Nachbarn in Uniform: Bad Wildungen richtet Freiwilligen Polizeidienst wieder ein

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Die Verträge für den Freiwilligen Polizeidienst wurden am 27. August 2018 unterschrieben. Sitzend von links: Frank Börner (Bürgermeister Gudensberg), Volker Zimmermann (Bürgermeister Bad Wildungen), Staatssekretär Werner Koch, Hartmut Spogat (Bürgermeister Fritzlar).Stehend von links: Günter Hempel (1. Stadtrat Gudensberg), Hartmut Otto (1. Stadtrat Bad Wildungen), Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg, Claus Reich (1. Stadtrat Fritzlar)

Die Verträge sind unterzeichnet. Zukünftig werden in Bad Wildungen wieder acht Polizeihelfer auf Streife gehen. Sie sollen für mehr Sicherheit und eine Entlastung der Vollzugspolizei sorgen.

Bad Wildungen - Ein zentrales Bedürfnis des Menschen ist Sicherheit. Fühlen wir uns sicher, so steigt auch die Lebensqualität, da ist sich Eberhard Möller, Polizeivizepräsident des Polizeipräsidiums Nordhessen, sicher. Das sehen auch die Vertreter der Städte Bad Wildungen, Fritzlar und Gudensberg so und führen daher einen Freiwilligen Polizeidienst ein. Die Verträge dazu wurden nun in Bad Wildungen unterzeichnet.

Jeweils acht Polizeihelferinnen und –helfer werden zukünftig in Bad Wildungen und Fritzlar auf Streife gehen, in Gudensberg werden es vier sein. „Es muss nicht immer viel passieren. Meist reichen Lärm, alkoholisierte Menschen oder dunkle Ecken bereits aus, um bei Bürgern ein unbehagliches Gefühl auszulösen“, weiß Staatssekretär Werner Koch. Zwar sei der Freiwillige Polizeidienst zunächst auch von der Vollzugspolizei strittig gesehen worden, aber diese Stimmung habe sich schnell gewandelt, sagt Koch. „Es ist ein absolutes Erfolgsmodell“, versichert der Staatssekretär.

Dem stimmte Eberhard Möller zu. „Der Freiwillige Polizeidienst ist eine Ergänzung zur Vollzugspolizei“, erklärt der Polizeivizepräsident. Er ist das Bindeglied zwischen Kommunen, Bürgern und Polizei. Die Helferinnen und Helfer haben laut Möller Auge und Ohr immer an den Mitbürgern und erfahren früher von öffentlichen Unordnungen. Mit guten Informationen können sie die Polizeiarbeit unterstützen. Immerhin lebe die diese von Hinweisen aus der Bevölkerung. Auch übernimmt der Freiwillige Polizeidienst Präventionsarbeit und Sozialarbeit. Sie sind Ansprechpartner in den Städten, aber auch an Schulen und Kindergärten. „Das Sicherheitsgefühl wird bestimmt durch die subjektive Wahrnehmung, nicht durch Kriminalstatistiken. Präsenz ist für die Bürgerinnen und Bürger ganz wichtig“, erklärt Möller. Staatssekretär spricht von den „Nachbarn in Uniform“.

Bereits im Jahr 2000 wurde der Freiwillige Polizeidienst in Hessen eingeführt. Derzeit beteiligen sich rund 400 aktive Polizeihelfer in 90 Kommunen an dem Modell. Das Land Hessen kommt für die Ausrüstung und Ausstattung der freiwilligen Polizeihelferinnen und Polizeihelfer auf. Die Kosten für die Aufwandsentschädigung, die die Helferinnen und Helfer erhalten, tragen die jeweiligen Städte und Gemeinden. Für Bad Wildungens scheidenden Bürgermeister Volker Zimmermann ist die Neueinführung des Freiwilligen Polizeidienstes eine „Herzensangelegenheit“.

„Ich freue mich, dass ich in meiner letzten Amtswoche als Bürgermeister den Vertrag unterzeichnen darf“, sagt er. In Bad Wildungen gab es bereits bis 2011 einen Freiwilligen Polizeidienst, der von zehn Helfern ausgeführt wurde. Der Magistrat hat sich dann jedoch dagegen ausgesprochen, obwohl die Kosten von 18.500 auf 12.500 Euro gesenkt werden sollten. Der neu eingerichtete Freiwillige Polizeidienst wird vom Land in jeder Kommune mit 25.000 Euro gefördert. 12.000 Euro kommen in Bad Wildungen zusätzlich von der Stadt.

Die Befugnisse sind dabei strikt vorgegeben. So dürfen die Freiwilligen Polizeihelferinnen und –helfer Identitäten feststellen, auch per Durchsuchung der Personen, Platzverweise aussprechen, den Verkehr regeln und nach dem Jedermann-Festnahmerecht handeln, also Personen festhalten bis zum Eintreffen der Polizei. Außerdem sind sie mit Pfefferspray ausgerüstet. „Das sollen keine Draufgänger sein“, erklärt Staatssekretär Koch. Er begrüßt das große Interesse, das sich anhand der Bewerbungen zeigt.

Bewerbungen für den Freiwilligen Polizeidienst in Bad Wildungen können schriftlich an die Polizeistation Bad Wildungen, Giflitzer Str. 17 in 34537 Bad Wildungen, gesendet werden. Ansprechpartner für weitere Informationen sind Hartmut Ide, Polizeistation Bad Wildungen, Tel.: 05621-70900 und Martin Segeler, Stadt Bad Wildungen, Tel.: 05621-7010.

Bewerber sollten mindestens 18 und maximal 65 Jahre alt sein, die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen, einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können, die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen und von der Gesamtpersönlichkeit geeignet erscheinen. Bewerber sollten jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten und nicht zu einer Freiheits- oder Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen verurteilt worden sein.

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