Interner Streit und versoffene Kameraden

Region. Sowas gab es in unserer Region noch nie: Wegen interner Differenzen haben 30 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal ihre Ämter nie

Region. Sowas gab es in unserer Region noch nie: Wegen interner Differenzen haben 30 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal ihre Ämter niedergelegt. Der Gemeindebrandinspektor und die gesamte Führungsspitze trat zurück. "Bezeichnender Weise ist der Einzige der überbleibt, der Getränkewart", schreibt  ein ehemaliges Feuerwehrmitglied in einem Brief an den EXTRA TIP.Hintergrund des Massen-Austritts soll ein interner Streit sein, der bereits seit Jahren schwele. Man könnte auch sagen: Eine Art Generationenkonflikt. Auf der einen Seite die alten Kameraden, die gerne mal ein Bierchen zischen. Und auf der anderen die jüngeren Kameraden, die ihren Dienst ordentlich machen wollen und sich weiterbilden möchten, statt "Hoch die Tassen". Laut EXTRA TIP-Informationen gibt es in der Feuerwehr eine Gruppe von Personen, die mit dem aktiven Dienst nicht mehr viel zu tun haben. Sie pflegen die viel zitierte Kameradschaft meist nur durch besagten Alkoholkonsum.

Ein ehemaliges Mitglied, das anonym bleiben möchte, berichtet, wie es unter den Kameraden zuging: "Um ein Beispiel zu nennen: Die Jugendfeuerwehr veranstaltete einen Präventionsabend zum Thema Alkohol- und Drogenmissbrauch. Nach dem Ende der Veranstaltung mussten sich dann die Eltern der Jugendlichen durch einen Pulk an Kameraden kämpfen, die mit einer Flasche Bier und Zigaretten ihren Kulturabend vollzogen." Weiter sei es vorgekommen, dass Kameraden nach dem sogenannten Dämmerschoppen am nächsten Morgen am Übungsdienst teilnehmen wollten, aber noch Kronkorken, Kaugummi und Tannenzweige in den Stiefeln hatten. Oder sich ältere Kameraden komplett weigerten, an den vorgeschriebenen technischen Übungen teilzunehmen. Frei nach dem Motto: Früher haben wir auch jedes Feuer ausbekommen.

Seitens der Führung sei das Problem zwar aktiv angegangen und die Zahl der aktiven Kameraden, die sich über das Verhalten über diese Zustände beschwerten, sei immer größer geworden. Doch auch Schlichtungsgespräche und Bemühungen der Gemeinde  – die laut ehemaliger Mitglieder aber nicht sehr groß gewesen seien – hätten das Problem nicht lösen können. Es sei sogar ein externer Berater zugezogen worden. Der habe schnell festgestellt, dass es konkret ein Problem mit dem Thema Alkohol gebe und eine Gruppierung den störungsfreien Ablauf der Feuerwehrarbeit massiv behindere.

"Beantragt wurde auch der Ausschluss einer Person, da die vor der kompletten Wehrversammlung ihre Dienstunfähigkeit und ihr Nichterscheinen zu Übungen und Einsätzen bekannt gegeben hatte. Doch dem Antrag wollten Gemeinde und Bürgermeister nicht folgen. Deswegen fühlten sich viele ehemaligen Kameraden vom Bürgermeister im Stich gelassen. Und quittierten das nun mit ihrem Austritt.

Droht der Flächenbrand?

"Eine Androhung von Massenaustritten gab es auch schon bei vielen anderen Freiwilligen Feuerwehren. Dass die Mitglieder es auch wahr gemacht haben, ist im Fall der Niestetaler Wehr aber das erste Mal", so Werner Bähr, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Kurhessen-Waldeck.

Die Gefahr eines Flächenbrands, sprich, dass der Fall Schule machen könnte, sieht der Feuerwehr-Experte aber nicht. "Die Grundlagen der Feuerwehrarbeit sind anspruchsvoll und gefährlich. Deshalb ist unter den Mitgliedern Kameradschaft wichtig. Im Ernstfall muss man seinen Kollegen vertrauen können."Der Fall in Niestetal habe seiner Minung nach aber nichts mit einem Generationskonflikt zu tun: Oft sei die Ursache eher der Egoismus eines Wehrführers. Und deshalb sei in solchen Problemen die Gemeinde gefragt. "Wenn man merkt, dass die Mitglieder ihrem Wehrführer nicht vertrauen oder der sein Ding macht, muss die Gemeinde eingreifen." Der  Umgang mit Ehrenamtlichen sei ein schwieriges Thema. Deswegen müsse man dabei extrem aufpassen, dass sich dort kein Streit bzw Misstrauen aufbaue.

Auf der anderen Seite sagt Bähr aber auch ganz deutlich: "Jede Gemeinde hat den Wehrführer und Gemeindebrandinspektor den sie verdient." Die Gemeinde wähle doch die Leute, denen sie vertraut. Deswegen müsse die auch schnell eingreifen, wenn etwas nicht funktioniere. "Und wenn die Vertrauensbasis in der Wehr nicht mehr geschaffen ist, muss man halt auch mal Leute austauschen." Das sei ganz normal.

Bürgermeister: Brandschutz sichergestellt!

Für eine telefonische Stellungnahme war Niestetals Bürgermeister Andreas Siebert nicht erreichbar. Auf der Homepage www.niestetal.de ist jedoch eine Stellungnahme zu finden, in der Siebert den Brandschutz als sicher darstellt:

Neben den Austritten verzeichne die Feuerwehr in den vergangenen Tagen auch einige Eintritte. Nach Stand vom 18. Januar habe man 39 Mitglieder in der Einsatzabteilung. Siebert: "Der Bandschutz bleibt somit sichergestellt." Innerhalb von zwei Monaten muss nun eine Mitgliederversammlung einberufen werden, bei der die Ämter neu zu besetzen sind. Bis dahin übernimmt von Amts wegen der stellvertretende Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek die Geschäfte der Wehrführung.Ein beratendes Gremium, bestehend aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal, wird dem Kreisbrandinspektor und dem Gemeindevorstand bis zur Wahl einer neuen Wehrführung zur Seite stehen. Es wurde bereits dafür gesorgt, dass die Angebote für Kinder und Jugendliche fortgeführt werden.

Teamfähige Leute gesucht

Weiter wird auf der Internetseite der Niestetaler Feuerwehr nach motivierten Einsatzkräften gesucht. Voraussetzungen: "Teamfähigkeit".

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