Am Leben vorbei gebildet

Waldeck-Frankenberg. In Krze stehen fr viele junge Leute Schulabschlsse an. Die Entscheidungen ber weitere Bildungsgnge

Waldeck-Frankenberg. In Krze stehen fr viele junge Leute Schulabschlsse an. Die Entscheidungen ber weitere Bildungsgnge oder eine Berufsausbildung sind bei vielen gefallen, mssen von anderen in den nchsten Wochen getroffen werden.

Immer mehr Ausbildungsleiter beklagen indes, dass die Abschluss-zeugnisse fr sie nur noch begrenzte Aussagekraft besitzen. Sie schauen zwar auf die Noten der Hauptfcher, fhren mittlerweile aber eigene Aufnahmeprfungen durch.

Schlsselqualifikationen, wie Teamfhigkeit, Selbstndigkeit, Kommunikationskompetenz, Konfliktfhigkeit, Kreativitt oder Flexibilitt kommen in den Zeugnissen nicht vor und sind trotzdem im beruflichen Kontext mehr denn je gefragt.

Kopfnoten wie Flei und Ordnung gibt es nur in wenigen Bundeslndern. Bildungsexperten kritisieren, dass derartige Begriffe auch nur den Grad der Anpassungsfhigkeit eines Menschen beschreiben.

In die Kritik geraten ist die traditionelle und vorherrschende Unterrichtsmethode fragend entwickelnd. Die Inhalte sind dann zwar abfragbar, aber hufig nicht in ungewohnte Lebenssituationen bertragbar.

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland - jahrhundertelang reformfreudigstes Bildungsland nur noch einen Mittelplatz.

Eine starke Gruppe schwacher Schler fllt auf, die bei mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen deutlich hinterherhinken, die offensichtlich in ihren schulischen Leistungen ihre familire Herkunft widerspiegeln und bei der die Jungen zudem deutlich schlechter abschneiden. Ein Drittel aller deutschen Schler lernt nach der Grundschule bis zur neunten Klasse erwiesenermaen nicht mehr viel dazu, eine erschreckende Bilanz. In vielen Lndern sind die Ergebnisse deutlich besser, weil dort Lernen anders organisiert wird. Politiker und Kammern bestimmen hierzulande immer noch Lernorganisation und Inhalte. Nicht die Erkenntnisse von Bildungsexperten, Hirnforschern und Psychologen. Die Arbeitsteilung, bei der die Familie erzieht und die Schule bildet, funktioniert nicht mehr, so dass die Schule immer mehr Erziehungsaufgaben bernehmen muss. TOPAS, eine Initiative der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg und der Ausbildungsbetriebe der Region, hat den Bildungsexperten Dr. Peter Struck, (Bild) Professor fr Erziehungswissenschaft an der Universitt Hamburg eingeladen. Struck ist bekannt durch viele Bcher, Zeitungsartikel und Fernsehsendungen. Angesichts seiner deutlichen Kritik an Strukturen und Inhalten des traditionellen Schulsystems nennt Stuck 15 Gebote des Lernens, die Bildung und Erziehung am Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig verndern knnten:

Nur in der Ganztagessschule ist gengend Raum zum ben und Anwenden

Selbst lernen bringt mehr als Belehren

Kinder lernen besser durch Sprechen und Handeln als durch Zuhren

Andere Fehlerkultur: kleine Kinder lernen besser ohne Noten, ltere besser mit Noten

Partnerarbeit ist der Einzelarbeit und dem Lernen in Gruppen berlegen

Anderen etwas zu erklren, hilft beim eigenen Lernen

Kinder lernen mehr von Gleichaltrigen als von Erwachsenen

Kinder lernen erfolgreicher in jahrgangsbergreifenden Lernfamilien

Erst muss der Lehrer Respekt vor dem Kind haben, dann erhlt er Respekt von ihm zurck

ben und Anwenden muss ausgeweitet werden, das heit: Lehrplne ausdnnen

Lehrer als Lernberater und Coaches sind effizienter

Lehrerteams erreichen pdagogische Ziele besser

Gelassene Lehrer sind besser als gestresste

Kinder brauchen Resonanz

Portfolios, in denen ber Jahre Werke der Schler gesammelt werden, sind ergiebiger als Notenzeugnisse.

Strucks Konzepte lassen aber jeden mit der bangen Frage zurck, wann die fr unser Bildungssystem Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkennen und strukturelle und wirkungsvolle Reformen des Systems andenken, damit die nachfolgenden Generationen von wirklichkeitsnahen Konzepten der Bildungsexperten profitieren. Sonst bleibt Bildungserfolg in Deutschland weiter abhngig vom sozialen Hintergrund der Schler, ihrem Geschlecht, dem Engagement ihrer Lehrer oder der Lernkultur der jeweiligen Bildungseinrichtung und behlt im internationalen Vergleich weiterhin nur einen Platz im Mittelfeld. Andere Lnder sind bereits auf der berholspur.

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