Jeder ist digital angreifbar - IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan im Interview

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IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan.

Wie sicher sind heimische Firmen im Bereich der IT-Sicherheit, lohnt es sich trotz möglicher Gefahren auch für kleinere Unternehmen auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen und was können die Firmen tun, um sich vor der sogenannten Cyber-Kriminalität zu schützen?

Waldeck-Frankenberg. Diese Fragen sind Thema des Interviews mit dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, Jörg Ludwig Jordan.

In diesem Jahr hat die IHK Kassel-Marburg bei ihrem Schwerpunktthema Wirtschaft DIGITAL den Fokus auf die IT-Sicherheit gelegt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Jordan: Gerade ungelöste Fragen der IT- und Datensicherheit sind es, die Unternehmer davor zurückschrecken lassen, die Chancen des digitalen Wandels zu ergreifen. Zwar befinden sich große Unternehmen tatsächlich tendenziell stärker im Fadenkreuz als kleine und mittlere, für Angreifer ist die Firmengröße allerdings nicht entscheidend. Wichtiger ist, ob beim Zielobjekt wirtschaftlich, politisch oder militärisch bedeutsame Informationen abgeschöpft werden können oder wertvolle immaterielle Vermögensgegenstände. So rücken oft auch kleinere Unternehmen ins Visier, weil unter anderem Konstruktionspläne, Produktspezifikationen oder schlicht Kundendaten in elektronischer Form vorliegen. Die Spannweite der kriminellen Aktivitäten reicht von der Spionage über die Erpressung bis zur Sabotage. Zugleich treten mit jeder technologischen Weiterentwicklung neue sicherheitsrelevante Fragestellungen auf. Daher lautet unser Ziel, gerade bei den kleinen und mittleren Unternehmen das Bewusstsein für IT- und Datensicherheit weiter zu schärfen. Einige haben sogar oft noch gar nicht bemerkt, dass sie bereits Opfer von Cyber-Crime geworden sind.

Was unternimmt die IHK, um Abhilfe zu schaffen?

Jordan: In den einzelnen Kreisen haben wir mit einer Roadshow zur IT-Sicherheit Station gemacht. Vor Ort hat ein Live-Hacking die Gefahren plakativ veranschaulicht, zum Schutz wurden Abwehrstrategien vorgestellt. Damit haben wir über 200 Unternehmen erreicht. Ein Roadshow-Termin findet übrigens noch statt: am 30. Januar 2018 ab 16 Uhr in den Räumen der Korbacher Schwalenstöcker & Gantz GmbH. Dass der Mensch selbst das schwächste Glied in der Kette ist, hat ein früherer Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) in einem weiteren Workshop eindrucksvoll aufgedeckt. Diese vielleicht zu offensichtliche Risikoquelle nehmen viele immer noch auf die leichte Schulter.

Und darüber hinaus?

Jordan: Die IHK hat sich beim bundesweiten Cyber-Security-Monat engagiert und beispielsweise einen Sondernewsletter zur IT-Sicherheit verschickt. Grundlegende Informationen stehen jederzeit online unter www.ihk-kassel.de/wirtschaftdigital in der Rubrik „Absichern“ bereit. Ein IT-Arbeitskreis befindet sich im Werra-Meißner-Kreis im Aufbau, ein Treffen hat bereits stattgefunden. Wenn die Nachfrage vorhanden ist, sollen diese auch in den anderen Landkreisen ins Leben gerufen werden. Klar ist: Sichere Daten-, Kommunikations- und Informationssysteme bilden die Voraussetzung dafür, dass regionale Unternehmen die Chancen des digitalen Wandels überhaupt nutzen können. Über den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bringen wir die Belange der Wirtschaft auf höchster politischer Ebene ein.

Ist mit dem neuen Jahr das aktuelle Leitthema IT-Sicherheit Geschichte?

Jordan: Ganz und gar nicht. Die Digitalisierung steht seit 2016 ganz oben auf der Agenda unserer IHK und so wird es auch bleiben. Auf Fragen rund um die IT- und Datensicherheit entfällt weiterhin ein starkes Gewicht. Das spiegelt sich auch in unserem neuen Leitmotiv wider: 2018 rücken wir die Zukunftswährung Daten ins Scheinwerferlicht.

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