"Kinderstube" für das seltene Insekt

Vöhl-Basdorf: Er liebt die warmen Sommerabende, um laut brummend wie ein kleiner Hubschrauber nach den Damen seiner Art zu suchen. Dabei fliegt er fa

Vöhl-Basdorf: Er liebt die warmen Sommerabende, um laut brummend wie ein kleiner Hubschrauber nach den Damen seiner Art zu suchen. Dabei fliegt er fast senkrecht, damit sein überdimensionaler Kopfschmuck ihn nicht abstürzen lässt.

Die Rede ist von unserem größten und imposantesten Käfer, dem Hirschkäfer (Lucanus cervus)! "Feuerschröter" ist nur einer der vielen Namen, den der Volksmund ihm gab. Er gehört zu den stark gefährdeten Arten der Käferwelt, hat sich aber in den trockenwarmen Eichenwäldern der Steilhänge des Edersees in einer stabilen Population erhalten! Hier kann ihn der aufmerksame Wanderer bei passendem Wetter schwärmen hören und beobachten.

Fünf bis acht Jahre dauert die Entwicklungszeit vom Ei bis zum fertigen Käfer. Diese Entwicklung findet an morschem Eichenholz im Bodenbereich bis 25 cm Tiefe statt. Wildschweine, Dachse, Füchse, Igel und Mäuse stellen ihm dort nach. Spechte, Eichelhäher, Krähen, Eulen und Falken fangen die ausgewachsenen Käfer auf den alten Eichen, wo sie in geselligem Beisammensein austretenden Baumsaft trinken. Dabei füttern die Weibchen die Männchen, die durch ihr großes Geweih alleine keine Nahrung aufnehmen können. So hat diese prächtige Käferart es nicht leicht, in seinem 3-monatigen Leben in der Luft für Nachwuchs zu sorgen!

Der Hirschkäfer ist eine der wenigen Käferarten, für die europaweit besondere Schutzgebiete geschaffen und Maßnahmen ergriffen werden. Das Forstamt Vöhl hat zur Stützung der Käferpopulation am Verbindungsweg zwischen Basdorf und dem Campingplatz Fürstental in der Nähe der "Kahlen Hardt" eine sog. Hirschkäferwiege angelegt. Anbrüchige Eichenstücke wurden mit Baggerhilfe eingegraben, mit Eichenhäcksel abgedeckt und gegen die buddelnden Feinde der Larven, z.B. die Wildschweine, eingezäunt.

Zur Information der zahlreichen Besucher der Ederseesteilhänge wurde neben der Hirschkäferwiege eine Schau- und Lehrtafel aufgestellt, die das Forstamt Vöhl in Zusammenarbeit mit der Hessen-Forst–Servicestelle für Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) in Gießen entwickelt hat. Darauf kann der interessierte Naturfreund in anschaulichen Fotos u.a. den Lebenszyklus des Hirschkäfers kennenlernen.

"Insektenschutz gehört zu meinen nicht nur beruflich bedingten Interessen- und Aufgabengebieten", so der Projektbeauftragte, Klaus Monsees, gleichzeitig Funktionsbeamter für Naturschutz im Forstamt Vöhl. "Die Insektenwelt ist meistens unauffällig, aber für uns Förster faszinierend, auch wegen ihres hohen Aussagewertes für Umweltbedingungen. Schließlich sind rund dreiviertel aller Tierarten weltweit Insekten!"

Für Klaus Monsees ebenso wie für Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen steht fest, dass unter anderem mit dieser Wiege dem Hirschkäfer eine dauerhafte Heimat im Forstamt Vöhl gesichert ist und der aufmerksame Wanderer in den Ederseehängen auch in Zukunft noch dieses imposante Insekt beobachten kann.

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