Schäden schreiten schnell voran: Das Forstamt in Burgwald kämpft an allen Fronten

Der Burgwald hat stark unter der Hitze und Trockenheit in 2018 und 2019 gelitten.
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Vor den Sommerferien stand hier noch ein dichter Fichtenwald, der kaum Zeichen auf Probleme preisgab. Am Ende der Ferien war auch der Wald am Ende.
Der Burgwald hat stark unter der Hitze und Trockenheit in 2018 und 2019 gelitten.
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Der „Austernseitling“ (Speisepilz) hat in kürzester Zeit auch diese Buche massiv befallen, weil der Baum geschwächt ist. Das Holz wird nun vom Pilz zersetzt, der Stamm wird bald umstürzen.
Der Burgwald hat stark unter der Hitze und Trockenheit in 2018 und 2019 gelitten.
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Eberhard Leicht sieht sich die Rinde eines gefällten Stammes genau an. Die Spuren der Käfer sind eindeutig. Manche befallen die Rinde (Borkenkäfer), andere bohren sich ins Holz (Bockkäfer).

Der Burgwald zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Hessens. Die Trockenheit und der Borkenkäfer sorgen auch hier für eine prekäre Situation. Bislang sind 300.000 Kubikmeter Holz angefallen, die eigentlich noch „im Saft stehen“ müssten.

Burgwald - Der Burgwald ist ein geschichtsträchtiger Wald, der bisher in seiner Historie schon so manche bedrohliche Lage überlebt hat. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit kam es zu starken Waldverlusten durch Köhlerei, Metallverarbeitung, Streunutzung, Waldweide und hohe Wildbestände. Das Jagdgebiet der hessischen Landgrafen verfügte Mitte des 18. Jahrhunderts nur noch über ein Zehntel des Holzvorrats, den der Burgwald aktuell bietet. Um 1800 begann die systematische Wiederaufforstung mit Kiefern und Eichen unter dem hessen-kasselschen Oberforstmeister Ludwig von Wildungen.

Heutzutage stehen auf jedem Hektar Waldfläche rund 340 Kubikmeter Holz. Der Burgwald zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Hessens und beheimatet mit den „Franzosenwiesen“ (ein großes Moorgebiet mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten) eines der wichtigsten Naturschutzgebiete in Hessen. Von Natur aus ist der Burgwald ein Laubwaldgebiet mit Buchen und Eichen, tatsächlich machen Laubbäume heute nur ein gutes Drittel des Bestandes aus. Die Kiefer die häufigste Baumart im Burgwald, gefolgt von Buche und Fichte sowie der Eiche.

Holzmenge hat sich verdreifacht

Im Burgwald wird nachhaltig eine jährliche Holzmenge von 125.000 Kubikmetern erzeugt, was rund 5.000 LKW- Ladungen entspricht. Doch der Burgwald hat stark unter der Hitze und Trockenheit in 2018 und 2019 gelitten. 2018 betrug die Jahresniederschlagssumme rund 520 mm. Das waren genau 200 mm weniger als in Normaljahren. Durch Stürme und vor allem durch die Aktivitäten der Borkenkäfer sind bislang 300.000 Kubikmeter Holz angefallen, überwiegend Fichten, aber auch Lärchen, Kiefern und zuletzt auch Buchen.

Die Situation ist prekär

Forstamtsleiter Eberhard Leicht schätzt, dass dadurch auf 500 ha (= 5 km²) Freiflächen entstanden sind. „Die Situation ist prekär. Insgesamt hat sich die Holzmenge verdreifacht, die wir aufarbeiten müssen.“ Besonders das schnelle Voranschreiten der Schäden stellt das Forstamt mit seinen 55 Mitarbeitern vor fast unlösbare Aufgaben. Eberhard Leicht zeigt auf eine ehemalige Waldfläche: „Hier war bis zu den Sommerferien alles in Ordnung.“ Innerhalb von sechs Wochen nahm der Borkenkäferbefall aber ein solches Ausmaß an, das nun nur noch eine Fläche wie nach einem Kahlschlag übrig geblieben ist. Dabei kämpft das Forstamt eigentlich selektiv und versucht so viele Bäume wie möglich zu retten. Doch die Freiflächen sind unübersehbar „Flickt man ein Loch, tut sich schon das nächste auf. Ein Kampf an allen Fronten“, beschreibt Leicht.

Aus dem Ruhestand zurück auf Käferjagd

„Wir haben sogar ehemalige Förster gefragt, die sich eigentlich im wohlverdienten Ruhestand befinden, ob sie uns bei den Kontrollen unterstützen können.“ Damit konnte kurzfristig der Käferbefall schneller lokalisiert werden. Andere Forstämter müssen hingegen schon auswählen, welche Bereiche sie gänzlich abschreiben. Die zu trockenen Jahre 2018 und 2019 haben die Bäume geschwächt. Sie können wegen des Wassermangels nicht mehr genug eigenes Harz produzieren, um die Käfer abzuwehren.

Gut wären ein niederschlagsreicher Winter sowie ein kühles und feuchtes Frühjahr

„Wenn wir heute einen Spatenstich in den Waldboden machen, ist in 15 Zentimetern Tiefe immer noch alles trocken“, beschreibt Leicht. Der Boden habe sich von 2018 noch nicht erholt und in diesem Jahr gab es auch keine Verbesserung. Nicht nur die Trockenheit auch ungleichmäßiger Niederschlag verschärft die Situation. Bei Gewittern oder anderen Starkregenereignissen kann das Wasser nicht in die Böden eindringen und fließt in großen Mengen oberflächlich ab. Sogar im Moor ist der Förster ohne Gummistiefel unterwegs, wo er vor zwei Jahren noch knöcheltief im Wasser stand. „Gut wäre ein niederschlagsreicher Winter sowie ein kühles und feuchtes Frühjahr“, wünscht sich der Forstamtsleiter. Bleibt dies wieder aus, stehen die Prognosen ganz schlecht.

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