Keine konsequenten Kontrollen: hr-Recherchen über die Lebensmittelüberwachung

Sauberkeit in der heimischen Fleischindustrie und deren teils mangelhafte Kontrolle stehen besonders seit dem Wilke-Wurst-Skandal im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
+
Sauberkeit in der heimischen Fleischindustrie und deren teils mangelhafte Kontrolle stehen besonders seit dem Wilke-Wurst-Skandal im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Nordhessische Behörden für Lebensmittelüberwachung kontrollieren inkonsequent. Diese und weitere Rechercheergebnisse des Hessischen Rundfunks zur Sauberkeit in der heimischen Fleischindustrie und deren teils mangelhafte Kontrolle zeigt die Sendung „Fleischindustrie im Check“.

Waldeck-Frankenberg. Nordhessische Behörden für Lebensmittelüberwachung kontrollieren inkonsequent. Auch Auskunft über Kontrollen wird bei gleicher Rechtslage sehr unterschiedlich erteilt. Diese und weitere Rechercheergebnisse des Hessischen Rundfunks hr) zur Sauberkeit in der heimischen Fleischindustrie und deren teils mangelhafte Kontrolle zeigt die Sendung „Fleischindustrie im Check“, die in der ARD-Mediathek zu sehen ist.

Wie der hr dazu ankündigt, kontrollieren Nordhessische Behörden für Lebensmittelüberwachung völlig unterschiedlich. Auch Auskunft über Kontrollen werden demnach bei gleicher Rechtslage extrem unterschiedlich erteilt. So setzt sich das Regierungspräsidium Kassel über einen Erlass des Verbraucherschutzministeriums hinweg und fragt Unternehmen, „ob das für Sie so in Ordnung ist“, bevor gesetzlich vorgeschriebene Auskünfte gegeben werden, berichtet der hr.

„Auch in unserem Amt hieß es immer: Das müssen die Blödmänner nicht wissen. Die kriegen keine Information, fertig“, berichtet in der Reportage der frühere Lebensmittelkontrolleur Franz Voll zur Transparenz von Verbraucherschutzbehörden. „Sie haben Angst, weil sie genau wissen, dass da was hochkommt. Sie haben Angst, etwas preiszugeben, weil sie sich nicht blamieren wollen.“ Die Nordhessischen Veterinärämter seien unterschiedlich kontrollfreudig. Mal wird intensiv kontrolliert, mal kaum, so der hr.

Das Veterinäramt des Schwalm-Eder-Kreises gibt Kontrollberichte in Rekordzeit heraus, wie es das Verbraucherinformationsgesetz verlangt. Der Kreis Waldeck-Frankenberg dagegen, der im Wilke-Wurst-Skandal scharf kritisiert wurde, gibt wegen Umstrukturierung, Corona und Erkrankungen zögernd, aber umfangreich Auskunft. Das Fleischwerk Hessengut von Edeka produziert in Melsungen mit 340 Leuten 160 Tonnen Fleischwaren pro Woche. Dort dokumentieren die Kontrolleure des Kreises Schwalm-Eder größtenteils kleinere Verstöße gegen Formalien und gelegentliche Hygieneprobleme. Die Akte der vergangenen sechs Jahre umfasst mehrere hundert Blatt. Ähnlichen Umfang haben auch Akten zu kleineren Unternehmen, die der hr aus anderen Landkreisen bekam. Das Veterinäramt Waldeck-Frankenberg, das nach dem Wilke-Wurst-Skandal neu aufgebaut werden musste, legt beim Bad Arolsener Unternehmen Plüntsch Marke: Rügenwalder Spezialitäten) Erkenntnisse über gelegentliche leichte Mängel vor, die schnell behoben wurden. In den Kontrollprotokollen des Kreises Kassel zum Fuldabrücker Unternehmen Rack Rüther heißt es dagegen immer wieder im gleichen Wortlaut: „Der Betrieb wurde heute auf den allgemeinen Hygienezustand überprüft. Keine Beanstandungen.“

Der Film „Fleischindustrie im Check“ von Anna Schlieter und Oliver Schmid ist seit Donnerstag, 27. Mai, im hr ausgestrahlt und ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Rätselhaft Fund bei Haina: Polizei lässt 250 Kilo Tresor öffnen

Die Polizei hat mittlerweile mehrere Hinweise auf mögliche Besitzer nach dem rätselhaften Tresorfund in einem der Wohrateiche überprüft. Doch der schwere Safe konnte …
Rätselhaft Fund bei Haina: Polizei lässt 250 Kilo Tresor öffnen

Überfall auf offener Straße in Bad Wildungen

Zwei Männer haben in Bad Wildungen einen 69-Jährigen auf offener Straße überfallen. Wie die Polizei berichtet, ist der Mann gegen 21 Uhr auf der Brunnenallee angegriffen …
Überfall auf offener Straße in Bad Wildungen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.