Salamitaktik im Wilke Wurstskandal: Politik verlangt Antworten vom Landkreis und dem Ministerium

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Salamitaktik im Wilke Wurstskandal: Politik verlangt Antworten vom Landkreis und dem Ministerium.

Ministerium zu langsam? Mängel bei den Kontrollen? Fehlende Informationen? Die Politik verlangt Antworten vom Landkreis und der Ministerin zu den bekanntgewordenen skandalösen Mängeln die bei Wilke Wurstwaren in Twistetal geherrscht haben sollen.

Wiesbaden/Korbach/Twistetal - Die FDP-Kreistagsfraktion hat zur Aufklärung des Skandals um Hygienemängel bei der Berndorfer Firma Wilke Wurstwaren eine unverzügliche Sitzung des Verbraucherschutzausschusses beantragt.

Warum nicht längst der zuständige Ausschuss einberufen wurde um die politische Aufarbeitung ernst zu nehmen, ist Fraktionschef Arno Wiegand ein Rätsel: „Da gibt es einen Skandal im Landkreis, der bundesweit Aufsehen erregt und die Kreistagsabgeordneten erhalten scheibchenweise Informationen durch die Presse. Das darf nicht sein. Als Kreistagsabgeordnete ist es unsere Aufgabe, die Verwaltung des Landkreises parlamentarisch zu kontrollieren – eine Sitzung des zuständigen Fachausschusses, bei der die Dezernenten Rede und Antwort stehen, ist das Mindeste!“

Die Freien Demokraten halten eine umfängliche und zügige Aufklärung für dringend geboten. Allein, um weiteres Stochern in unklaren Gerüchten zu vermeiden. Die Bevölkerung erwartet Transparenz in Bezug auf die Abläufe in der Verwaltung nach Bekanntwerden der ersten Mängel. Die FDP fordert weiter aktiven Verbraucherschutz durch lückenlose Aufklärung und Transparenz, damit Lebensmittel künftig keine Todesfälle mehr verursachen, so die Pressemitteilung.

Grüne fordern:Kreisausschuss soll Kontrollen offen legen

Die Grünen im Kreistag haben hinsichtlich der Kontrollen bei der Firma Wilke in Berndorf einen Fragenkatalog an den Kreisausschuss eingereicht. „Der Landkreis ist für die laufende Überwachung zuständig. Wir wollen, dass offengelegt wird, wie oft kontrolliert wurde, welche Ergebnisse die Kontrollen hatten und welche Konsequenzen gezogen wurden“, sagt Daniel May, Vorsitzender der Grünen im Kreistag.

Auch der zeitliche Ablauf müsse rekonstruiert werden. „Geklärt werden muss, wie mit Hinweisen auf die Listerienbelastung umgegangen wurde. Angesichts der Schutzfunktion der Behörden für die Verbraucher muss hier höchste Sorgfalt und Sensibilität herrschen.“ Angesichts von Berichten mit Bildern über offensichtliche Missstände im Unternehmen Wilke sei es schwer vorstellbar, dass diese unbemerkt blieben, so May.

„Umso wichtiger ist es jetzt, alles offen zu legen und auch Fehler zu benennen. Andernfalls kann der Vertrauensverlust noch größer werden.“ Vor allem müsse das Ziel sein, dass so etwas nicht wieder passieren kann. Mit der Krisenkommunikation des Kreisausschusses zeigen sich die Grünen sehr unzufrieden. „Insbesondere ist uns nicht erklärlich, warum man beispielsweise bei der Frage der Rückholaktion so getan hat, als habe man alles im Griff, obwohl sich im Nachhinein zeigte, dass sie zu diesem Zeitpunkt unvollständig war.“

SPD kritisiert Verzögerung im Wurst-Skandal

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Günter Rudolph kritisiert: „Wenn das zuständige Ministerium darüber informiert wird, dass in Lebensmitteln gefährliche Keime gefunden worden sind, dann darf dieses Wissen nicht acht Tage lang auf einem Ministeriumsschreibtisch herumliegen, ohne dass etwas geschieht. Denn dann ist Gefahr im Verzug und sofortiges Handeln erforderlich. Sollte die Information über die Listerien in den Wilke-Produkten liegengeblieben sein, weil gerade Urlaubszeit war, dann hätten wir es mit einem schweren Organisationsversagen im Ministerium zu tun. Oder es fehlt dort einfach am nötigen Problembewusstsein, weil der Verbraucherschutz nicht nur im Namen, sondern auch in der täglichen Arbeit des Ministeriums ganz hinten steht. Für das eine wie das andere trägt Ministerin Priska Hinz die politische Verantwortung. Ich erwarte, dass Frau Hinz nicht länger über Zuständigkeiten diskutiert, sondern sich mit ganzer Kraft an die Aufklärung der Versäumnisse und Fehler macht. Und natürlich erwarte ich, dass die Ministerin der Öffentlichkeit und dem Parlament zeitnah darlegt, wie sie sicherstellen will, dass sich ein Skandal wie der um die Firma Wilke nicht wiederholen kann.“

Das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat eingeräumt, dass dort bereits am 12. August dieses Jahres Informationen über die Belastung von Wurstwaren der Firma Wilke mit Listerien vorlagen. Diese Informationen wurden aber erst acht Tage später an den Landkreis Waldeck-Frankenberg übermittelt, der die Produktion des Unternehmens schließlich geschlossen hat.

Lesen Sie dazu auch:

11.10.2019 - Wilke-Rückruf: Priska Hinz bei der Task-Force Lebensmittelsicherheit

09.10.2019 - Hotline der Task-Force Lebensmittelsicherheit zur Rückrufaktion der Firma Wilke

07.10.2019 - Der Landkreis lässt im Wilke Wurst Skandal die eigene Lebensmittelüberwachung prüfen

07.10.2019 - Aus den Reihen der SPD wird der Rücktritt des zuständigen Dezernenten gefordert

07.10.2019 - Ministerin Hinz sichert Aufklärung im Fall Wilke Fleisch- und Wurstwaren zu

06.10.2019 - Region ist geschockt über tödliche Bakterien in Wilke Wurstwaren: Landkreis will ohne Wenn und Aber den Fall aufklären

04.10.2019 - Tödliche Bakterien: Wilke Wurstwaren gehen in die Insolvenz / Homepage ist abgeschaltet

02.10.2019 - Zwei Tote nach dem Verzehr von Wurstwaren: Kreis schließt Wilke in Berndorf und ordnet Rückrufaktion an

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