In letzter Sekunde: Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg verliert den geplanten Vitos Psychiatrie-Neubau

Einen Psychiatrie-Neubau am Kreiskrankenhaus Frankenberg wird es nicht mehr geben. Vitos schafft neue Angebote in Bad Wildungen und Haina.

Frankenberg - Eigentlich sollten in wenigen Monaten die Bauarbeiten beginnen. Doch jetzt platzen plötzlich die Planungen für den Psychiatrie-Neubau am Kreiskrankenhaus Frankenberg.

Entgegen der bisherigen Planungen wird Vitos Haina den geplanten Neubau seiner Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie nicht am Kreiskrankenhaus Frankenberg errichten. Das haben Vitos und der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Träger der Kreisklinik in einer Pressemitteilung bekannt gemacht.

Der Landkreis will die Fläche, auf der der Psychiatrie-Neubau errichtet werden sollte, künftig anderweitig für das Kreiskrankenhaus nutzen. Ursprünglich sollte durch den Abriss des alten Wohnheims am Kreiskrankenhaus bereits ab Frühjahr 2019 Platz für den Neubau von Vitos Haina geschaffen werden.

Und eigentlich war nach einer umfangreichen Standortanalyse für Vitos seit 2013 klar, dass ein Neubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in direkter Nähe zum Kreiskrankenhaus das Sinnvollste wäre. „Ich bedauere, dass der Landkreis und das Kreiskrankenhaus die ehemalige gemeinsame Zielsetzung nicht aufrechterhalten können“, ist Reinhard Belling, Geschäftsführer der Vitos GmbH enttäuscht. „Auch nach aktueller Bewertung aller Vor- und Nachteile wollten wir die neue Klinik deshalb am Kreiskrankenhaus errichten", betont Belling. In seinen Augen hätte eine stärkere Verzahnung von Psychiatrie und Somatik die Patientenversorgung beider Häuser verbessert. Der Landkreis entschied sich aber dagegen.

Als Hintergrund spielt die geplatzte Übernahme durch Vitos, die 2017 anstand, eine Rolle. Drei Jahre (2014 bis 2017) hatten der Landkreis und der Landeswohlfahrtsverband Hessen, der Alleingesellschafter der Managementholding Vitos GmbH ist, darauf hingearbeitet, dass Vitos die Leitung der Kreisklinik übernimmt.

Nach dem die Kreisklinik aber weiter rote Zahlen schrieb und schreibt, sieht der Landkreis andere Perspektiven für die Weiterentwicklung des Kreiskrankenhauses. Langfristig müssten dafür räumliche Flächen zur Verfügung stehen. „Aus diesem Grund mussten wir uns gegen eine Errichtung der Vitos Klinik am Standort unserer Kreisklinik entscheiden“, begründet der Aufsichtsratsvorsitzende und Landrat Dr. Reinhard Kubat den Entschluss. „Zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung im Südkreis ist unsere Kreisklinik ein wichtiges Standbein. Ihrer langfristigen Fortentwicklung möchten wir daher den entsprechenden Raum geben.“

Was genau die Pläne für die Zukunft des Kreiskrankenhauses sind, ist noch nicht klar.

Gemeinsame Potenziale sehen Vitos und das Kreiskrankenhaus in der Krankenpflegeausbildung. Nach dem Neubau des Schulzentrums für Pflegeberufe am Kreiskrankenhaus Frankenberg finden Auszubildende dort ideale Bedingungen vor. Eine Kooperation mit Vitos Haina und dem Landkreis ist momentan im Gespräch.

Vitos schafft neue Angebote in Bad Wildungen und Haina

Im Bereich der Therapie differenziert Vitos Haina seine Angebote und weitet sie auch in der Fläche aus, um psychisch kranken Menschen eine möglichst wohnortnahe Versorgung zu bieten. So soll beispielsweise ab 2019 in Bad Wildungen eine psychiatrische Tagesklinik mit Ambulanz entstehen. Und auch die Vitos begleitenden psychiatrischen Dienste Haina planen weitere Baumaßnahmen. Die Frage nach dem künftigen Standort der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sieht Geschäftsführer Belling in diesem Kontext. „Unter den geänderten Rahmenbedingungen im Landkreis werden wir die Optionen in den Waldeck-Frankenberger Mittel- und Unterzentren neu bewerten. Es ist durchaus denkbar, dass wir den Kernstandort stärken und ertüchtigen. Auch in Haina (Kloster) können wir Synergieeffekte zu Gunsten unserer Patienten erzielen“.

Rubriklistenbild: © Foto: Althaus

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