So kriminell ist der Landkreis

Auch wenn die polizeiliche Statistik nicht die Kriminalitätswirklichkeit abbildet, sondern nur eine je nach Deliktart mehr oder weniger ausgeprägte Annäherung an die Realität aufzeigt, so erfasst sie alle erkannten und angezeigten strafrechtlichen Sachverhalte sowie ermittelten Tatverdächtigen.

Korbach - Darüber hinaus ist diese Statistik auch Qualitätsmerkmal für die geleistet Arbeit der Polizei im Dienstbezirk und die kann sich sehen lassen.

Die registrierte Kriminalitätsentwicklung im Landkreis Waldeck-Frankenberg schwankte in den letzten fünf Jahren zwischen 5.400 und 5.900 Straftaten.

Im Jahr 2019 waren es 5.702 Straftaten. Das bedeutet zwar eine Zunahme von 261 Fällen oder eine Steigerung um 4,8 % gegenüber dem Vorjahr, ist aber immer noch der viertniedrigste Stand der letzten 20 Jahre in der Erfassung.

Gleichzeitig hat die Polizei so viele Fälle wie noch nie in den vergangenen 20 Jahren aufgeklärt. Das waren 2019 insgesamt 67,3 % der Straftaten eine Steigerung um 2,6 % gegenüber 2018. Die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg nimmt damit erneut den Spitzenplatz in Nordhessen ein.

Die gute Polizeiarbeit sorgt für Sicherheit. Das schlägt sich auch bei der Kriminalitätsbelastung nieder, die die Anzahl an Straftaten pro 100.000 Einwohnern innerhalb eines Jahres beschreibt. 2019 waren es 3.633 Straften pro 100.000 Einwohner im Landkreis. Zum Vergleich: In Hessen liegt die Zahl bei 5.823, in Nordhessen bei 4.782 und für die Stadt Kassel bei 9.107. Von den registrierten 5.702 Straftaten gelten 2.653 Taten (46,53 %) als Diebstahls- und Vermögens- oder Fälschungsdelikte).

Mordversuche und fahrlässige Tötung in Waldeck-Frankenberg

Im vergangenen Jahr wurde in vier Fällen wegen versuchter Tötung und in einem Fall wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Alle diese Fälle wurden aufgeklärt.

Bei den Vergewaltigungen stieg die Zahl auf 22 Straftaten Im Jahr 2019 zählt die Statistik 161 Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Das sind 49 Fälle mehr als im Jahr 2018, was einen Anstieg um 43,8 % bedeutet. Bei den Vergewaltigungen stieg die Zahl von 12 auf 22 Straftaten.

Beim sexuellen Missbrauch sind 56 Fälle (23 mehr) aufgeführt, darunter exhibitionistische Handlungen. Die Steigerung der Fallzahlen bei dem Verbreiten von pornografischer Schriften von 17 auf 32 Fälle liegt in der intensiveren Kontrolle im Bereich der Kinderpornografie im Internet. Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist das Enddeckungsrisiko sehr hoch, im Jahr 2019 konnte eine Aufklärungsquote von 86,3 % erreicht werden.

Mehr Körperverletzungen im Landkreis

Gleiches gilt bei Körperverletzung und Raub. Die Aufklärungsquote liegt bei den Rohheitsdelikten aktuell bei 92,7 %. 918 Delikte sind 2019 erfasst. Die Steigerung um 20 Fälle gegenüber dem Vorjahr sind Körperverletzungen gewesen. Sie machten insgesamt 714 Taten aus, darunter 172 Fälle mit schwerer oder gefährlicher Körperverletzung. Von den ermittelten 667 Tatverdächtigen sind die meisten, nämlich 541, Erwachsene. Kinder (11), Jugendliche (45) oder Heranwachsende (70) werden demnach weitaus weniger gewalttätig.

Diebe haben ähnlich wie im Vorjahr 1099-mal Beute gemacht. Am häufigsten waren es Ladendiebe mit 259 Fällen, gefolgt von Diebstählen aus Fahrzeugen (138) oder am Arbeitsplatz (121). Fahrräder waren 63-mal von Langfingern begehrt, die auch 59-mal in Tourismusbetrieben zuschlugen. Alle anderen Zahlen verteilen sich auf weiter 23 Untergruppen.

