Mehr Spaß als Ananas: Der Cowboy bleibt in der Mottenkiste

Kassel. Zwischen Afro-Perücken, Gummiohren und braunen Plastikkackwürsten steht Dirk Vogel und telefoniert.  Anderthalb Wochen sind es noch bis W

Kassel. Zwischen Afro-Perücken, Gummiohren und braunen Plastikkackwürsten steht Dirk Vogel und telefoniert.  Anderthalb Wochen sind es noch bis Weiberfastnacht. Für den Inhaber des Kasseler Kostümverleihs "Ziege & Harjes" die heißeste Phase des Jahres.  Dirk Vogel nimmt’s gelassen. "Jetzt macht’s am meisten Spaß", sagt er und zieht ein gelb-gestreiftes Willy-Bienen-Kostüm aus der Plastikfolie.

70er Jahre-Look ist der Renner

Für den Ansturm der Karnevalisten ist das Fachgeschäft bestens gerüstet. Ob Popeye- oder Elvis-Anzug,  sexy Matrosenkleidchen, Herrendirndl, Hühner- oder Teufelsmontur: An den Kleiderstangen warten hunderte Kostüme auf ihren großen Auftritt. Je nach Wunsch können die gekauft oder für 25 Euro pro Tag gemietet werden. Der Renner in diesem Jahr: Bunte 70er Jahre-Outfits, Grafen und Pirat Captain Jack Sparrow, bekannt aus dem Kinofilm "Fluch der Karibik". Cowboy und Indianer sind dagegen eher ein Fall für die Mottenkiste. "Da stehen nicht mal mehr die Kinder drauf", erzählt Dirk Vogel.  Seine Erklärung: Was nicht mehr in Fernsehen und Kino kommt, ist  eben uninteressant.  Nur Comichelden wie Batman, Popeye oder Superman trotzen jedem Trend. "Die  gehen immer", sagt Dirk Vogel.

Mittelalter-Kostüm für Anfänger

Um unschlüssige Kunden kümmert sich Mitarbeiterin Astrid Bischoff. Geduldig hilft sie bei der Auswahl des perfekten Kostüms, sucht die passenden Accessoires zusammen.  Nie würde sie einen Karnevalsneuling in ein schrilles Hippiekostüm stecken, sagt sie. "Der Kunde soll sich ja wohlfühlen". Anfängern empfiehlt  Astrid Bischoff den Mittelalter-Look. "Das ist nicht ganz so auffällig und trotzdem hübsch."

Sie erzählt von einer Gruppe junger Frauen, die nach Kostümen für den Düsseldorfer Karneval gesucht haben. Am Ende entschieden sich die Damen für die Variante "Obstkorb" und feiern als Zitrone, Erdbeere, Ananas und Apfel. Auch Tierkostüme werden für den Straßenkarneval gerne ausgeliehen. "Die sind schön warm”, erzählt Astrid Bischoff und holt ein Schimpansen-Kostüm aus einer Kiste. Das ist allerdings  unten geöffnet – denn sogenannte "Vollköpfe" gehen kaum noch.  "Da können die Leute nix essen und trinken. Das ist unpraktisch", weiß Astrid Bischoff, die selbst eingefleichte Karnevalistin ist.

500 Euro für Hutmacher-Kostüm

In einem Hinterraum hängen die reservierten Kostüme, auf  Karteikarten stehen die  Namen der Kunden. Besondere Kostüme wie den Hutmacher aus "Alice im Wunderland" gibt es nur einmal im Verleih. "Der Kunde soll ja seinen besonderen Auftritt haben", sagt Dirk Vogel und zeigt das 500 Euro teure Kostüm. Umso schöner sei es, wenn die Kunden später Fotos mitbringen oder sogar einen Preis für ihre Kostümierung gewonnen haben. "Dann ist man stolz", sagt Astrid Bischoff.

Für sie heißt es dann erstmal waschen und auch mal einen Knopf annähen, wenn besonders wild gefeiert wurde.  In einem normalen Bekleidungsladen zu arbeiten ist für die eingefleischte Karnevalistin genauso undenkbar wie für ihren Chef Dirk Vogel. "Die Leute, die zu uns kommen, wollen Spaß. Wir geben ihnen das, was sie brauchen, um für ein paar Stunden in eine bunte Welt abzutauchen".

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