Neue Caldener Flughafenchefin erwartet Holperstart

Kassel. Am Flughafen hat eine neue Geschäftsführerin ihren Job angetreten. Maria Muller soll anfangs als Luftfahrt- und Vertriebsexpertin das Team

Kassel. Am Flughafen hat eine neue Geschäftsführerin ihren Job angetreten. Maria Muller soll anfangs als Luftfahrt- und Vertriebsexpertin das Team unterstützen, am 1. April 2013 wird sie die Geschäftsführung von Jörg Riess übernehmen.

Kampfname "Ice"

Maria "Ice" (dts: Eis) Muller hat ihren Kampfnamen nicht zu Unrecht. Als ehrlich und gradlinig charakterisiert sie sich selbst. Dass man die zierliche Blondine nicht unterschätzen sollte, hat auch ein Fluglotse erfahren müssen, der sich mit ihr angelegt und ihr anschließend den Kampfnamen Ice verpasst hatte. "Ich war im Stress und habe ihn wohl etwas abgekanzelt", lacht Maria Muller. Zu lachen wird sie anfangs in Kassel-Calden wohl nicht viel haben. "Ich habe mich innerlich auf eine stressige Startphase eingestellt", zeigt sie sich realistisch. "Es nervt aber, dass ich jetzt schon immer gefragt werde, wann wir denn schwarze Zahlen schreiben werden. Das wird noch einige Zeit dauern. Schließlich müssen wir hier alles neu aufbauen. Da ist es doppelt wichtig, dass ich das Vertrauen der Gesellschafter habe."

Dieses Vertrauen war es auch, dass sie von Rostock nach Nordhessen gelockt hatte. "Ich hätte dort verlängern können, hatte den Vertrag schon auf dem Tisch", schildert sie die Situation an der Ostsee. "Ich habe mich dann aber über Weihnachten gemogelt, mir Nordhessen genau angeschaut und mit den Gesellschaftern gesprochen." Dann war für Maria Muller klar: "Der Flughafen liegt optimal. Die Region ist wohlhabend und braucht als wichtiger Industriestandort einen Flughafen."

"Luftverkehr befindet sich in einer schwierigen Phase"

Umgezogen ist sie schon, wohnt in einer ruhigen Straße in Bad Wilhelmshöhe. "Dort bin ich wohl die einzige, die noch morgens um sechs Uhr aufstehen muss. Ich ziehe immer ganz leise die Rollos hoch, um die Nachbarn nicht zu wecken." Dann gehts zum Flughafen.

"Unser Team arbeitet bis zum Umfallen. Ich will ihnen so schnell wie möglich helfen, aber zaubern können wir nicht", blickt sie nüchtern und sachlich nach vorn. "Im Moment ist der Luftverkehr in einer schwierigen Phase. Steigende Kerosinpreise und Streiks wie jetzt bei der Lufthansa haben dafür gesorgt, dass allen Fluglinien das Wasser bis zum Hals steht. Keine einfache Situation für uns."

Doch Maria Muller ist optimistisch.  Die ersten Flüge stehen nicht nur auf dem Programm, sondern sind auch schon ausgebucht. Viele weitere sollen folgen. Doch 2013 wird Kassel-Calden tiefrote Zahlen schreiben: "2013 wird holprig werden. Im ersten Vierteljahr werden wir bei voller Besetzung keine Einnahmen haben. Aber das ist völlig normal. In München hat der Flughafen erst nach zwanzig Jahren schwarze Zahlen geschrieben. So lange wird das heier nicht dauern. Aber Geduld und langen Atem müssen wir mitbringen."

Maria Muller bringt mehr mit. In der Luftfahrtbranche hat sie sich als Vollblutdienstleisterin einen hervorragenden Ruf hart erarbeitet. "Wenn ich etwas zusage, setze ich das auch um. Dafür habe ich genügend Rückgrat", schildert sie ihre Durchsetzungsfähigkeit, die ihre Kunden immer überzeugt hat.Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer freut sich insbesondere über ihre außerordentlichen Qualifikationen in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Am Flughafen Frankfurt-Hahn war sie als Direktorin maßgeblich für die Steigerung der Passagierzahlen zuständig.

In Rostock gelang ihr als Geschäftsführerin des Flughafens der Coup, die Pilotenausbildung der Lufthansa anzusiedeln.  "Natürlich wäre es bequemer gewesen, in Rostock zu verlängern und dort die erfolgreiche Arbeit fortzuführen", ist sie ganz offen. "Aber die Arbeit in Kassel hat mich gelockt. Leicht wird es nicht. Gelingt es uns aber,  nur eine größere Firma an den Flughafen zu locken, haben wir schon gewonnen. Und mit uns das Umland. Von einem boomenden Flughafen profitiert die ganze Region. Und insbesondere Calden."

Zur Person

Maria Anna Muller (53) hat mehr als dreißig Jahre Erfahrung bei Fluglinien und Flughäfen. Vor ihrer Tätigkeit am Flughafen Rostock arbeitete sie bei namhaften Fluglinien in Frankfurt. Von 1998 bis 2007 war sie Direktorin für Vertrieb und Vermarktung am Flughafen Frankfurt-Hahn und dort für den deutlichen Passagierzuwachs verantwortlich.

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