Resolution gegen geplante Schließung von Institutsambulanz

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Korbach. Die geplante Schließung der Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Korbach stößt auf Widerstand, nicht nur bei Betroffen

Korbach. Die geplante Schließung der Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Korbach stößt auf Widerstand, nicht nur bei Betroffenen und in der Bevölkerung.  In der Stadtverordnetenversammlung am 28.09. wurde einstimmig eine Resolution verabschiedet und in einem Brief an die kassenärztliche Vereinigung Hessen weitergeleitet. Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Kinder- und Jugendpsychiatrische Zweigpraxis in Korbach ist eine wichtige Einrichtung zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung in unserer Stadt und dem Umland. Deshalb bedauern wir die geplante Schließung der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Institutsambulanz in Korbach zum Ende des Jahres 2011.

Die Schließung der Zweigpraxis würde eine erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche in Korbach und dem gesamten Landkreis Waldeck-Frankenberg bedeuten. Bereits jetzt übersteigt der aktuelle Bedarf an einer professio nellen Betreuung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher das Angebot um ein Vielfaches. Eine Schließung der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Institutsambulanz würde die Situation noch verschärfen.

Die Problematik wurde bereits auf der Tagung der Landeskonferenz der hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung am 24. August 2011 in Frankfurt thematisiert. Auch dortwurde aufgrund aktueller Untersuchungen klar, dass die zeitnahe Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychotraumatischen Problemen dringend notwendig, jedoch bereits jetzt nicht flächendeckend und nur unzureichend angeboten werden kann. In den allermeisten Fällen ist es jedoch dringend notwendig Kinder, Jugendliche und deren Eltern zu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Hilfe muss besonders bei Kindern und Jugendlichen zeitnah erfolgen, damit nicht Chronifizierungen der Störungs- und Krankheitsbilder entstehen, deren Folgen eine zusätzliche Belastung für die Betroffenen und natürlich auch deren Familien darstellen und nicht zuletzt zu Kostensteigerungen für die Allgemeinheit führen.

Gesundheitsressourcen stärken, Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung positiver Selbstkonzepte unterstützen und Lebenskompetenz sowie Resilienz aufzubauen sind die Aufgaben der Gesellschaft und insbesondere des Gesundheitssystems. Die Entscheidung zur Schließung der Institutsambulanz in Korbach leistet keinen Beitrag zu dieser Aufgabe, sondern verschlechtert die Situation für die erkrankten Kinder und Jugendlichen extrem.

In unserem flächengroßen Landkreis Waldeck-Frankenberg ist ein zentrales und wohnortnahes Angebot wichtig und unabdingbar. Lange und oft sehr weite Fahrten können sich viele Eltern aus Zeit- und Kostengründen nicht leisten. Erkrankte Kinder und Jugendliche sind jedoch davon abhängig, dass ihre Eltern sie zur Therapie fahren. Hinzu kommt eine problematische Erreichbarkeit entfernter Therapieeinrichtungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Institutsambulanz in Korbach hat in den vergangenen zehn Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Die Zusammenarbeit mit unseren Schulen und Kindertagesstätten muss als ausgezeichnet angesehen werden. Die anfänglichen Ängste betroffener Eltern konnten sehr schnell abgebaut werden. Kurzum, die Korbacher Institutsambulanz bietet die optimale Möglichkeit, wohnortnah, wirksam Hilfe zu leisten. Dennoch ist das Angebot bei weitem nicht ausreichend, um zeitnah helfen zu können. Die Kinder und Jugendlichen müssen schon jetzt eine lange Leidenszeit aushalten, bevor Ihnen überhaupt Hilfe gewährt werden kann. Mit Blick auf die bestehende Situation und die aktuellen Untersuchungen zu zukünftigen Entwicklungen wäre eine Ausweitung des Angebotes der Kinder- und Jugendpsychiatrie wünschenswert.

Im Interesse der psychisch erkrankten oder von Krankheit bedrohten Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien bitten wir Sie daher, Ihre Entscheidung, die Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz Korbach Ende 2011 zu schließen, zu überdenken und zu revidieren.

Über eine positive Nachricht, die eine Fortführung der hervorragenden Arbeit der Korbacher Institutsambulanz zukünftig sichert, würden wir uns sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen

Friedrich

Bürgermeister

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