Justizangestellte hat sich 152.000 Euro ergaunert

Kassel. Schwarze Schafe gibt es überall. Auch beim Kasseler Landgericht. Dort hat eine ehemalige Justizangestellte, die auch schon mal im Vorzimmer

Kassel. Schwarze Schafe gibt es überall. Auch beim Kasseler Landgericht. Dort hat eine ehemalige Justizangestellte, die auch schon mal im Vorzimmer des Landgerichtspräsidenten gearbeitet hat, 152.236 Euro veruntreut. Wegen schwerer Untreue in 64 Fällen und Urkundenfälschung in sieben Fällen wurde die Frau am Montag vom Kasseler Amtsgericht zu zwei Jahren auf Bewährung (ausgesetzt auf drei Jahre) und einer Bewährungsauflage von monatlich 400 Euro verurteilt.

Fingierte Rechnungen und gefälschte Atteste

Die 30-Jährige hat in den Jahren 2007 bis 2009 ihre Tätigkeit in der Finanzbuchhaltung des Kasseler Landgerichts dazu missbraucht, mit fingierten Rechnungen insgesamt 152.236 Euro auf eigene Konten zu überweisen. Weiter hat sie in mehreren Fällen gefälschte ärztliche Atteste bei ihrem Arbeitgeber vorgelegt und damit Fehlzeiten begründet.

Nachdem der zuständige Richter des Amtsgerichts, Henning Leyhe, erklärte, dass er die Angeklagte nicht näher kennen würde und damit seine Befangenheit ausschloss, gab die Angeklagte alle Vorwürfe zu.

Es habe alles damit angefangen, dass ihre Schwiegereltern in eine finanzielle Schieflage geraten seien, so die heutige Sekretärin. Sie habe den Schwiegereltern helfen wollen und deshalb zwei Beträge zu Lasten der Staatskasse auf deren Konto gebucht. Danach sei sie auf die Idee gekommen, sich auch auf eigene Konten Beträge zu überweisen.

Die Beträge lagen bis auf einen Fall immer unter 2.500 Euro. Denn bis zu diesem Betrag konnte die Ex-Amtsträgerin Rechnungen allein absegnen. Bei Beträgen über 2.500 Euro wird nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft.

148.000 Euro wanderten so in ihre eigene Tasche. "Mein Konto war schon immer überzogen, weil ich soviel Geld für unnütze Sachen ausgegeben habe. Ich habe einfach Sachen bestellt oder Anziehsachen gekauft, obwohl ich die gar nicht brauchte", so Sabine W. (Name von der Redaktion geändert). Deswegen sei sie auf die Idee gekommen, fingierte Überweisungen und Rechnungen zu schreiben.

Schmuck und teures Auto gekauft; Mann hat nichts gemerkt

Als sie von dem Geld Schmuck, einen BMW 5er Touring und ein Motorrad gekauft hat, habe sie ihrem Mann einfach erzählt, das Geld stamme aus einem Bausparvertrag. Er habe von der Sache nichts gewusst. Ihren Schwiegereltern habe sie damals erzählt, das Geld stamme von einem Gerichtsfall, bei dem sie noch Geld von einem Gläubiger zu bekommen hätten, bzw. dass zu der Zeit Geld eingegangen sei.

Bezüglich der gefälschten Atteste zeigte die Angeklagte großen Einfallsreichtum, wählte sogar eine Hamburger Klinik aus. Vor Gericht berichtete die 30-Jährige auch, dass sie im Mai 2009 vorgehabt habe, mit den Überweisungen aufzuhören. Wahrscheinlich auch, weil sie wusste, dass eine Finanz-Prüfung anstand. Im Juli 2009 beendeten dann Staatsanwaltschaft und Polizei die Sache. Seitdem zahlt sie bereits laut einer Vereinbarung mit dem Oberlandesgericht monatlich 400 Euro an die Staatskasse zurück. Diese Vereinbarung wurde nun zur Auflage gemacht.

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