Kippt Armin Meiwes das Strafgesetzbuch?

Von DIRK LOREYKassel/Rotenburg. Gemeinsam wollten die Mnnerdas gebratene Geschlechtsteil essen, bevor sich Brandes von ArminMeiwes umbringen lie

Von DIRK LOREYKassel/Rotenburg. Gemeinsam wollten die Mnnerdas gebratene Geschlechtsteil essen, bevor sich Brandes von ArminMeiwes umbringen lie. Der Wunsch des Berliners: Armin Meiwes sollteihn aufessen. Die gesamte Tat wurde auf Video dokumentiert. Seit seinerVerhaftung sitzt der Kannibale von Rotenburg in Wehlheiden ein, hatsich in die Gemeinschaft der Gefangenen integriert. Gegen das Urteilhat Meiwes Anwalt Harald Ermel Verfassungsbeschwerde eingelegt.Tenor der 107-seitigen Begrndung: Das Urteil verstt gegen dieGrundrechte des Kannibalen. Weil dieser sein Opfer auf dessenausdrckliches Verlangen gettet und verspeist hat, msse die Strafeanders bewertet werden als bei einem herkmmlichen Mordfall. DieVerfassungsbeschwerde richtet sich gegen den Artikel 2 desGrundgesetzes, in der die Verletzung der Persnlichkeitsrechte durcheine unverhltnismig hohe Strafe geregelt ist sowie gegen denParagraphen 211 des Strafgesetzbuches. Dieser sagt aus, dass fr Mordnur ein einziges Strafma, nmlich lebenslngliche Haft, verhngtwerden darf. Das widerspricht dem Grundgesetz, da berhaupt keineDifferenzierung mglich ist. Man kann das Tten auf ausdrcklichesVerlangen nicht unter dieselbe Strafe stellen wie einen Mord. Das Opfermeines Mandanten htte jederzeit gehen knnen, Herr Meiwes htte ihngehen lassen, hat ihn zu nichts gezwungen. Die Grundrechte meinesMandanten wurden durch das Urteil verletzt, so Harald Ermel. Mitdieser Einschtzung steht der Rotenburger Rechtsanwalt nicht alleineda. Fhrende Strafrechtler in Deutschland sehen das Ganze genauso undmglicherweise bald auch der Gesetzgeber. Denn dieVerfassungsbeschwerde von Meiwes wurde zur Prfung angenommen dasschaffen gerade mal fnf Prozent aller Verfassungsbeschwerden. Derzeitliegt der 107-seitige Schriftsatz, verfasst von dem PotsdamerStrafrechtsprofessor Dr. Wolfgang Mitsch (ebenfalls gebrtigerRotenburger) dem Deutschen Bundestag, dem Bundesrat, den 16Landesregierungen, dem Bundeskanzleramt, dem Prsidenten desBundesgerichtshofs sowie der Generalbundesanwltin zur Prfung vor.Sollte die Beschwerde abgelehnt werden, msste auf Initiative vonHarald Ermel dann der Europische Gerichtshof entscheiden.

Interview zu Kannibalenbuch und -film

Am21. September soll das Buch ber den Kannibalen von Rotenburg, ArminMeiwes, vorgestellt werden. Im vierten Quartal des Jahres wird der Filmber den Menschenfresser, voraussichtlich auf RTL, ausgestrahlt. Dazusprach unsere Zeitung mit Harald Ermel, dem Rechtsanwalt von ArminMeiwes.EDT: Herr Ermel, wie geht es Ihrem Mandanten?Ermel: Herrn Meiwes geht es gut. Er sitzt in Wehlheiden ein, hat eineEinzelzelle. Wegen seiner beraus hilfsbereiten Art ist er bei denMitgefangenen sehr beliebt, steht in der Hierarchie weit oben.

EDT: Was tut Armin Meiwes im Gefngnis?Ermel: Er arbeitet in der Wscherei, erledigt viele Schreibarbeiten frseine Mitgefangenen, schreibt fr sie Briefe. Er besucht regelmig dieGefngnisgottesdienste.

