Kommunale Vergabe, aber richtig

Korbach. Ein gut gefüllter Saal erwartete die Referenten des Seminars mit dem Titel "Kommunale Vergabe, aber richtig…" im Korbacher Beruf

Korbach. Ein gut gefüllter Saal erwartete die Referenten des Seminars mit dem Titel "Kommunale Vergabe, aber richtig…" im Korbacher Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft.

Die Handwerksorganisation hatte Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, aber auch Handwerker sowie Architektur- und Ingenieurbüros, eingeladen, um über die neuesten Anforderungen der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/A) zu informieren.

Die VOB/A regelt die Vergabe von Bauaufträgen durch öffentliche Auftraggeber. Ziel der VOB/A ist es, einen sachgerechten Ausgleich zwischen den Interessen von Auftraggebern und Bietern zu schaffen. Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Herbert Dinger hob in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit eines stetigen Dialogs zwischen Wirtschaft und Verwaltung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge hervor: "Dem sich, aufgrund haushaltsrechtlicher Verpflichtungen ergebenden, Interesse der Auftraggeber nach Wirtschaftlichkeit, stehen auf Seiten der Bieter die Aspekte der Gleichbehandlung, der Transparenz und des fairen Wettbewerbs gegenüber. Daher ist es wichtig, an dieser Stelle eine gemeinsame Plattform zum Austausch über diese Herausforderung zu schaffen."

Dinger betonte zugleich die Bedeutung der Vergabe durch die öffentliche Hand für Erhalt und Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette hervor und stellte die Frage der Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt seiner Überlegungen: "Die Vergabepraxis zeigt, dass gerade das Wirtschaftlichkeitsgebot häufig missverstanden wird. Dies führt dazu, dass sich die Vergabe auf den Preis als vermeintlich einziges Prüfungskriterium beschränkt." Gerade das widerspreche jedoch den Zielen der VOB/A, denn "gerade erfahrene Auftraggeber wissen, dass der niedrigste Preis nicht immer der wirtschaftlichste ist."

Das hob auch der Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen, Andreas Lieberknecht, hervor: "Oftmals entpuppen sich günstige Angebote nachträglich als sehr teuer. Daher sollten bei der Vergabe vor allem die Qualifikationen der Bieter geprüft und diese Ergebnisse konsequent berücksichtigt werden. So können Nachteile für öffentliche Bauprojekte vermieden werden." Lieberknecht informierte außerdem über Haftungsrisiken bei fehlerhaften Vergaben.

Christina Trutzel, Geschäftsführerin der Auftragsberatungsstelle des Landes Hessen, mahnte eindringlich die Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen an und schilderte, welche Kriterien dabei eine Rolle spielen. Wer überhaupt seine Leistungen im Handwerk anbieten kann, erklärte Christian Behrendt, Leiter der Rechtsabteilung der Handwerkskammer Kassel. In seinem Vortrag wurde deutlich, wie wichtig die fachliche Qualifikation und deren Überprüfung durch den Auftraggeber sind. Über das System der Wertungsstufen unterrichtete Klaus Deneke von der VOB-Stelle des Regierungspräsidiums Kassel die zahlreichen Teilnehmer.

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