördlich genehmigt, alle Welpen gedeihen unter tierärztlicher Betreuung und sind altersbedingt optimal geimpft. Rita Krumpholz erkundigt sich telefonisch nach einem Yorkshire-Welpen und hat Glück. "Der Herr war sympathisch und sagte mir, dass er acht Wochen alte Welpen im Angebot hätte".

"Hätte hellhörig werden müssen”

Gemeinsam mit Mann und Tochter fährt sie zu dem Züchter, um den Hund zu besichtigen. Doch schon bei der Ankunft wundert sie sich: Das Haus gleicht einer Bruchbude, die Zimmern sind dreckig. Auch die Mutter der Welpen holt Peter K. erst nach wiederholter Nachfrage – und setzt sie einzeln in eine Gitterbox. "Wahrscheinlich war das gar nicht die Mutter. Die hat sich gar nicht für die Welpen interessiert", erinnert sich Rita Krumpholz. Sie zweifelt, ob sie Luna kaufen soll. Zumal der Züchter angeblich zugibt, seine Welpen aus Kostengründen nicht zu impfen. "Spätestens da hätte ich hellhörig werden müssen", sagt die Vellmarerin heute. Doch Peter K. lässt nicht locker. Immer wieder betont er seine Zuchterfolge, überredet Rita Krumpholz solange, bis diese schließlich einwilligt. Für 500 Euro kann sie Luna mit nach Hause nehmen.

Qualvoller Todeskampf

Zuhause vergisst Rita Krumpholz die Ungereimtheiten schnell. Luna ist putzmunter, tollt durch die Wohnung. Vier Tage nach dem Kauf beginnt der Tierarzt mit der Wurmkur, damit Luna später geimpft werden kann. Doch dazu kommt es nicht mehr: Eine Woche später bekommt der Welpe plötzlich blutigen Durchfall, hohes Fieber und erbricht sich. Mehrfach bringt Rita Krumpholz sie in die Tierklinik. Dann die Diagnose Parvovirose. Alle Versuche, Luna zu retten, scheitern: Am 14. November stirbt sie. "Es ging so schnell. Laut Tierärztin hat sich ihr Darm regelrecht aufgelöst. Sie war voller Parasiten", erinnert sich Rita Krumpholz. Die Tierärztin vermutet, dass schon die Mutter nicht genügend Impfschutz hatte. Außerdem sei der Welpe zu früh von ihr getrennt worden, so dass er über keinen Schutz durch mütterliche Antikörper verfügen konnte.

1000 Euro Tierarztkosten

Nicht nur der Verlust schmerzt. 1000 Euro hat Rita Krumpholz für die Behandlung in der Tierklinik gezahlt. Hinzu kommt die Gesundheitsgefahr: Das Parvovirus überlebt in der Umgebung mehrere Monate, es gibt sogar ähnliche Parvoviren, die ähnliche Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. "Man muss sich mal überlegen, was die Schlamperei dieses Superzüchters für Kreise zieht. Was ist denn, wenn ein Kleinkind sich bei so einem Hund ansteckt?", fragt sich Rita Krumpholz, die Peter K. angezeigt hat. Sie wisse selbst, dass sie zu gutgläubig war und wolle andere Hundekäufer warnen. "Diesem Menschen geht es nur ums Geld. Wer einen gesunden Hund haben will, muss vielleicht ein paar hundert Euro mehr zahlen. Dafür bleibt ihm hoffentlich erspart, was wir erlebt haben."

Veterinäramt: Züchter ist kein Unbekannter

Peter K. ist kein Unbekannter. "Es liegen bereits mehrere Anzeigen gegen den Züchter vor", erklärt Dr. Hartmut Wecker, Sprecher Landkreis Waldeck-Frankenberg. Regelmäßig werde Peter K. vom Veterinäramt kontrolliert, gravierende Mängel, die eine Schließung der Zucht rechtfertigen würden, habe man aber nicht feststellen können. Auch weitere an Parvovirose erkrankte Welpen habe das Veterinäramt nach erneuter Überprüfung nicht festgestellt. "Es handelt sich hier um ein schwebendes Verfahren und eine privatrechtliche Angelegenheit zwischen Frau Krumpholz und Herrn K., zu der wir uns nicht äußern können", so Wecker.

Züchter weist Vorwürfe zurück

Als wir Peter K. am Telefon erreichen, weist er alle Vorwürfe von sich: Natürlich sei es traurig, dass der Hund verstorben sei. Bei ihm könne sich Luna allerdings nicht mit dem Virus angesteckt haben. "Alle Geschwister sind gesund. Der Hund hat sich bei Frau Krumpholz infiziert", so der Züchter. Zwar räumt er ein, Luna ungeimpft verkauft zu haben. Allerdings nur, um den Kunden entgegenzukommen. "So brauchten sie nicht wiederkommen". Gerne hätte er Luna gesund gepflegt oder der Familie einen Ersatzhund angeboten. Doch ihn hätte niemand informiert. "Jetzt übergebe ich die Sache dem Anwalt", so Peter K.

Tipps für den Hundekauf

- Der erste Eindruck: Der erste Eindruck zählt – das gilt auch für eine Zuchtanlage. Das Areal sowie die Umgebung sollten einen sauberen und gepflegten Eindruck hinterlassen.

- Doppelt hält besser: Ein weiterer Tipp für Interessenten ist es, den Züchter zwei- oder mehrmals zu besuchen –so lässt sich feststellen, ob ein anfangs guter Eindruck auch dauerhaft Bestand hat.

- Besuch bei der Mutter: Dürfen Sie die Welpen in ihrer alltäglichen Umgebung mit dem Muttertier besuchen? Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen – der Züchter hat nichts zu verbergen.

- Die Fragen des Züchters: Fragt der Züchter Sie ausgiebig nach Ihren Lebensverhältnissen und den Haltungsbedingungen für den Welpen, dann sollten Sie nicht irritiert sein. Ein guter Züchter interessiert sich dafür, an wen er einen Hund verkauft. Grund zur Besorgnis besteht dagegen, wenn der Züchter keinerlei Interesse zeigt, keine derartigen Fragen stellt.

- Inserate und Anzeigen: Bietet ein Züchter in Zeitungsanzeigen oder auch im Internet zeitgleich mehrere Rassen an, dann ist Vorsicht geboten.

Was bei den Welpen zu beachten ist:

- Das richtige Alter: Erst ab einem Alter von mehr als acht Wochen sollte ein Welpe beim Züchter abgeholt werden.

- Lebensfreude zeigen: Der junge Hund sollte einen gesunden, munteren und auch lebhaften Eindruck machen.

- Durchgecheckt und gekennzeichnet: Geimpft, entwurmt und eindeutig mittels Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet muss der Welpe sein. Lassen Sie sich Nachweise wie das Wurfabnahmeprotokoll vor dem Kauf vorlegen.

- Auf den Menschen geprägt: Ein Welpe sollte Ihnen freudig entgegen eilen, sich nicht als scheues Tier präsentieren.

Quelle: VDH (Verband für das deutsche Hundewesen)

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