Die Anzahl der bekannt gewordenen „Diebstahlsdelikte unter erschwerenden Umständen“, zu denen auch Wohnungseinbrüche zählen, ist 529 Fällen nochmals um 3,6 % gesunken. „Diese erfreuliche Entwicklung der letzten Jahre setzt sich also fort“, so die Polizei. 529 schwere Diebstahlsdelikte bedeuten den Tiefststand der letzten 10 Jahre und einen Rückgang von über 50 % im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2011 von 1152 Straftaten.

Rückgang bei den Einbrüchen

Bei den Einbrüchen konnte ein erfreulicher Rückgang der Fallzahlen registriert werden. 86 Fälle bedeuten einen Rückgang um 8,5 % und damit auch den zweitniedrigsten Stand der letzten 10 Jahre. Die Aufklärungsquote hierbei bewegt sich mit 15,1 % auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. In 38 Fällen blieben die Taten im Versuchsstadium stecken. Die Täter scheiterten also an den Sicherungseinrichtungen oder wurden bei der Tatausführung gestört. Ein Schwerpunkt bei den Wohnungseinbrüchen lag in Bad Wildungen, wo allein 26 Fälle zu verzeichnen war. Während die Fallzahl in Frankenberg mit 6 nahezu gleichblieb, konnten in Korbach mit 8 und Bad Arolsen mit 6 deutliche Rückgänge registriert werden.

1025 ermittelte die Polizei wegen Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung oder anderen Vermögens- und Fälschungsdelikten. 84,6 % konnte davon aufgeklärt werden.

Die zahl der Sachbeschädigungen (653; davon 274 an Fahrzeugen) und Brandstiftungen (67; davon 47 vorsätzlich) stiegen, blieben Straftaten gegen die Ordnung (122; u.a. Widerstand gegen Polizisten 48) auf ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.

Im Jahr 2019 registrierte die Polizei 586 Rauschgiftdelikte und verzeichnete erhebliche Steigerungen bei den sichergestellten Drogenmengen. Zudem leiteten die Beamten 164 Ermittlungsverfahren gegen Fahrzeugführer ein, die unter der Einwirkung illegaler Drogen standen.

Die Straßenkriminalität beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung im besonderem Maße. Für das Jahr 2019 wurden 1.091 Straftaten (Vorjahr 1.022) unter Straßenkriminalität erfasst. Das bedeutet eine Zunahme von 69 Fällen oder 6,8 %.

Politisch motivierte Straftaten

Im Jahr 2019 ist die Zahl im Bereich der politisch motivierten Straftaten in Waldeck-Frankenberg auf 34 nahezu auf dem gleichen Stand wie im Jahr 2018 (35).

Bei den registrierten Delikten im Bereich des Rechtsextremismus ist eine deutliche Steigerung auf 21 Fälle (Vorjahr 13) zu verzeichnen. In allen 21 Fällen der PMK Rechts ermittelte die Polizei wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, teilweise in Verbindung mit Sachbeschädigungen, oder Volksverhetzungen.

In den meisten dieser Fälle wurden „Hakenkreuze“ oder andere verbotene Zeichen aufgebracht. Ansätze zur Täterermittlungen lagen dabei fast nie vor, was auch die gesunkene Aufklärungsquote in diesem Bereich erklärt.

5 Straftaten wurden dem Linksextremismus zugeordnet. Dabei handelt es sich überwiegend um Beleidigungen.

Die meisten aller Tatverdächtigen sich erwachsene, deutsche Männer

Bei den 5.702 Straftaten konnten 2.942 Tatverdächtige ermittelt werden, darunter 2.300 Erwachsenen, 301 Heranwachsende, 257 Jugendliche und 84 Kinder.

Von den 2.300 erwachsenen Tatverdächtigen waren nur 7 weiblich. Die meisten Tatverdächtigen sind Deutsche 2.324. Von den 618 nichtdeutschen Tatverdächtigen sind 180 Zuwanderer erfasst.

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