Landessportbund beleuchtet Situation der Unparteiischen

Der Landessportbund kritisiert bei seiner Veranstaltung die herrschenden Umgangsformen beim Sport. Häufig geraten Schiedsrichter in die Schussbahn.

Hessen. Anfeindungen, Beleidigungen und sogar körperliche Übergriffe auf Schiedsrichter, Kampfrichter und Wertungsrichter, die Wochenende für Wochenende auf Hessens Sportplätzen oder in Sporthallen Spiele leiten oder Vergleichskämpfe bewerten, nehmen in den letzten Jahren immer mehr zu.

Sie sind oft genug die Buhmänner der (Sport-)Nation. Grund genug für den Landessportbund Hessen in einer Veranstaltung unter dem Titel „(Kein) Respekt vor Schiedsrichtern?“ die Situation der Unparteiischen zu beleuchten. Gleichzeitig zeichneten Landessportbund-Präsident Dr. Rolf Müller, Vizepräsident Ralf-Rainer Klatt und der Sprecher der Hessischen Landesregierung, Staatssekretär Michael Bußer, 40 Unparteiische aus unterschiedlichen Sportarten für ihr Engagement aus. Darunter auch die Bad Arolser Volleyball-Schiedsrichterin Sarah Kotz.

„Sie wirken mit ihrem in der Regel ehrenamtlichen Tun nicht nur für den Sport, sondern weit über den Sport hinaus in die Gesellschaft hinein“, so Dr. Rolf Müller. Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer, Fußball-Legende Dieter Müller und der langjährige Bundesliga-Referee Lutz Wagner, allesamt Gäste der Veranstaltung, unterstrichen Dr. Müllers Feststellung. Wagner: „Respekt fängt im Vorfeld einer Begegnung an. Hier wie in der Gesellschaft gelten ungeschriebene Regeln. Das müssen wir wieder mehr pflegen.“

Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer vermutet einen Teil der Ursachen hierfür im Bereich der Eltern. „Respekt muss vorgelebt werden. Wenn Eltern es an Respekt vermissen lassen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Kinder die Rolle des Schiedsrichters auf dem Sportplatz nicht mehr akzeptieren“, so Nia Künzer. Während beispielsweise im Tanzen und Turnen die Unparteiischen weitestgehend außerhalb der Kritik stehen, haben sowohl Fußball als auch Handball Probleme, Schiedsrichternachwuchs zu finden.

Letztlich hängt ein Großteil der jungen Menschen, der trotzdem eine Schiedsrichterausbildung absolviert hat, nach spätestens zwei Jahren die Pfeife wieder an den Nagel. Der Grund: Massiv und heftig auftretende Eltern projizieren vom Spielfeldrand aus Erwartungen auf ihre Kinder. Werden die nicht erfüllt, liegt die Schuld vermeintlich beim Schiedsrichter. Schade, denn „sich an Spielregeln zu halten, den Mitspieler und Gegner zu respektieren und Fairness und Sportsgeist zu wahren, all das macht aus dem Wettkampf auf dem Platz erst einen echten sportlichen Wettbewerb“, so der Sprecher der Hessischen Landesregierung, Michael Bußer.

Sport vermittle Werte wie Disziplin, Fleiß, Durchhaltevermögen, Fair Play und Toleranz. Und so war es nachvollziehbar, dass Professor Dr. Heinz Zielinski, Vizepräsident des Landessportbundes, letztlich ein positives Fazit ziehen konnte. „Tausende sportliche Begegnungen laufen Woche für Woche problemlos und unter Einhaltung der Regeln und mit Respekt vor den Unparteiischen ab. Dass der organsierte Sport unabhängig davon das Seine tun muss, um mangelndem Respekt im Wettkampf entgegenzuwirken, steht dabei außer Frage.

Rubriklistenbild: © Foto: MEV

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