Norbert Panek fordert Ökokonzept für Domanialwald

Eine geräumte Waldfläche beim „Klimmskreuz“ im Rhoder Forst.
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Eine geräumte Waldfläche beim „Klimmskreuz“ im Rhoder Forst.

Norbert Panek setzt sich dafür ein, dass die Bewirtschaftung des Waldeckischen Domanialwaldes zukünftig konsequent ökologisch ausgerichtet wird. Ein Vorschlagspapier hat er dazu bereits an Landrat Dr. Reinhard Kubat übergeben.

Waldeck-Frankenberg. Norbert Panek setzt sich dafür ein, dass die Bewirtschaftung des Waldeckischen Domanialwaldes zukünftig konsequent ökologisch ausgerichtet wird. Ein Vorschlagspapier hat er dazu bereits an Landrat Dr. Reinhard Kubat übergeben.

Die aktuelle Situation der Wälder in Waldeck-Frankenberg sei besorgniserregend, so Panek. Das aktuelle Krisenmanagement der Forstwirtschaft biete jedoch über das Räumen von Schadflächen und stereotype Aufforsten mit vermeintlich „klimatoleranten“ Baumarten hinaus kaum adäquate Konzepte, um der Krisensituation ökologisch zu begegnen. An Stelle teurem Aktionismus wäre jetzt, so Panek, eine kritische Fehleranalyse des eigenen Wirkens angesagt. Er fordert eine konsequente Abkehr von der auch in Waldeck-Frankenberg verbreiteten Plantagen-Forstwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als „Holzfabrik“ behandelt. Die derzeitige Krise solle als Chance genutzt werden.

In Paneks Fokus steht vor allem der Waldeckische Domanialwald, der als Sondervermögen des Landkreises bewirtschaftet wird und eine Fläche von rund 18.900 Hektar umfasst. Fast 50 Prozent der Waldfläche bestünden dort aus naturraumfremden Nadelhölzern, hauptsächlich Fichte. Nach Angaben der Domanialverwaltung sei das Wirtschaftsziel eine „ökologisch orientierte, multifunktionale und naturnahe Waldbewirtschaftung“, doch die Wirklichkeit sehe anders aus. Um die durch Sturmwurf, Dürre und Borkenkäfer entstandenen Schäden zu beseitigen, verfolgt die Domanialverwaltung offensichtlich weiterhin die Strategie, die Schadensflächen nach dem Prinzip einer „sauberen Forstwirtschaft“ großflächig zu räumen und wieder aufzuforsten, und zwar im Rahmen eines sogenannten klimaangepassten“ Waldumbaus unter Verwendung auch fremdländischer Baumarten.

Große zusammenhängende Räumungsflächen in der Größenordnung von mindestens 135 Hektar befinden sich im Domanialwald beispielsweise im Bereich Rhoder Forst „Rhoder Hude“), so Panek. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich um ehemalige Fichtenkulturen. Durch Räumung werden diesen Flächen erhebliche Mengen an Holzbiomasse entzogen. Die Befahrung verursacht erhebliche Bodenschädigungen, die eine natürliche Regeneration der Flächen erschweren. Die geräumten Flächen sind zudem ungeschützt einer verstärkten Sonneneinstrahlung und damit einer weiter zunehmenden Austrocknung ausgesetzt. Über die ökologischen und landschaftsklimatischen Folgen dieser Flächenbehandlung werde öffentlich kaum geredet.

Panek fordert: „Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Domanialwald, - keinen hektischen Waldumbau, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können. Wir brauchen eine ökosystembezogene Waldwirtschaft, die nicht weniger rentabel ist als die bisherige, dafür aber wesentlich risikoärmer und widerstandsfähiger gegen absehbare Umweltveränderungen.“

Neben den berechtigten forstökonomischen Überlegungen ginge es jetzt vor allem darum, die „Funktionstüchtigkeit unserer Waldökosysteme zu erhalten und zu stärken.“ Dabei müsse, so Panek, alles vermieden werden, was zu einer weiteren Schwächung des Ökosystems beitragen könnte.

So schlägt Panek vor, auf die maschinelle Räumung der Kalamitätsflächen teilweise oder vollständig zu verzichten und ausnahmslos die Wiederbegründung durch natürliche Waldentwicklung Sukzession) mit Pionierbaumarten zuzulassen. Bei größeren Kahlflächen könnte mit der Pflanzung geeigneter, heimischer Laubholzarten nachgesteuert werden, um gleichzeitig aber auch der Entwicklung von Pioniergehölzen ausreichend Raum zu lassen. Für die weitere Entwicklung des Domanialwaldes sei eine waldökologische Bestandaufnahme sowie ein Monitoring unabdingbar. In bestehenden Forstbeständen sollten Durchforstungen minimiert und die Holzvorräte durch eine gezielte Entwicklung hin zu alten Bäumen aufgebaut werden. Zudem sollten Schirmschläge, die die Austrocknung der Wälder befördern, unterbunden werden. Mittel- bis langfristig wäre eine gezielte Auflösung der Altersklassenbestände durch plenterwaldartige Holznutzung anzustreben. Die Schalenwilddichten sind drastisch zu reduzieren. Bodenschädliche Schwersttechnik wäre zu verbieten. Panek fordert zudem, auf mindestens zehn Prozent der Domanialwaldfläche natürliche Waldentwicklungsprozesse mit hohen Totholzanteilen zuzulassen.

Das skizzierte Vorgehen erfordere ambitionierte Entscheidungen der politischen Gremien des Landkreises. Die sich zuspitzende Forst-Klima-Krise mache ein radikales Umdenken in der herkömmlichen Forstpraxis aber zwingend erforderlich.

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