Korbach: Streit um Kahlschlag

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Alles muss raus: Nach diesem Motto wird nun an der Außenanlage eines Behördengebäudes „Auf Lülingskreuz“ in Korbach gehandelt. Landschaftsplaner Norbert Panek kritisiert die Vorgehensweise scharf und die Antwort kommt prompt.

Korbacher Landschaftsplaner kritisiert die Maßnahme an der Grünanlage am Behördenhaus Auf Lülingskreuz.

Korbach - Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kahlschlag. Abgesägte Baumstümpfe und eine bis kurz über dem Boden abgesäbelte Strauchhecke „zieren“ derzeit die Außenanlage vor dem Behördenhaus „Auf Lülingskreuz“. Hier hatte bereits Ende Februar eine Gartenbaufirma im Auftrag des Landesbetriebes „Bau und Immobilien Hessen“ auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern so gut wie alle Gehölze entfernt. Zurzeit werden die Wurzelstöcke gerodet. Norbert Panek, Landschaftsplaner aus Korbach, kritisiert diese Maßnahme scharf. „Das ist eine Rodung und hat mit fachgerechter Gehölzpflege nichts mehr zu tun“, sagt er.

Panek hatte vor gut 37 Jahren einen Bepflanzungsplan für die Außenanlage des damaligen Landwirtschaftsamtes erstellt und ein naturnahes Grünpflegekonzept entwickelt. Im Zuge dieser Planungen wurde vor der Straßenfront des Amtsgebäudes auch ein Teich angelegt. Der wurde nach der Auflösung der Landwirtschaftsverwaltung und Angliederung an den Landkreis aus Verkehrssicherheitsgründen zugeschüttet. „Von dem damals zuständigen Gebäude-Management des Landes Hessen wurde das Grünpflegekonzept in selbstherrlicher Manier komplett ignoriert“, sagt Panek. Allein die Gehölzpflanzungen rund um das Behördengebäude seien in den letzten 20 Jahren in sehr kurzen Zeitabständen von zwei bis drei Jahren „auf den Stock gesetzt“ worden. „Dieser völlig unsinnige Umgang mit öffentlichem Inventar erschließt sich mir bis heute nicht“, konstatiert Panek.

Unabhängig von noch ausstehenden naturschutzrechtlichen Bewertungen sieht der Landschaftsplaner die Eingriffe als „Symbol eines Zeitgeistes, der zunehmend von ökologischer Ignoranz, Gedankenlosigkeit und auch Gleichgültigkeit geprägt wird.“ Panek kritisiert weiter: „Wir kultivieren eine Lust am Zerstören und unsere Welt wird, im Kleinen wie im Großen, fast nur noch danach behandelt, was ökonomisch nützlich und nicht, was ökologisch sinnvoll ist.“

In einer Zeit, in der für mehr naturnahe Grünflächen geradezu geworben werde – vor allem im öffentlichen Bereich – sei das Handeln des Landesbetriebs für Panek nicht mehr nachvollziehbar. „Wir reden heute gerne über Nachhaltigkeit, aber schon in kleinen Dingen wird dieses Prinzip selbst von öffentlichen Institutionen wie des hessischen Landesbetriebs ,Immobilien‘ permanent unterlaufen. Der Zustand der Grünanlage Auf Lülingskreuz und ihre prekäre Entwicklung vom Ur-Konzept angefangen bis hin zu ihrer heutigen Verstümmlung ist für mich in gewisser Weise Sinnbild unserer Kultur der letzten 40 Jahre“, kritisiert Panek.

Der Landesbetrieb „Bau und Immobilien Hessen“ erklärte hingegen auf Nachfrage, dass umfangreichere Arbeiten vor dem Behördenhaus nötig gewesen sein. „Sie dienen dazu, die Fläche auch langfristig in einem gepflegten Zustand zu erhalten. Die bisherige Bepflanzung war im Laufe der Zeit zu dicht geworden, sodass einzelnen Bäumen zu wenig Raum geblieben wäre“, begründet Pressesprecher Alexander Hoffmann die Maßnahme. Er teilt mit, dass derzeit ein Neubepflanzungskonzept vorbereitet werde. „Dieses soll auch einen Rückzugsraum für Kleintiere und eine Blühwiese vorsehen.“

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