Die Kult-Disko Las Wegas lässt es im 50sten Jahr nochmal krachen

Ein Teil der ehemaligen Betreiber traf sich vor dem Jubiläumsfest im Las Wegas und sofort lebten viele alte Geschichten wieder auf. V.l.: Herbert Kessler, Dorothee Heck, Georg Wackerbarth, Achim Seidlitz und Willi Vecqueray. Foto: ma
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Ein Teil der ehemaligen Betreiber traf sich vor dem Jubiläumsfest im Las Wegas und sofort lebten viele alte Geschichten wieder auf. V.l.: Herbert Kessler, Dorothee Heck, Georg Wackerbarth, Achim Seidlitz und Willi Vecqueray.

Disco in Deutschland: Vor 50 Jahren war das Las Wegas einer der angesagtesten Diskotheken in der Republik

Bad Wildungen. Vor 50 Jahren entwickelte sich Wega zum, heute würde man sagen, Hotspot für Partygänger. In dem Bad Wildunger Ortsteil entsteht zu der Zeit eine der ersten Diskotheken der Bundesrepublik: das „Las Wegas“. Jede Menge Bilder von damals...

Achim Seidlitz ist DJ der ersten Stunde. Am 3. Februar 1967 beginnt er an den Plattentellern eine Ära. Auch in Bad Wildungen entwickelt sich das Nachtleben. Die Jugend ist rebellisch. Beat, Schlager und Rock, der da noch Rock´n´Roll heißt, bestimmen die Hitparaden. Im Kino sorgt Winnetou für volle Säle und die Haare werden immer länger getragen. Immer kürzer dafür die Röcke und immer höhere Absätze gehören zum Look der Mädchen. Die Jugend ist wie heute hungrig, etwas zu erleben. Und eine Diskothek im ausgeprägten Westernstyle hat man bis dato noch nicht gesehen.

Eine der ersten Diskotheken in der Bundesrepublik

Es war ursprünglich die Gastwirtschaft des Ortes in deren Saal auch die Kirmes gefeiert wurde. Doch nach dem Umbau ist es das „Las Wegas“ mit Clubcharakter. Einmalig. Ähnliche Diskotheken finden sich zu der Zeit nur noch in Hamburg oder Berlin. Und Bad Wildungen mit seinen vielen Kurgästen sorgt dafür das im Edertal auch nachts jede Menge los ist. So viel, das auch berühmte Bands auftreten und jede Menge Prominenz zu den Gäste zählt. Udo Jürgens feiert hier. Die Lords spielen. Howard Carpendale ist gerade frisch aus Südafrika aufgelaufen. Drafi Deutscher, Jürgen Marcus, Roy Black, Joy Flemming - wenn Achim Seidlitz heute in seinem Foto- und Autogrammkartenalbum blättert, finden sich noch mehr berühmte Namen.

1971 übernimmt Horst Lauterbach die Disko. Drei Jahre später sind es Georg Wackerbarth und Willi Wende (†). Die Freunde, damals beide in ihren Zwanzigern, lassen es richtig Krachen. Für 120.000 Mark übernehmen sie das Las Wegas komplett. Eine Investition, die sich schnell lohnt. Gegen 20 Uhr ist der Laden voll. Jeden Abend. Etwas mehr als 300 Gäste passen hinein. Und wenn die Sperrstunde droht, wird abgeschlossen und auf einem Ponton im Edersee weiter gefeiert bis zum Morgengrauen. Es ist auch die Zeit der Cliquen, des „Dazugehören Wollens“. Wer als DJ im Las Wegas auflegt, hat Referenzen. Der Name spricht sich herum, wird zur Marke. Immer größere Kreise zieht der Club. Gäste aus Kassel und sogar Hannover kommen, um hier in die Nacht hinein zu feiern.

Wir hatten am Monatsende regelmäßig 20.000 Mark in der Hosentasche

Der Imbiss vor der Tür ist die ideale Ergänzung für das hungrige Tanzvolk. Drinnen geht es über Tische, Tresen und Bänke. Es wird gefeiert bis zum geht nicht mehr. Und wenn Ärger droht, prügeln Stammgäste auf Seiten der Betreiber Störenfriede aus dem Club. Eine Security am Eingang, wie heute, ist damals nicht nötig. Für Georg Wackerbarth und Willi Wende sind es goldene Zeiten. „Wir hatten am Monatsende regelmäßig 20.000 Mark in der Hosentasche und fuhren bald silberne Porsche“, erzählt Wackerbarth. Bald eröffnen sie weitere Clubs, Restaurants und pachten andere Gastronomiebetriebe, wie beispielsweise im Heloponte. Ein Unternehmen mit 44 Angestellten und Millioneninvestitionen entsteht. Doch das Partyleben wird dadurch immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Als nur noch die Arbeit das Leben der beiden Freunde bestimmt, steigen sie Schritt für Schritt aus, verkaufen, vermieten, verpachten die Immobilien nur noch. 1979 geben sie auch das Las Wegas aus der Hand.

Bürgermeister legt dem Party-Sumpf trocken

Willi Vecqueray ist dann der neue Betreiber. Er führt die damaligen Mottoabende, Modenschauen, Auftritte von Hypnotiseuren und Miss Las Wegas Wahlen fort. Die Diskowelle der Bee Gees und John Travolta blüht gerade und Disco ist in wie nie. Fast in jedem kleineren Ort gibt es nun einen „Schuppen“ und auch das Las Wegas bekommt Konkurrenz in der Nachbarschaft wie auch überregional. Diskotheken gehören nun zum Standart. Und Bad Wildungen wandelt sich. „Der damalige Bürgermeister hat dann den „Party-Sumpf“ trockengelegt“, bedauert Wackerbarth. Für ihn hatte Bad Wildungen damals den touristischen Stellenwert, den heute Willingen hat. Doch berühmte Bands und Sänger zieht der Club in Wega dank seines Rufes immer noch.

1986 ist es dann Herbert Kessler, der sich bald mit Großraumdiskotheken konfrontiert sieht. Doch das Las Wegas auszubauen, scheitert an den Gegebenheiten vor Ort. Die Änderungen in der Kurlandschaft und die damit verbundenen sinkenden Zahlen der Kurgäste gehen auch an Bad Wildungen nicht spurlos vorbei. Im Las Wegas zieht noch der Oldieabend. Samstagnacht und Sonntagnachmittag sind die Tage an denen Disko gefragt ist. Doch der herkömmliche Diskobetrieb verliert weiter an Publikum.

2004 ist Dorothee Heck, die Lebensgefährtin von Herbert Kessler, nun federführend für den Fortbestand des Las Wegas zuständig. Als sich abzeichnet, das sich mit dem gewohnten Diskobetrieb kein Geld mehr verdienen lässt, wird das Konzept geändert. Heute kann man das Las Wegas mieten, als Partylocation, mit und ohne Personal und Catering. Geburtstage, Abi-Feten, Charity-Veranstaltungen sowie die Oldie- und Revivalparties sorgen dafür, dass noch heute, 50 Jahre nach dem Auftakt, das „Las Wegas“ unter seinem ursprünglichen Namen existiert.

Die Party zum Jubiläum

Das Las Wegas feiert am 11. Februar, mit dem DJ der ersten Stunde, Achim Seidlitz, und der Band „revolver“ ab 21 Uhr das Jubiläum. Ein Oldieabend Revival gibt es zum 50-jährigen Bestehen am 17. Februar. Einlass ist dann ab 21.30 Uhr.

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