Landkreis ebnet Weg für Elektroautos in Waldeck-Frankenberg

Der Aufbau und Betrieb von E-Tankstellen sollte der Wirtschaft überlassen werden, raten Experten.
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Der Aufbau und Betrieb von E-Tankstellen sollte der Wirtschaft überlassen werden, raten Experten.

Das neue Elektromobilitätskonzept weist die besten Standorte aus für den Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur.

Waldeck-Frankenberg. 40 Milliarden Euro will die Automobilindustrie in Deutschland in den kommenden drei Jahren in die Entwicklung der Elektromobilität stecken. Das gab der Verbandspräsident Bernhard Mattes anlässlich der Eröffnung des Genfer Automobilsalons bekannt. Die Automobilbauer sind hierzulande getrieben vom Dieselskandal und ihrem größten Absatzmarkt in China. Dort stehen die Signale viel stärker auf Elektromobilität als in Deutschland. Staatliche Förderungen und Regelungen unterstützen massiv den Ausbau, um die smoggeplagten Metropolen in China wieder Luft holen zu lassen. In Deutschland lässt der Durchbruch bei der Mobilitätswende noch auf sich warten, wobei die Potenziale erheblich sind.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat dies längst erkannt und hat federführend für Nordhessen ein Elektromobilitätskonzept auf den Weg bringen lassen, das die Potenziale ermittelt und die Ausgangslage für die Landkreise und Kommunen bildet. „Wir wollen eine Vorbildfunktion einnehmen und den Menschen zeigen, dass es geht“, sagt Landrat Dr. Reinhard Kubat. Für ihn waren die Diskussionen während des Dieselgipfels zwischen Regierung und Automobilbauern eine Art Rückzugsgefecht, wo letzte Geschütze aufgefahren wurden. Jetzt müssten neue Wege eingeschlagen werden. „Ein Rückschritt wäre schädlich und töricht für die gesamte Menschheit“, so der Landrat.

Ein Schlüssel, um Elektroautos voranzubringen, ist, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zu schaffen. Entstanden ist im Konzept für Nordhessen eine interaktive Karte, die die besten Standorte für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur ermittelt. E-Tankstellen können somit an den neuralgischen Punkten entstehen und die Lücken ideal schließen. Allerdings empfehlen die Experten der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), sich von den „Bürgermeister-Gruß-Ladestationen“ zu verabschieden und der Wirtschaft die Investitionen und den Aufbau zu überlassen, ähnlich wie es bei herkömmlichen Tankstellen auch der Fall ist.

Aktuell gibt es im Landkreis Waldeck-Frankenberg 31 Ladesäulen (die meisten unter den Landkreisen Nordhessens). Bis 2020 sehen die Experten einen Bedarf von 77 Säulen im kreisgebiet. PwC rechnet mit rund 10.000 Fahrzeugen, die bis 2022 in Nordhessen fahren könnten. Das ist allerdings vom Ziel der Bundesregierung abgeleitet, die 2022 eine Million Elektroautos in Deutschland auf den Straßen anstrebt und dieses Ziel nach aktuellem Stand kaum erreichen wird. Die Skepsis überwiegt aktuell noch beim Endverbraucher, trotz steigender Reichweiten, die die Autos mittlerweile schaffen.

Davon kann sich auch Dr. Jürgen Römer nicht freisprechen, der für den Landkreis gemeinsam mit Tanja Müller das Elektromobilitätskonzept Nordhessen betreute: „Vielleicht ist es nur eine Brückentechnologie.“ Die Herstellung sei nachweislich nicht von einer lupenreinen Umweltbilanz geprägt, was im besonderen die Lithium-Gewinnung anbelangt. Außerdem seien sehr lange Laufzeiten nötig, um dem entgegenzuwirken. „Es ist nicht abzusehen, wohin die Reise geht.“ Auch die Brennstoffzelle könne Alternativen bieten. Allerdings verfügt der derzeit größte Omnibusbetrieb mit Brennstoffzellenbussen in Deutschland über gerade einmal acht Fahrzeuge, die mit Wasserstoff betrieben werden.

Es wird also noch einige Zeit brauchen. Der Landkreis hat jedenfalls den ersten Schritt getan. Die Automobilindustrie will folgen und 300 unterschiedliche Modelle in den nächsten Jahre anbieten.

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