Mehr Schutz vor Armut

Region. In Deutschland sind Erwerbslose viel häufiger von Armut bedroht als in sämtlichen anderen Ländern Europas. Nach den von der europäischen S

Region. In Deutschland sind Erwerbslose viel häufiger von Armut bedroht als in sämtlichen anderen Ländern Europas. Nach den von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichten Zahlen sind hierzulande 70 Prozent der Erwerbslosen arm. EU-weit liegt die Quote sehr viel niedriger, nämlich bei 45 Prozent."Die Bundesregierung verweist aktuell auf den höchsten Beschäftigungsstandes seit der Wiedervereinigung. Das nutzt den drei Millionen Arbeitslosen allerdings wenig. Für die allermeisten von ihnen bedeutet Arbeitslosigkeit nämlich ein Leben an oder unter der Armutsgrenze. Das ist ganz klar ein Zeichen verfehlter Sozialpolitik", bewertet Gerd Häuser, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., die Eurostat-Zahlen. Die Arbeitslosenversicherung trifft auf immer weniger Betroffenen zu, weil die Anspruchsvoraussetzungen immer schwieriger zu erreichen und die Bezugsdauer überdies verkürzt wurden.

"Was nützt eine Pflichtversicherung, wenn im Falle der Arbeitslosigkeit große Teile der Betroffenen von der Unterstützung ausgeschlossen sind und sie sofort auf HartzIV angewiesen sind?", fragt Gerd Häuser und fordert: "Die Arbeitslosenversicherung muss grundsätzlich reformiert, um vor Armut zu schützen." Wer viele Jahre oder Jahrzehnte mit seinen Beiträgen andere unterstützt hat, der müsse auch länger als ein Jahr Anspruch auf Leistungen der Solidargemeinschaft haben, so Gerd Häuser. Um vor Armut zu schützen, müsse das Mindestarbeitslosengeld deshalb deutlich über dem HartzIV-Regelsatz liegen.

Aus Sicht des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. hat die Politik für viele soziale Probleme noch keine grundsätzliche Lösung gefunden: "Ob Altersarmut, die große Zahl lediglich befristeter oder prekärer Beschäftigungsverhältnisse oder der hohe Anteil der Alleinerziehenden unter den von Armut Betroffenen. Eine Strategie zur Bekämpfung der Armut in Deutschland scheint es nicht zu geben – und das obwohl mit zwölf Millionen so viele Menschen wie nie arm sind. Das muss sich dringend ändern!", forderte Gerd Häuser.

Die Tafeln erleichtern mit Lebensmittelspenden rund 1,5 Millionen bedürftigen Menschen den Alltag. "Wichtiger wäre es aber, dass sie erst gar nicht in diese Lage kommen", macht Gerd Häuser klar. "Wir brauchen armutsfeste Regelungen bei den sozialen Hilfen, eine Bildungsoffensive für benachteiligte Kinder, die diesen Namen auch verdient sowie Korrekturen im Rentensystem."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Leserfoto zur Hummelzeit und dem passenden Gedicht

Unser Leser Wolfgang Sonntag hofft, „dass es jetzt mit dem Wetter aufwärts geht und die „Hummelzeit“ kommt. Ihm ist dieser Schnappschuss in der Nähe von Korbach gelungen.
Leserfoto zur Hummelzeit und dem passenden Gedicht

Nintendo und tonies-Figuren im Angebot der Stadtbücherei in Korbach

Die Stadtbücherei Korbach hat zwei neue Angebote für Kinder: tonies-Figuren und -Boxen sowie Spiele für die Nintendo Switch Konsole.
Nintendo und tonies-Figuren im Angebot der Stadtbücherei in Korbach

Preis für Denkmalschutz 2019: Jetzt bewerben!

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg verleiht zur Förderung besonderen beispielhaften Engagements für Denkmalschutz, Kultur, Natur und Soziales jeweils einen Preis.
Preis für Denkmalschutz 2019: Jetzt bewerben!

Wenn Frankenbergs Bürgermeister sein Wette verliert wird er Kindergärtner

Der Rathauschef Rüdiger Heß wettet, dass sich am 28. April 2019 in Frankenberg mindestens 775 Old- und Youngtimer versammeln – passend zum 775-jährigen Stadtjubiläum. …
Wenn Frankenbergs Bürgermeister sein Wette verliert wird er Kindergärtner

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.