Mehr Patientensicherheit im OP: Stadtkrankenhaus Korbach setzt auf simple Maßnahmen

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Blick in einen OP des Korbacher Stadtkrankenhauses. Der Patient liegt bei dieser Aufnahme verdeckt hinter den Personen im Vordergrund. das kleine Foto zeigt OP-Manager Ulrich von Hagen.

Jede zehnte Operation zieht Komplikationen nach sich. Bereits eine einfache Checkliste und das ständige gegenseitige Überprüfen innerhalb des Teams kann dem entgegenwirken.

Korbach - Die OP-Schere im Bauch vergessen, das falsche Knie operiert, eine schlimme Vorerkrankung übersehen – das sind die Meldungen, die bei vielen Patienten Horrorvorstellungen in Verbindung mit dem Krankenhausbesuch hervorrufen. Gerade zum gestrigen Tag der Patientensicherheit kochen solche Vorstellungen immer wieder hoch, weiß Uwe von Hagen, OP-Manager im Stadtkrankenhaus Korbach. Und ganz unbegründet scheinen die Gedanken nicht, immerhin sollen bei jedem zehnten Operierten dramatischen Komplikationen auftreten, von den rund zwei Millionen Patienten betroffen sein sollen.

Um diese Komplikationen von vorneherein gar nicht erst aufkommen zu lassen, bedient sich das Korbacher Krankenhaus eines Risikomanagements, das eigentlich aus Luft- und Raumfahrt bekannt ist und bei dem allerhöchste Qualitätsansprüche gelten. Als Basis dafür dient die von der Weltgesundheitsorganisation ausdrücklich empfohlene „Surgical Safety Checklist“. Sie wurde an die spezifischen Begebenheiten des Stadtkrankenhauses angepasst.

Ein Punkt beinhaltet dabei das Patientenarmband. Dieses wird jedem Patienten bei Operationen und Untersuchungen mit Narkose zur Identifikation angelegt. Verwechslungen, insbesondere auch bei nicht ansprechbaren oder verwirrten Patienten, werden so ausgeschlossen. Auf dem Armband stehen neben Vor- und Nachnamen auch das Geburtsdatum und die Station. Zusätzliche Sicherheit soll zudem das Markieren der Operationsstelle, noch während der Patient ansprechbar ist.

Unmittelbar vor der Operation kommt die Sicherheitscheckliste mit allen wichtigen Details zum Einsatz. „Die häufigsten Fehler bei sicherheitsrelevantem Verhalten im Operationssaal sind auf unzureichende Verständigung und Teamarbeit zurück zu führen“, erläutert von Hagen. „Operationen sind mittlerweile zu komplexen organisationstechnischen Vorgängen geworden. Mit dem eigentlich simplen Prinzip einer Checkliste verfolgen wir das Ziel, organisatorische und menschliche Fehler systematisch zu vermeiden“, so von Hagen.

Bevor der Chirurg den ersten Schnitt macht, ist die letzte Barriere beim Risikomanagement das sogenannte Team-Time-Out (TTO im OP): das gesamte OP-Team geht dabei noch einmal gemeinsam die Sicherheitscheckliste durch. Das circa 30 Sekunden dauernde TTO ist fester Bestandteil des OP-Ablaufs und gibt letztlich dem Operateur die Gewissheit, Fehlerquellen ausgeschlossen zu haben. Erst wenn alle abgefragten Informationen übereinstimmen und die Durchführung des TTO vom Anästhesisten in der Patientenakte bestätigt wurde, darf die Operation beginnen. Vor dem Ausschleusen aus dem OP-Saal erfolgt eine Überprüfung, ob zum Beispiel genauso viele Instrumente und Tücher vorhanden sind wie vor dem Eingriff.

„Im Grunde genommen fragen wir damit Selbstverständlichkeiten ab“, weiß von Hagen. „Und doch hilft das Abhaken jedes Punktes dabei, menschliche Fehler, beispielsweise durch Kommunikationslücken, zu vermeiden. Mit der Checkliste haben wir eine systematische Kontrolle, die nicht viel Zeit kostet und dem Patienten mehr Sicherheit verschafft.“ Dies bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation: Krankenhäuser aus acht Ländern hatten 2007 und 2008 an einer Studie teilgenommen. Sowohl die Zahl der Todesfälle als auch die Komplikationsrate konnten durch die Checklisten deutlich gesenkt werden.

„Diese erhöhte Sicherheit wollen wir allen Patienten im Stadtkrankenhaus Korbach bieten“, sagt von Hagen. Die Einführung der OP-Checklisten an Krankenhäusern sei bislang freiwillig. Am Stadtkrankenhaus sind die Sicherheitschecklisten vor jeder OP längst Normalität. Jährlich werden in den vier Operationssälen rund 5.200 ambulante und stationäre Operationen durchgeführt

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