EDT: Am 21. September soll das Buch Interview mit einem Kannibalen -Das geheime Leben des 'Kannibalen von Rotenburg in einerErstauflage von 150.000 Exemplaren erscheinen. Macht derKannibale von Rotenburg mit seiner Tat auch noch Gewinn?Ermel: Unsinn. Herr Meiwes erhlt von dem Erls des Buches nicht eineneinzigen Cent. Er hat ein sehr aufrichtiges Anliegen. Er mchte, dassMenschen, die unter einer psychischen Anomalie leiden, sich rechtzeitigin Behandlung begeben. Bevor es zu spt ist, wie bei ihm selbst.

EDT: Im letzten Quartal dieses Jahres soll auch noch ein Film ber Meiwes ausgestrahlt werden. Auch davon erhlt er keine Gage?Ermel: Nein, auch davon nicht. Die Rechte an den Geschichten liegen beieinem Hamburger Verlag. Herrn Meiwes geht es aufrichtig darum, aufpsychische Ausnahmezustnde hinzuweisen und den Menschen, die unterhnlichen Anomalien leiden, einen Weg aus der Krise zu zeigen.

EDT: Warum hat sich Armin Meiwes selbst nicht therapieren lassen?Ermel: Das Kind war in den Brunnen gefallen, bevor er den Weg zu einemTherapeuten gefunden hatte. Genau das zu verhindern ist sein Anliegen.Im brigen hat er seit seinem Haftantritt vor fast fnf Jahren mehrfachum Therapie ersucht. Da er bis vor kurzem immer nochUntersuchungshftling war, hat man ihn bis heute nicht in einTherapieprogramm aufgenommen.

EDT: Worunter leidet Ihr Mandant? Ermel: Seine sexuelle Hauptstrmung, die alles andere berlagert hat,ist das Essen von Mnnerfleisch. Allerdings nur von Mnnern, die sichihm freiwillig anbieten. Mehrere Kandidaten vor und nach dem BerlinerOpfer hatten das Ritual auf ihren eigenen Wunsch vor Vollendung der Tatabgebrochen. Armin Meiwes hat sie alle unversehrt gehen lassen.

EDT: Besteht Wiederholungsgefahr?Ermel: Ich bin kein Psychologe. Herr Meiwes ist ein wirklich netter,liebenswerter Zeitgenosse. Er hat jedoch eine schwere sexuelleAbartigkeit. Ich meine, dass eine Wiederholungsgefahr nicht besteht,wenn er durch eine Therapie von der Verhaltensebene auf dieGedankenebene seiner sexuellen Paraphilie zurckgefhrt wird.

EDT: Wenn Buch und Film erscheinen drfen, warum verhindern Sie den Kinofilm Rohtenburg?Ermel: Es geht dabei um das Recht meines Mandanten an seiner eigenenLebensgeschichte. Es ist fr uns nicht einzusehen, dass jemand anderesdiese Geschichte dazu nutzt, sich zu bereichern. Herr Meiwes hat keinInteresse an der Kommerzialisierung seines Lebens. Bisher konnte dieAuffhrung des Films erfolgreich durch mehrere Gerichtsurteileverhindert werden.

EDT: Wird Rohtenburg dennoch in die Kinos kommen?Ermel: Auf jeden Fall gehen wir davon aus, dass dieProduktionsgesellschaft und der Filmverleih alle juristischen Instanzenbemhen werden, um ihr Interesse durchzusetzen. Immerhin wurden bereitsmehrere Millionen Euro in die Produktion und Vermarktung desFilmes investiert.

EDT: Kann man Ihre Verfassungsbeschwerde dem Normalbrger berhaupt noch erklren?Ermel: Das ist natrlich nicht ganz einfach. Es wird hier auf hohemjuristischen Niveau ber die Grundrechte eines Menschen diskutiert.Dazu kommt, dass im Falle von Herrn Meiwes dieser Mensch natrlich miteiner grausigen Tat in Verbindung gebracht wird, die die meistenMenschen schaudern lsst. Grundrechte aber sind universell gltig,ohne Ansehen der Person und deren Vorgeschichte.

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