Landärzte gesucht: Landkreis geht bei Medizinstudenten in die Offensive

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Franziska Goretic (vorne, rechts) studiert Medizin an der Philipps-Universität Marburg und absolviert derzeit ein Blockraktikum in der Arztpraxis von Dr. Mark Uffelmann und Dr. Michael Dickeler (hinten, 1. und 3. von rechts). Bürgermeister Björn Brede und Katharina Wilke (hinten, 2. und 4. von rechts) vom Fachdienst Gesundheit freuen sich über den derzeitigen Zuwachs. 

Medizinstudenten der Philipps-Universität Marburg absolvieren seit diesem Jahr allgemeinmedizinische Praktika in Waldeck-Frankenberg. Eine Werbung für den Job als Landarzt.

Frankenau - Praxiserfahrung – und das im wahrsten Sinne des Wortes – sammelt derzeit Franziska Goretic in Frankenau. Die 28-jährige Medizinstudentin macht ein zweiwöchiges Blockpraktikum in der Gemeinschaftspraxis von Dr. med. Mark Uffelmann und Dr. med. Michael Dickeler. Hier soll die Studentin Einblicke in die Allgemeinmedizin erhalten und Fachwissen, das sie sich an der Philipps-Universität in Marburg angeeignet hat, anwenden. Doch was verschlägt Sie ausgerechnet nach Frankenau? Immerhin entscheiden sich immer weniger Mediziner dazu, als Landarzt tätig zu sein.

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich aufs Land will“, erklärt Goretic. „Hier ist Wissen verschiedenster medizinischer Fachrichtungen mehr gefragt als in der Stadt, weil der Facharzt nicht direkt vor der Haustür ist.“ Dr. Uffelmann stimmt ihr zu: „Wer am Anfang seines Berufslebens als Mediziner steht und sich noch nicht auf ein Fachrichtung spezialisiert hat, bekommt in einer Landarztpraxis tolle Grundlagen.“ Bürgermeister Björn Brede freut sich über den derzeitigen Zuwachs in der Arztpraxis. „Es ist ungemein wichtig, dass wir an die Zukunft denken. Die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen darf nicht noch mehr zurückgehen. Wir müssen den jungen Menschen zeigen, dass es auch auf dem Land gute Jobs gibt“, so der Bürgermeister.

Ermöglicht wird das Praktikum durch das Programm „Gesundheit schafft Zukunft“ des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg wirbt er seit Beginn des Jahres für Waldeck-Frankenberg als potenziellen Arbeitsplatz. Es ergänzt die Offensive „Landarzt werden“, wodurch sich die heimischen Entscheidungsträger erhoffen, die entstehenden Lücken in der medizinischen Versorgung zu füllen. „Wir wollen damit dem Trend entgegenwirken, um den Patienten eine solide Grundversorgung sicherzustellen“, sagt Katharina Wilke vom Fachdienst Gesundheit. So absolvierten in 2018 sechs angehende Mediziner ihr allgemeinmedizinisches Blockpraktikum in Praxen in Willingen, Vöhl, Burgwald, Frankenau und Gemünden.

„Viele Studierende zieht es bei ihren Praktika in den unmittelbaren Umkreis der Universitätsstadt Marburg, da sich viele die Kosten, die mit einem Praktikum weiter weg verbunden sind, nicht leisten können“, weiß Wilke. „Um sie für ein Praktikum in Waldeck-Frankenberg und idealerweise den Landkreis als künftigen Arbeitsplatz zu begeistern, unterstützen wir sie bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz in unseren Lehrpraxen und bei den Reisekosten“, erläutert Projektkoordinatorin Katharina Kappelhoff die Förderung. Der Landkreis stellt jedes Jahr eine Pauschale für Blockpraktikanten ein. Für das nächste Jahr erwartet der Landkreis noch mehr Blockpraktikanten, da das Projekt erst in diesem Jahr angelaufen ist.

Darüber hinaus vergibt der Landkreis auch Stipendien und versucht so Nachwuchsmediziner nach dem Studium an den Landkreis zu binden. Das sieht Goretic jedoch kritisch. „Die finanzielle Unterstützung wäre schon schön. Andererseits möchte man sich auch gerade zum Start in den Beruf alle Möglichkeiten offen halten“, sagt sie. Viele Studenten seien sich am Ende ihres Studiums immer noch unsicher, auf welches Fachgebiet sie sich spezialisieren wollen. „Das liegt aber nicht zuletzt am Aufbau des Studiums“, sagt sie. Franziska Goretic ist derzeit im 9. Semester und steht somit kurz vor dem Abschluss ihres Studiums.

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