Jugendverbände machen mobil gegen eine längere Sperrstunde

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Frankenberg. Die Jugendverbände in Frankenberg lehnen den Plan zur vorgezogenen Sperrstunde ab. Das ist das Ergebnis einer übergreifenden Beratung i

Frankenberg. Die Jugendverbände in Frankenberg lehnen den Plan zur vorgezogenen Sperrstunde ab. Das ist das Ergebnis einer übergreifenden Beratung in der Ederberglandghalle. Die Junge Union und Jungen Liberalen hatten alle politischen Jugendverbände in die Ederberglandhalle eingeladen. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreterder Hessischen Landjugend, die Landjugendgruppen aus Geismar und Haubern, der Jugendclub Röddenau sowie Lothar Battefeld, Disco-Betreiber.

Die Stadt Frankenberg plant die Sperrstunde auf 3 Uhr vorzuverlegen (bisher zwischen 5 und 6 Uhr). Die Polizei empfiehlt diesen Schritt, da sie mehr Straftaten nach 3 Uhr registriert. In Willingen gibt es die Sperrstunde. Die Stadt Korbach hat sie im Januar 2012 eingeführt. Die Gemeinde Bromskirchen will die Sperrzeit ebenfalls erweitern.

Hendrik Klinge, Vorsitzender der Frankenberger Jungsozialisten: "Warum in Frankenberg mehr als 10 Jahre keine Sperrstunde nötig war und plötzlich dringender Regelungsbedarf besteht, ist überhaupt nicht nachvollziehbar."

"Entgegen der öffentlich suggerierten Meinung ist die Sperrstunde in der Kreisstadt bisher eher kritisch zu betrachten. Einerseits liegen bis heute keine belastbaren Zahlen vor, die eine Verringerung von Sachbeschädigungen, Ruhestörungen oder Gewaltdelikten belegen könnten. Andererseits verzeichnen Gastronomen erhebliche Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent an den Wochenenden. Die Situation in der touristischen Hochburg Willingen stellt sich anders dar. So wird die Sperrstunde ab 3 Uhr kaum überprüft und es besteht jederzeit die Möglichkeit am Ettelsberg auf eine Discothek mit Ausnahmegenehmigung auszuweichen und die Nacht zum Tag zu machen", meint Christoph Hartel, Vorsitzender Junge Liberale Frankenberg.

Ländlicher Raum verliert an Attraktivität

"Wir sehen in der Einführung der Sperrstunde eine Gefahr für die Attraktivität des ländlichen Raumes, der ohnehin schon Schwierigkeiten hat, junge Menschen für ein Leben fernab der großen Städte zu gewinnen", so Carolin Hecker, stellvertretende Landesvorsitzende der Hessischen Landjugend.

Discotheken in Gefahr

"Es ist zu befürchten, dass langfristig das Bestehen der ohnehin nur noch zwei verbliebenen Discotheken stark gefährdet wird, denn die Menschen werden sich das Feiern nicht verbieten lassen, sondern dahin fahren, wo es möglich ist", ergänzten die Vorsitzenden der Landjugenden Geismar, Helena Graß, und Haubern, Carolin Schmidtmann.

Christoph Hartel: "Die Belastungen für die Gastronomen werden immer größer, neben der GEMA-Reform jetzt auch noch die Sperrstunde. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn Frankenberg in Zukunft ganz ohne Discotheken dasteht. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es mit den Schließungen des Havanna, des Klimperkastens und des Barocks zur Genüge."

Anderes Ausgeh-Verhalten

André Landau vom Jugendclub Röddenau: "Heute ist es für die meisten jungen Leute üblich, erst gegen 24 Uhr auf Discoabende zu gehen. Dies ist ein allgemeiner Trend, den wir nicht in Frankenberg umkehren werden, stattdessen laufen wir Gefahr frustrierten jungen Menschen das Feierverbot ab 3 Uhr erklären zu müssen."

"Der Polizei fehlt Personal"

Die Jugendverbände sehen in der Ausstattung der Polizei das Problem. "Fehlende personelle Kapazitäten der Ordnungshüter, insbesondere zu späterer Stunde, könnten als ein Grund für die Empfehlungen der Direktion angenommen werden."

"Sippenhaft für friedlich Feiernde"

Disco-Betreiber Lothar Battefeld: "Wenn sich nach einem Discoabend mit 1.000 Besuchern 10 Personen daneben benehmen, sind das gerade einmal 1 Prozent aller Gäste. Dafür die anderen 99 Prozent der absolut friedlich Feierenden in Sippenhaft nehmen zu wollen, kann man nicht ernsthaft wollen."

"Vorglühen mit harten Sachen ist das Problem"

"Nicht eine Sperrstunde ist ein sinnvolles Mittel gegen angetrunkene und gewaltbereite Jugendliche". Für Christine Möller, Sprecherin der Grünen Jugend und Stadtverordnete ist das "Vorglühen" ein Problem. "Schließlich wird ein Großteil des Alkohols nicht in den Discotheken und auf den Discoabenden konsumiert, stattdessen treffen sich viele zum sogenannten Vorglühen mit harten Spirituosen."

"Wir als Jugendorganisation sehen uns als Anwalt der jungen Generation und wollen unsere Freiheit, dann feiern zu gehen, wenn wir es für richtig halten. Solange wir dabei niemanden stören, sehen wir keinen Grund uns einzuschränken," so Christoph Müller, Stadtverbandsvorsitzender der Jungen Union.

"Niemand in Frankenberg braucht über die mangelnde Attraktivität und Verfügbarkeit abendlicher Ausgehmöglichkeiten zu klagen, wenn das Nachtleben gleichzeitig durch die Einführung einer Sperrstunde beschnitten wird", stellten Hartel und Müller, die beiden Initiatoren des "runden Tisches", abschließend fest.

Unterstützer und Petition

Die politischen Jugendverbände in Frankenberg bitten seit Donnerstag, 13. Dezember, um Unterstützung im Internet. Im bekanntesten sozialen Netzwerk wurde über 600-mal auf der Seite "Rettet das Nachtleben - Gegen eine Sperrstunde in Frankenberg/Eder" per Klick Solidarität bekundeten. Ins Leben gerufen wurde auch eine Online-Petition (www.sperrstunde-fkb.de.vu), bei der sich Bürger eintragen können und damit ihre Ablehnung der Sperrstunde deutlich machen können.

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