Rechts den Rücken kehren: Mit IKARus soll der Ausstieg aus der Szene gelingen

Rechtsextremismus wird in Deutschland zu einem immer größeren Problem. Die Hessische Polizei will dem Problem mit dem Aussteigerprogramm IKARus entgegenwirken.

Hessen - Wer in den vergangenen Wochen die Nachrichten verfolgt hat, dem sind die Bilder aus Chemnitz und Köthen sicherlich noch vor Augen. Rechtsextreme versammeln sich, veranstalten Kundgebungen, marschieren gemeinsam und scheuen sich teilweise nicht einmal, mit verfassungswidrigen Aussagen oder Gesten in die Öffentlichkeit zu treten.

Gerade erst hat der Tagesspiegel ein Rechercheergebnis veröffentlicht, wonach es seit 1990 in Deutschland 169 Todesopfer durch rechte Gewalt gegeben hat. Das sind mehr als doppelt so viele Opfer, wie aus der offiziellen Statistik des Bundesinnenministeriums hervorgehen (83 Tote). Laut dem Jahresbericht des Bundesverfassungsschutzes gibt es bundesweit 12.700 gewaltbereite Rechtsextremisten, rund 3.000 mehr als noch in 2012.

Ein großes Problem ist dabei die sehr gute Vernetzung, die es zwischen den verschiedenen Gruppierungen gibt. Diese funktioniert vor allem über die sozialen Netzwerke sehr gut. Ein Problem ist aber auch, dass Anhänger der Szene nur sehr schwer wieder aussteigen können, weiß das Landeskriminalamt Hessen. Deshalb hat die hessische Polizei das Aussteigerprogramm IKARus (Informations- und Kompetenzzentrum Ausstiegshilfen Rechtsextremismus) ins Leben gerufen. Es soll den Ausstieg erleichtern.

Das grundsätzliche Angebot reicht von ersten Informationen über eine grundlegende Aufklärung bis hin zu konkreter Unterstützung der Ausstiegswilligen. Um eine niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit zum IKARus-Team zu schaffen, hat sich das Hessische Landeskriminalamt nun entschieden, ab sofort zusätzlich auch im sozialen Netzwerk Facebook präsent zu sein. Über die Facebook-Präsenz erhofft man sich eine Steigerung des Bekanntheitsgrades von IKARus und eine daraus resultierende Erhöhung der Anzahl Ausstiegswilliger. Zudem sollen szeneimmanente Vorbehalte gegenüber Aussteigerprogrammen entkräftet werden, indem arbeitsweiseoffen kommuniziert werden.

Die Seite von IKARus ist auf Facebook über "IKARus Hessen - Aussteigerprogramm Rechtsextremismus" zu erreichen. Interessierte können das IKARus-Team persönlich über die Nachrichten-Funktion kontaktieren. Die bislang mögliche Kontaktaufnahme über die IKARus-Hotline (Tel. 0611/835757) und Homepage (www.ikarus-hessen.de) bleibt weiterhin bestehen.

Rubriklistenbild: © Foto: www.polizei-beratung.de

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