Der Wolf macht gerne leichte Beute

Waldeck. Einst vor über 100 Jahren ausgerottet, der letzte Wolf im hiesigen Raum wurde in Waldeck-Freienhagen um 1820 erschossen, hat sich der Wolf längst wieder seinen Weg zurück nach Deutschland gebahnt. Kurioserweise verbreitet er sich entlang von Truppenübungsplätzen, wo er trotz militärischen Aktionen genügend Rückzugsräume findet.

Ungeschützte Weidetiere sind leichte Beute

46 Rudel (Familie mit Jungtieren) gibt es laut aktuellem Monitoring in Deutschland, in Hessen noch keines. Seit aber ein Wolf am 27. April zwischen Waldeck-Dehringhausen und Twistetal-Nieder-Waroldern gesichtet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr in unsere Region gewachsen. „Noch zählt Hessen als Wolfserwartungsland. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das erste Wolfsrudel auch bei uns niederlässt“, erklärt Dagmar Rothämel, Mitarbeiterin beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). „Und wo einer ist, können auch mehrere sein“, sagt Rothämel, die beim LLH das Sachgebiet Schaf- und Ziegenzucht bearbeitet. Und besonders die seien gefährdet, leichte Beute für den Wolf zu werden. „Der Wolf hat keinen natürlichen Feind, da kann so eine Weide voll mit Schafen schon ein gefundenes Fressen für ihn sein“, weiß die Expertin für kleine Wiederkäuer.

Der Wolf ist noch nicht wieder in Hessen heimisch 

Auch wenn das Raubtier noch nicht wieder in Hessen heimisch sei, könne man die Rückkehr nicht ignorieren. „Es nützt nicht, zu informieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wir müssen jetzt Präventionsarbeit leisten“, betont Rothämel. Wichtiger Schutz gegen Wolfsübergriffe sei der richtige Weidezaun. „Weidetierhalter brauchen ein gutes Zaunsystem, das unter permanenter Spannung steht“, sagt die LLH-Mitarbeiterin. Das sei grundlegend. „Der Wolf ist ein sehr intelligentes Tier und merkt sich, wo er am leichtesten Beute machen kann. Deshalb müssen Weidetiere unbedingt geschützt werden“, betont Rothämel.

Naturschützer kämpfen für die richtigen Signale

Das wissen auch Naturschützer, wie die NABU-Wolfsbotschafterin Isa Rössner aus Waldeck, die sich freut, wenn das streng geschützte Tier wieder heimisch würde. Bei einer Diskussionsveranstaltung des heimischen Weidezaunherstellers „horizont“ in Korbach wurde aber auch deutlich, dass die NABU-Wolfsbotschafter mit Engagement dabei sind, um Schäfern zu helfen, ihre Tiere zu schützen. Sogar das Aufstellen von Zäunen und einen mobilen Herdenschutz kann Isa Rössner im Notfall den Tierhaltern anbieten. Den Naturschützern ist wichtig, dass der Wolf als Gesundheitspolizei in der Natur fungiert und nicht die falschen Signale bekommt und schnelle Beute bei Weidetieren macht.

Halter von wenigen Tieren bereiten Sorgen

Besonders Halter mit sechs bis acht Schafen bereiten dabei Sorgen. Davon soll es rund 6.000 in Hessen geben. Die seien meist schlechter vernetzt als die professionellen Schäfer mit den großen Herden und oft auch wirtschaftlich nicht in der Lage den geforderten Herdenschutz umzusetzen. Kaum ein Weidetierhalter ist begeistert von der Rückkehr des Wolfes. Denn die Mehrkosten für Schutzzäune und eventuelle Verluste nach gerissenen Tieren müssen sie selbst tragen. Auch sei der geforderte „Mindestschutz“ kein wirklicher Herdenschutz, so die Kritiker.

Hessen zahlt keine Entschädigung

Hinzu kommt, in Hessen gibt es lediglich Förderprogramme, wie die HALM-Förderung für erhöhte Wachsamkeit. Eine Entschädigung für Tiere wie in NRW ist bislang nicht vorgesehen. „Es gibt keinen Anspruch auf Schadensersatz“, macht Reinhard Rust von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel deutlich. Auch Härtefallausgleich sei im Einzelfall schwierig, aber die Schafhalter sollten sich bei den Landwirtschaftsämtern über die Fördermöglichkeiten informieren.

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