Die „Korbacher Schachtel“ - Die zufällige Erfindung eines Pädagogen

Die „Korbacher Schachtel“ - Die zufällige Erfindung des Kunstlehrers Jörg Eicken.
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Die „Korbacher Schachtel“ - Die zufällige Erfindung des Kunstlehrers Jörg Eicken.

Geometrische Formen und Körper haben ihn schon immer begeistert, Bewegungen faszinieren ihn, Logik ist das strenge Prinzip seiner Installationen. Jörg Eicken hat zufällig eine einmalige Papierfalttechnik entwickelt.

Korbach. Geometrische Formen und Körper haben ihn schon immer begeistert, Bewegungen faszinieren ihn, Logik ist das strenge Prinzip seiner Entwürfe und Installationen. Aber er ist kein Mathematiker, Jörg Eicken ist eher Künstler, besser: Kunstlehrer. Und gerade aus dem Kunstunterricht entwickelte sich seine weltweit einmalige Papierfalttechnik.

„Mit Holz konnten wir im Unterricht nicht viel machen“, erzählt Eicken, „dann sind wir zu Papier übergegangen“. Aus den Papierbögen wurden Formen ausgeschnitten, gefaltet und verklebt. Daraus entstehen dann kleine Würfel, Pyramiden, Hütchen und andere Körper. Acht Stück werden an den Kanten nach einem bestimmten Plan miteinander verklebt. Daraus ergibt sich zusammengefaltet ein bestimmtes „Gebilde“, beispielsweise eine quadratische Schachtel, aus der dann durch unterschiedliche „sphärische“ Faltbewegungen wieder neue, faszinierende Formen erzeugt werden können: Eine Schlange, ein Haus, ein Turm und manches mehr.

Das Prinzip zu derartigen Verwandlungen ist durch Zufall entstanden. „Ich habe mich einmal verklebt, und durch diesen Fehler ist eine unglaubliche neue Form entstanden“. Alle seine Schülerrinnen und Schüler mussten im Unterricht von Jörg Eicken das Papierfalten erlernen. In der Folge hat er weitere unterschiedliche Formen und Techniken erfunden, insgesamt eine Serie von 120 verschiedenen Objekten. Die benötigten Bastelbögen sind mittlerweile maschinell vorgestanzt, so dass sie nicht mehr mühsam von Hand ausgeschnitten werden müssen.

Seit dem Ende seiner Dienstzeit in der Schule, tritt Eicken gelegentlich auf Kunstmärkten und bei Events mit seinen „Korbacher Schachteln“ auf. Und er stellt regelmäßig in den Schaufenstern einer Korbacher Apotheke aus. „Ob es Kunst ist, weiß ich nicht, ich bin eher Erfinder“, sagt er. Und seine Schachteln, die alle nach Nummern geordnet im Keller seines Hauses auf einem Regal stehen, haben schon manchen Mathematiker zum Staunen gebracht. Was aussieht wie Kunst oder Spielzeug, ist äußerst logisch aufgebaut, folgt einem klaren Plan.

Wir haben Jörg Eicken mit der Kamera besucht und uns seine Falttechnik näher angeschaut. Im Video wird klar, was mit Worten nur schwer zu beschreiben ist.

Jörg Eicken (Jahrgang 1945), wurde in Bad Tölz geboren und ist in Bayern aufgewachsen. Den bayerischen Einschlag in seiner Sprache merkt man gelegentlich noch. Nach dem Abitur verschlug es ihn auf die Kunsthochschule nach Kassel. Nach Studium und Referendariat hielt es ihn in Nordhessen, und er war 35 Jahre bis zur Pensionierung als Kunstlehrer an der Alten Landesschule tätig.

Ab dem 19. September stellt Jörg Eicken seine Faltprojekte im Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museum aus. Aber nicht nur die. Er ist auch passionierter Sammler, aber nicht von irgendetwas, sondern dahinter steckt wieder ein klares Konzept: Waagen und Gewichte, Vogelkäfige, historische Dokumente, Bodenfunde und Bücher aus Waldeck, verschiedene Siegel und auch Exponate aus der Geschichte der Fotografie. Eine unglaubliche Menge seltener und einmaliger Schätze. Auch einige Einblicke in die Geschichte der Alten Landesschule wird es im Museum geben.

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