Nazi-Akten im Dom-Archiv

Von JOCHEN SCHNEIDER Fritzlar. Kurz vor Ostern 1945: US-Streitkrfte stehen vor den Toren Fritzlars und ein rtlicher NSDAP-Ober

Von JOCHEN SCHNEIDER

Fritzlar. Kurz vor Ostern 1945: US-Streitkrfte stehen vor den Toren Fritzlars und ein rtlicher NSDAP-Obererklopft an die Pforte des Doms. In der Hand hat er Gauleiter-Akten der NSDAP-Fritzlar-Homberg. Die Tr schliet sich und ber Jahrzehnte wird von der bergabe nichts nach drauen dringen. Bis ein nicht-geistlicher Zeitzeuge (Name der Redaktion bekannt) sein Schweigen bricht und sich Pfarrer i.R. Paulgerhard Lohmann anvertraut. Der Wahl-Fritzlarer und Forscher in Sachen Judenverfolgung bittet darauf hin beim Praemonstratenser-Orden um Einsicht in das brisante Aktenmaterial. Zunchst wird bestritten, dann eingerumt und schlielich abgelehnt. Und Ende 2007 gehen die Dokumente auf die Reise Richtung Fulda. Dort hlt es nun das bischfliche Archiv strikt unter Verschluss. Und das, obwohl der streitbare Protestant Lohmann er bekam erst am Freitag fr seine unerschrockenen Bemhungen fr eine Ausshnung mit den Holocaust-berlebenden das Bundesverdienstkreuz verliehen versichert, es gehe ihm nicht um die Tter, sondern um Opfer und deren Wohltter. Er sagt: In den alten Akten sind sicherlich NSDAP-Mitglieder vermerkt, die verbotender Weise Kontakte zu Juden unterhielten, ihnen halfen. Lohmann sagt unserer Zeitung auch, der Papst habe 2005, als 60 Jahre seit dem Krieg verstrichen waren, die Freigabe zur ffnung aller NS-Archive in Kirchenbesitz erteilt. Und bereits in den 80-ern seien in Deutschland Archivare aufgefordert gewesen, Aktendeckel fr Dokumentationen zu ffnen. Informationen ber Fritzlar bleiben indes unter Verschluss. Und die Kirche mauert. Begrndung: Es gibt Alt-Fritzlarer, die eine Scham haben, warum ihre Vorfahren der Partei beigetreten sind, keine Farbe bekannt haben, nicht zu den Wohlttern zhlen etc... Die will Paulgerhard Lohmann berhaupt nicht an den Pranger stellen. Seine Frau Charlotte sagt Folgendes dazu: Die berlebenden von Konzentrationslagern und Zwangsarbeit leiden noch heute psychisch unter den Folgen ihrer Misshandlungen. Sie knnen das nicht vergessen. Deshalb sollten auch wir nicht vergessen.

Mittlerweile hat sich das Bistum Fulda geuert

Das Bistums-Archiv hat Paulgerhard Lohmann keinerlei Einblick in die NSDAP-Akten gewhrt, ihm aber Auszge aus den selben zugesandt. Der Praemonstratenser-Orden sei erst seit 1989 in Fritzlar ansssig. Der Geistliche, der die Akten kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs entgegen nahm, war demnach kein Praemonstratenser, sondern Mitglied der damaligen katholischen Gemeinde Fritzlars. Es handele sich bei den Akten nicht, wie aus dem Schriftverkehr mit Lohmann hervorgegangen, um Gauleiter-Akten, sondern um die Akten der NSDAP-Ortsgruppe Fritzlar.

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