Immer mehr Gülle kommt von außen in den Landkreis

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Güllebehälter in Korbach.

In diesem Jahr ist die Situation extrem angespannt, deshalb werden auch ältere, stillgelegte Güllebehälter in Waldeck-Frankenberg wieder in Betrieb genommen worden.

Korbach - Gülle ist für viele Landwirte ein wichtiger Naturdünger. Sie werde zu viel aufgebracht und könne schädliche Keime enthalten, sagen Naturschützer. Fakt ist, immer mehr Gülle kommt von außen in den Landkreis. In manchen Regionen gibt es, bedingt durch die Massentierhaltung, auch immer mehr davon. So waren vor kurzem in einigen Betrieben alle Behälter randvoll und drohten überzulaufen. Die Landwirte dürfen bei Frost nichts ausbringen, und danach waren die Felder wegen der Nässe unbefahrbar. So musste man die Gülle loswerden, in andere Regionen exportieren, die Platz zur Lagerung und weniger belastete Böden haben.

In Niedersachsen und NRW gibt es die meisten Großtiereinheiten und demzufolge die meiste Gülle und damit auch die höchste Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers. Erschwerend für die Landwirte ist auch die neue Düngemittelverordnung, die seit dem 1. Januar in Kraft ist, und die ihnen engere Grenzen setzt. Es gibt längere Sperrfristen und jede Menge Dokumentationspflichten über Werte und Mengen.

Für den „Gülletourismus“ liegt Waldeck-Frankenberg geografisch und verkehrstechnisch günstig. „Wir sind der erste Kreis nach NRW“, sagt Landwirtschaftsdezernent Fritz Schäfer. Daraus erklärt sich auch ein steigender Gülleimport. Im Verhältnis zur Fläche des Kreises sei das aber nicht wirklich viel, lediglich zwei bis drei Prozent der Fläche sei von Fremdgülle betroffen. Das sind immerhin insgesamt über 2000 ha.

In diesem Jahr sei die Situation extrem angespannt, deshalb seien auch ältere, stillgelegte Güllebehälter wieder in Betrieb genommen worden. Der Fachdienst Landwirtschaft und der Maschinenring versuchen das Ganze zu koordinieren. „Dass Überschussgebiete abgeben und andere aufnehmen, ist politisch gewollt“, sagt Jörg Schäfer vom Regierungspräsidium Kassel.

Die Gülle müsse vor dem Transport beprobt werden, alle Düngetransporte müssten gemeldet werden. Stichprobenmäßige Überprüfungen in den Betrieben werden vom RP veranlasst. Das geschieht im Durchschnitt bei einem Prozent der Betriebe. Durch eine Anzeige von außen sei eine Kontrolle auch jederzeit möglich. Alle Betriebe müssten aber alles dokumentieren und zum Jahresende dem RP melden. Woher die Gülle stammt, ist den Behörden egal.

Für die nahe Zukunft ist eine „Nährstoffbörse“ Nordhessen geplant, wo Naturdünger angeboten und gekauft werden kann.

Viele Bürger sind indes besorgt über den „Gülletourismus“. Ein neu errichteter Güllebehälter in Korbach, im Feld zwischen Waldecker Berg und Umgehungsstraße, sorgt in diesem Zusammenhang für Diskussionsstoff bei den Anwohnern. Der Behälter steht frei im Feld ohne direkte Anbindung an einen Agrarbetrieb. „Die Voraussetzungen für eine bauliche Genehmigung sind alle gegeben“, sagt Bernd Berghöfer vom Fachdienst Bauen des Landkreises.

Der Betreiber sagt auf Anfrage des EDER-DIEMEL TIPP, dass er zwei Jahre auf die Baugenehmigung gewartet habe. Der Behälter solle seine Biogasanlage in Lelbach zukünftig ergänzen. Im vergangenen Winter sei sie hauptsächlich mit Gärresten und teilweise mit Gülle aus der Region befüllt worden. Der Dünger werde dann in Zukunft ortsnah verteilt. Das Becken werde noch ein Dach als Geruchsverschluss erhalten.

EXTRA INFO: Eine technische Lösung für die Entsorgung der Gülle gibt es schon. Man kann die wertvollen Nährstoffanteile herausziehen und für Flüssig- oder Trockendüngerherstellung verwenden. Damit wären riesige Güllemengen verschwunden. In Frankreich funktioniert dies bereits erfolgreich.

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